Argumentieren gegen rechte Parolen: Schüler werden Trainer
Einspruch, bitte

Auf dem heißen Stuhl: Bei dieser Übung mussten Schüler versuchen, gegen diskriminierende Sprüche zu argumentieren. Künftig sollen sie auch anderen beibringen, wie so etwas geht. Bei der Ausbildung mit dabei: (von links) Anna Weiß, Stefania Smardenka, Mirjam Schneeberger, Vanessa Kiermeier, Elisabetta Frau und Johanna Pichl. Bild: Götz

Gegen Ausländer. Schwule und Lesben. Oder Hauptschüler. Dumme Sprüche über bestimmte Gruppen gibt es auch an Schulen viele. Genauso wie es viele gibt, die gerne widersprechen würden, nur nicht wissen, wie. An drei Schulen können Jugendliche bald das richtige Verhalten lernen. Das Besondere: Ihre Trainer werden Mitschüler sein.

Die Idee dafür stammt von Ursula Soderer, Lehrerin an der Wirtschaftsschule. Sie erfuhr von einem Angebot des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie": Schüler erhalten ein Argumentationstraining gegen rechte Parolen. Dank Förderung durch das Bundesprogramm "Demokratie leben" gab es das Coaching im Februar nicht nur an der Wirtschaftsschule, sondern auch für Schüler von Sabine Hoffmann am Elly-Heuss-Gymnasium und von Florian Köhler am Augustinus-Gymnasium. Die drei Einrichtungen verband, dass sie alle Teil des Netzwerks "Schule ohne Rassismus" sind.

Damals lernten die Jugendlichen noch, selbst rechten Parolen zu widersprechen (wir berichteten). In dieser Woche folgte nun der nächste Schritt: Johannes Karl und Heide Siepmann vom Verein "Gegen Vergessen" brachten ihnen bei, wie sie selbst andere im Widerspruch gegen diskriminierende Aussagen schulen können. Das Interesse daran kann sich sehen lassen: 33 Neuntklässler aus den drei Schulen machten mit. Teils im Juli, teils im September soll es dann für sie ernst werden: Dann sollen sie selbst anderen das richtige Argumentieren in schweren Situationen beibringen.

Eine davon wird Elisabetta Frau sein. Dass jemand gemobbt wurde, habe sie an einer Schule schon einmal mitbekommen. "Viele mischen sich nicht ein", weiß die 16-Jährige. "Aber man sollte etwas dagegen tun", meint die Wirtschaftsschülerin. Das Training sei da durchaus hilfreich. Das habe sie schon bei sich selbst erlebt: Sie habe gelernt, sich noch mehr in Flüchtlinge hineinzuversetzen. "Alle Menschen sind gleich", lautet eine der Botschaften, die sie aus der Schulung mitgenommen hat.

Eine Aussage, die Stefania Smardenka so auch unterschreiben dürfte. Die Augustinus-Gymnasiastin hat die Coach-Ausbildung schon hinter sich, die durchaus einige Nervenstärke abverlangt hat. In einem Rollenspiel etwa mussten sich die Schüler wieder und wieder ein Hin und Her von Parolen und Gegenargumenten liefern. "So lernt man, wie man sich in einer heißen Konfliktsituation verhält", erklärt die 15-Jährige.

Wobei es auch wichtig ist, den Konflikt bald wieder abzukühlen, ergänzt Mirjam Schneeberger. Es sei wichtig, auch mit einem Dumme-Sprüche-Klopfer in Ruhe zu reden. Nur so lasse sich etwas erreichen, weil sonst die Fronten zu verhärtet sind. Nur bei solch einer Form des Miteinanders lasse sich womöglich ein Umdenken erreichen, meint die Elly-Heuss-Gymnasiastin.

Die Gesprächstechniken, die sie dafür seit Februar gelernt hat, hat sie zwar noch nicht bei rechten Parolen anwenden müssen. Aber dass sie bei Meinungsverschiedenheiten in der Tat etwas taugen, hat Schneeberger schon herausgefunden. Sie grinst: "Bei meinen Eltern hat's funktioniert."
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