Auch Nahrungsergänzungsmittel können Leber schädigen
Vitaminpillen mit Nebenwirkung

Chefarzt Professor Dr. Frank Kullmann (von links) begrüßte bei der 33. Fortbildungsveranstaltung im Klinikum Weiden die Referenten Prof. Dr. Axel Holstege und Dr. Werner Speckner. Chefarzt Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl leitete die Diskussion des informativen Fortbildungsabends, der in Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Kreisverband stattfand. Bild: Wirtz-Roegner

Wie reagieren der Stoffwechsel und die Leber, wenn Medikamente auf sie einwirken? Beide Experten waren sich einig: Der zunehmende und sorglose Verzehr von Arznei-, aber auch Nahrungsergänzungsmitteln, ist eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle für das wichtige Stoffwechselorgan.

(ir) Über "Aktuelle Gastroenterologie" informierten der Leberspezialist Prof. Dr. Axel Holstege aus Landshut und Chefapotheker Dr. Werner Speckner vom Klinikum Weiden auf der 33. Fortbildungsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Kreisverband. Chefarzt Prof. Dr. Frank Kullmann von der Medizinischen Klinik I wies darauf hin, welch große Bedeutung die Leberfunktion bei der medikamentösen Behandlung von Krankheiten aller Art habe. Alle ärztlichen Fachgebiete betreffe das Thema.

Wichtiges Organ: Leber


"Wir mischen uns in die Therapie ein, sind vor Ort und beim Patienten", versicherte daher auch Chefapotheker Dr. Werner Speckner. Die Leber sei auf keinen Fall weniger wichtig als die Niere, wenn es gelte, das richtige, individuell abgestimmte Medikament zu finden. Um arzneimittelbedingte Leberschädigungen zu verhindern, stelle sich jeweils die Frage: "Stimmt die Chemie?" Im Klinikum gebe es daher eine "echte klassische Positivliste", in die auch alle neuen Erkenntnisse sofort aufgenommen würden.

Die Wirkung chemischer Substanzen auf die Leber und deren Toxizität seien Hauptgründe für Rückrufe von Medikamenten. Erst nach der Markteinführung kristallisierten sich mitunter Gefahren heraus. Als Gefahrenquellen bezeichnete Dr. Speckner die Selbstmedikation - also die Einnahme ohne ärztliche Aufsicht - sowie die stark steigende Zahl der Nahrungsergänzungsmittel, die aus aller Welt und besonders über das Internet die Kunden erreichten. "Jedes Mittel geht durch die Leber und kann sie demnach auch schädigen." Nicht immer sei die Natur schadloser als Chemie, warnte der Apotheker. Er bedauerte, dass Menschen keine eingebaute Fressabwehr hätten, wie beispielsweise Kühe, die um giftige Pflanzen einen Bogen machten.

Gegen Nahrungsergänzung


Aus der Sicht des Hepatologen wies Prof. Axel Holstege besonders auf die Erkrankungen der Leber hin. "Normale Leberwerte sind keine Garantie, dass alles gut ist." Aufschluss gebe oftmals erst die Ultraschalluntersuchung. Pflanzliche Produkte, Vitaminpräparate, Mineralien, Konzentrate und Extrakte - unkontrolliert eingenommen - seien für 16 Prozent der Leberschäden verantwortlich betonte auch er. Mixturen aus Blättern, Wurzeln und die verschiedensten Tees, eingeführt aus aller Welt, könnten oftmals gefährliche Schwermetalle enthalten, warnte der Hepatologe. Und: "Nahrungsergänzungsmittel sind überflüssig und unter Umständen sogar schädlich."

Als gute Informationsquelle bezeichneten beide Mediziner das Internetportal "livertox.nih.gov". Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl bedankte sich bei den Referenten für die "ganz besonders informativen Referate".
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