Architekt verklagt die Stadt Weiden
Viel Geld für drei gemalte Rechtecke

. (wd) Die Anwälte kamen kaum zu Wort. Sie wiederholten lediglich ihre Anträge und schlugen eine gütliche Einigung vor der Zivilkammer des Landgerichts aus. Die erwartete Diskussion um Urheberrecht und die Frage, wann die Architekten-Akquise in die Auftragsphase übergeht, unterblieb daher. Seine Entscheidung über den "an sich recht interessanten Fall" kündigte Richter Peter Werner für Mittwoch nächster Woche an.

Aber schon aus einer kleinen Vorbemerkung darf man wohl schließen, dass ein Weidener Architekt mit seiner Klage gegen die Stadt Weiden nur wenig Chancen hat. Denn der habe lediglich "drei Rechtecke" in einen Bebauungsplan gemalt, meint Werner. Für seine planerische Leistung will der Architekt gut 10 000 Euro. Er beharrt darauf, dass ein Architektenvertrag zustande gekommen sei, weshalb ihm Honorar zustehe. Er lässt sich durch Anwältin Ulrike Vestner von der Nürnberger Kanzlei Leichsenring & Kollegen vertreten.

Die Interessen der Stadt Weiden nimmt Dr. Lutz Rittmann wahr, der einen Honoraranspruch des Klägers vehement bestreitet. Der Architekt sei ohne Auftrag tätig geworden. Zum Hintergrund: Dieter B. suchte im Juni 2014 das Gespräch mit OB Kurt Seggewiß, in dem er seine persönlichen Lebensumstände schilderte. Dabei will er "den Auftrag" erhalten haben, nach weiteren Wohnbauflächen im einst von ihm erstellten Bebauungsplan Naabwiesen zu suchen. Über den weiteren Verlauf gibt es widersprüchliche Darstellungen.

Am 17. Juli 2014 präsentierte der Architekt in einem Brief an den OB einen Entwurf, in dem er die Lage für drei Häuser auf dem "weitgehend ungenutzten Ballspielplatz" des Elly-Heuss-Gymnasiums einzeichnete. Er selbst schrieb von einer "gewagten Idee". Dieter B gab sich zurückhaltend: "Wenn dies Utopie meinerseits ist, dann vergiss es gleich wieder." Und gerade darauf hebt auch Dr. Lutz Rittmann ab: "So formuliert doch kein Architekt, wenn er von einem verbindlichen Auftrag ausgeht."

Der dem Kläger durchaus wohlwollend gesonnene Oberbürgermeister bedankte sich acht Tage später höflich für die "Idee", die es verdiene, "weitergedacht" zu werden. Es gab jedoch keinen Auftrag, die Idee in eine konkrete Planung umzusetzen. Der Oberbürgermeister hätte - ohne einen Beschluss der Stadtratsgremien - einen Auftrag auch nicht erteilen können, betont Dr. Rittmann.

Unaufgefordert leitete der Kläger seinen Vorschlag im Ende August 2014 an das Bauamt weiter, das Mitte September 2014 unmissverständlich feststellte, dass eine nähere Betrachtung der Planungsidee derzeit nicht infrage komme. Dennoch versucht der Architekt, zu Geld zu kommen. Er meint, einen Vorentwurf für eine Bauvoranfrage erstellt zu haben. Ulrike Vestner verzichtete gegenüber dem NT auf eine Stellungnahme
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