Auffällig viele Drogen-Verfahren beschäftigen zurzeit die Weidener Justiz
Ein Haufen Ärger um Crystal

Die einen wollen Geld mit der Droge verdienen, die anderen meinen, ohne die Kristalle nicht mehr leben zu können: Zahlreiche Crystal-Dealer und -Konsumenten müssen sich zurzeit in Weiden vor Gericht verantworten. Bild: Götz

Crystal. Immer wieder Crystal. Eine ganze Reihe von Verfahren wegen der Teufelsdroge beschäftigt zurzeit die Weidener Justiz. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Teenager.

(rns/fku) Mit Engelszungen redete Landgerichtspräsident Walter Leupold auf die Angeklagte ein: Sie möge sich doch durch ein klares Geständnis den "minder schweren Fall" verdienen. Jedoch, die 37-Jährige blieb hartnäckig bei ihrer Version. Sie habe den Abholer der Drogen nicht erkannt und somit auch nicht gewusst, dass er erst 17 gewesen war. Ende Oktober hatte ein Bekannter bei der Drogenkonsumentin angerufen, ob sie ihm nicht mit Crystal "aushelfen" könne, da er es sonst nicht mehr zur Arbeit schaffe. Sie sagte zu, und der 32-Jährige schickte einen Jugendlichen los, um den Stoff abzuholen. Dem Teenager steckte die Angeklagte das Päckchen mit einer Konsumeinheit (0,1 Gramm) in die Jackentasche.

Kein Geständnis


Da dies ein "Bestimmen eines Minderjährigen zum Handeltreiben mit" oder zur "Abgabe von Rauschgift" bedeutet, stand die Frau aus dem südlichen Landkreis Tirschenreuth am Mittwoch vor der 1. großen Strafkammer. Die Mindeststrafe: fünf Jahre. Es sei denn, besondere Umstände rechtfertigen einen "minder schweren Fall". Dazu gehört unter anderem ein vollständiges Geständnis. Aber die 37-jährige Mutter bestand darauf, dass sie den Jungen nicht erkannt habe. Dabei, so hielt ihr Leupold vor, hatte sie selbst bei der Polizei angegeben, der Jugendliche sei ihr in der "Szene" vorgestellt worden, und sie habe daraufhin gesagt: "Lasst die jungen Leute aus dem Spiel!"

Der Minderjährige selbst war später ebenfalls im Zusammenhang mit Drogen erwischt worden. Vor der Polizei legte er daraufhin eine "Lebensbeichte" ab und nannte mehrere Personen aus der Rauschgiftszene. Bei der Verhandlung am Mittwoch erschien er, trotz Ladung, jedoch nicht. Zur Fortsetzung am Montag, 18. Juli, 13 Uhr, wird er deshalb von der Polizei vorgeführt. Der Fall ist nicht der einzige Crystal-Prozess, der zurzeit die Weidener Justiz beschäftigt.

Neben drei anstehenden Verhandlungen am Schöffengericht muss sich am Dienstag, 12. Juli, vor der 1. großen Strafkammer ein 31-Jähriger verantworten. Er soll in seiner Wohnung größere Mengen Drogen gelagert haben. Mal 50 Gramm Crystal, mal 150 Gramm Haschisch, wovon er je die Hälfte verkauft haben soll. Einer seiner Abnehmer: eben jener damals 17-Jährige, der schon das Verfahren gegen die 37-Jährige ins Rollen gebracht hatte. Wegen Verkaufs von Drogen an Minderjährige drohen dem mutmaßlichen Dealer nun bis zu 15 Jahre.

Hohe Strafen drohen


Ebenfalls bis zu 15 Jahre stehen ab dem heutigen Donnerstag bei dem Prozess gegen einem 40-Jährigen im Raum. Der Mann soll bis Anfang 2015 in Nürnberg insgesamt 550 Gramm Crystal gekauft haben.

Die momentane Häufung solcher Verfahren ist auch Landgericht-Sprecher Markus Fillinger aufgefallen. Einen negativen Trend kann er daraus aber nicht ablesen. "Das kommt immer wellenförmig", erklärt der Richter. Die Gründe dafür seien oft banaler Natur und hätten beispielsweise mit dem Terminkalender der Verteidiger zu tun. Was aber Crystal-Verfahren insgesamt angehe, habe sich zumindest aus der Perspektive des Landgerichts "die Häufigkeit die letzten Jahre nicht geändert". Das bedeutet aber auch: Die Zahl bleibt weiterhin hoch.

Kuriose Erklärungen nach DrogenschmuggelBereits am Freitag hat das Landgericht in einem weiteren Crystal-Fall das Urteil gesprochen: 9 Jahre für einen 32-Jährigen. Der Mann war im Dezember geschnappt worden, als er mit seinem Auto die Grenze bei Waldsassen überquert hatte. In dem Wagen fand die Polizei ein Kilo Crystal (Straßenverkaufswert: bis zu 100 000 Euro). Die Drogen lagerten in der Reserverad-Mulde, was bemerkenswert war. Denn das Auto war offenbar als Schmuggelfahrzeug umgebaut worden: am Unterboden war ein Kästchen angeschweißt - das allerdings leer war.

Bemerkenswert war auch das Verhalten des Mannes, der auf einem der "Vietnamesenmärkte" arbeitete: Bei der Vernehmung gab er an, Stimmen in seinem Kopf hätten die Tat befohlen. Allerdings nahm ihm ein Sachverständiger nicht ab, dass er psychisch krank ist. Eine seltsame Geschichte präsentierte der 32-Jährige auch vor Gericht. Er habe nichts von Drogen gewusst. Ihn hätten nur Leute angesprochen und gebeten, "ein Geschenk" nach Amberg zu fahren. Dort hätte er dann auf einem Parkplatz warten sollen, bis ihn jemand anspricht, der das Präsent in Empfang nimmt. Versteckt habe er die Ware im Auto nur, weil er mal auf die Toilette gegangen sei und den Wagen nicht abgeschlossen habe. (fku)
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