Auf Landgericht Weiden könnte die erste Klage nach dem Abgas-Skandal zukommen
Golf-Fahrer will von VW sein Geld zurück

Der Aufruf zum Umrüsten ging diese Woche auch an zahlreiche VW-Besitzer in der Region. Nicht jeder ist damit zufriedengestellt. Ein 53-Jähriger aus Weiden möchte vom VW-Konzern sein Geld zurück. Bild: Hartl

Dem Landgericht Weiden steht möglicherweise die erste Klage gegen den VW Konzern ins Haus. Ein Golf-Besitzer (53) aus Weiden möchte nach dem Abgas-Skandal seinen "Blue Motion" wieder abgeben und sein Geld zurück.

Er hatte den "sparsamsten VW Golf aller Zeiten" (VW-Slogan) im Jahr 2011 bei einem Autohaus im Altlandkreis Vohenstrauß für 22 350 Euro erworben. Jetzt will er für den Wagen von VW 19 352 Euro zurück, abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen 75 000 Kilometer. Zuständig wäre nach Auskunft von Landgerichtssprecher Markus Fillinger das Landgericht Weiden. Gerichtsstand ist der Sitz des Händlers oder der Ort, an dem das Auto steht.

Umrüstung keine Pflicht


Anwalt Christoph Scharf argumentiert, dass sich der Weidener nur deshalb für den Golf mit dem EA 189-Motor entschieden hatte, weil dieser einen geringen Schadstoffausstoß bei gewünschter Leistung und niedrigem Spritverbrauch aufwies. Seit September sei aufgedeckt, dass die Volkswagen AG eine gesetzeswidrige Software installiert hatte. Sie erkennt Prüfsituationen und stößt bei Tests weniger Stickoxide aus. Im normalen Fahrbetrieb ist die Abgaskontrolle außer Kraft. Für Scharf eine "Schädigung des Eigentums", für die VW haften müsse.

Zwar sei angekündigt, dass VW die betroffenen Wagen umrüste. Beim 1,6-Liter-Diesel "Blue Motion" müsste ein "Strömungstransformator" befestigt und eine neue Software installiert werden. Aber diese Nachrüstung sei keine Verpflichtung. Zudem habe VW Einbußen bei Motorleistung und Verbrauch nicht ausgeschlossen.

Ein erster Schritt in Richtung Klage ist gemacht. Der Golf-Fahrer setzte sich im Februar mit Anwalt Scharf gegen seine Rechtsschutzversicherung durch. Diese hatte ihm für das Verfahren gegen Volkswagen keine Deckungszusage geben wollen. Die Versicherung wollte abwarten, wie sich die Umrüstung tatsächlich auf die Autos auswirkt. Die Erfolgsaussichten der Klage gegen VW wertete sie zudem als gering. Diese Argumente ließ Schiedsgutachter Rechtsanwalt Peter Holzschuher aus Nürnberg nicht gelten. Unter dem Strich: Der VW-Fahrer hat Rechtsschutz. Scharf: "Wir werden mit unserem Mandanten erörtern, ob wir gegen den VW-Konzern Klage erheben."

Klagen in ganz Deutschland


Der Weidener wäre nicht der erste. Im Oktober hatte als erste deutsche Kundin eine Frau in Braunschweig Klage gegen VW erhoben. Sammelklagen wie in den USA sieht das deutsche Prozessrecht nicht vor. Jeder Kunde müsste bei seinem Landgericht einzeln klagen. Allerdings haben sich rund 60 000 europäische VW-Besitzer einer niederländischen Stiftung angeschlossen, die einen Vergleich mit VW erreichen will.

Rückrufaktion läuftDer VW-Konzern hat den größten Rückruf seiner Geschichte gestartet - fast 2,5 Millionen Autos mit manipulierten Diesel-Motoren werden in die Werkstätten geholt.

VW geht Schritt für Schritt vor: Als erste an der Reihe waren die Amaroks (Pickups), aktuell folgen die Passat-Diesel. Gegen Ende des zweiten Quartals sollen die Fahrer von 1,2-Liter-Motoren angeschrieben werden; ab dem dritten Quartal die von 1,6-Liter-Motoren. VW geht für das Software-Update von einer reinen Arbeitszeit von 30 Minuten aus. Bei den Motoren mit 1,6 Litern muss zudem ein Bauteil - ein Plastik-Röhrchen mit Gitternetz - eingebaut werden.

Der Mehrverbrauch lag in einem Test des Magazins "Auto Motor Sport" bei umgerüsteten Amaroks bei einem halben Liter pro 100 Kilometer. Die Leistung blieb gleich. Aus juristischer Sicht liegt ein Mangel beim Benzinverbrauch bei einer Abweichung von mehr als 10 Prozent vor. (ca)
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