Augustinus-Gymnasiasten, "Pro Libris" und "Regi" für Flüchtlinge
Hilfe wie aus dem Lehrbuch

Monatskarten für die Regionalbibliothek und Bücher spendeten Augustinus-Gymnasiasten für Flüchtlinge. Mit dabei: (von links) die Schüler Anika Biehler, Johannes Binapfl, Lehrerin Birgit Zimmermann, "Regi"-Chefin Sabine Guhl, Schulleiter Helmut Matejka sowie die Schüler Jonas Merkl und Esther Neugebauer. Bild: Götz

Eigentlich sollte es ins Kloster gehen. Am Ende standen sie in der Notunterkunft für Flüchtlinge. Weit gekommen sind Augustinus-Gymnasiasten also nicht gerade. Rein geografisch. Bewegt haben sie trotzdem eine Menge. Dank ihnen haben Flüchtlinge nun mehr Möglichkeiten, an Bücher und unter die Weidener Bürger zu kommen.

Los geht das Kapitel mit einer Absage. Die Klassenfahrt zum Kloster Weltenburg musste ausfallen. Dabei hatten die rund 40 Gymnasiasten der zwei Kunstkurse der Q 11 schon Geld dafür gesammelt, wie einer von ihnen, Johannes Binapfl, erzählt. Es mag aber in diesen Zeiten noch Wichtigeres geben als Reisen. Zumal in jenen Tagen Anfang November die Mehrzweckhalle zur Notunterkunft umgewandelt wurde. Die Jugendlichen beschlossen, mit dem Geld etwas für die Neuankömmlinge in der Nachbarschaft zu machen. Etwas, das die Integration fördert, sagt Anika Biehler. Etwas, das gerade den Flüchtlingskindern nützt. Und dann ist ihnen die Idee mit den Büchern gekommen.

Lehrer zur Kasse gebeten


"Wir wollten den Flüchtlingen Teilhabe am Leben und Bildung ermöglichen", fasst Lehrerin Birgit Zimmermann zusammen. Also starteten sie das Projekt "Books for Refugees" (Bücher für Flüchtlinge). Die Schüler nahmen ihr Geld, sammelten zusätzlich noch im Lehrerkollegium und trugen so 1000 Euro zusammen.

Mit einem Teil davon schafften sie - zusätzlich zu Büchern von sich zu Hause - Gedrucktes vor allem für kleine Kinder und Schüler an. Bilder- und Lernbücher, deutsch-arabische Literatur (was ohne die Hilfe der Buchhandlung Rupprecht gar nicht geklappt hätte, weil der fremdsprachige Buchmarkt recht komplex ist). Das alles übergaben sie schließlich als Mini-Bücherei an die Bewohner der Notunterkunft.

Ein Großteil des Geldes ging jedoch an den zweiten Teil des Projekts, in die Regionalbibliothek. Auch dort wollten sie Flüchtlingen Möglichkeiten zum Lesen schaffen - und dazu, in die Öffentlichkeit zu kommen, ins Gespräch mit den Einheimischen. Das funktioniert nicht nur mit entsprechender Literatur. Sondern auch mit Leseausweisen - an die die Flüchtlinge, die meist kein Geld haben und manchmal nur kurz in Weiden bleiben, sonst selten gelangen. Also finanzierten die Gymnasiasten 80 Monatskarten.

"Pro Libris" unterstützt


Bei der "Regi" liefen die Schüler mit ihrem Projekt offene Türen ein. Wie Chefin Sabine Guhl berichtet, ist die Einrichtung ohnehin bemüht, ihren Bestand an fremdsprachigen Büchern auszubauen. Außerdem richtet sie eine Ecke ein, in der alles gesammelt ist, was es zum Deutsch-Lernen braucht. Ihr Haus ist schließlich offen für alle - es sei ja wichtig, dass die Flüchtlinge eine Möglichkeit haben, aus der Enge der Halle rauszukommen. Zudem treffen sich schon jetzt dort Einheimische mit Flüchtlingen für Sprachtraining. Das sprachliche Interesse beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. Guhl hat unter den deutschen Kunden eine erhöhte Nachfrage bei Arabisch-Lernbüchern beobachtet.

Zu Ende ist der Einsatz für Flüchtlinge in der "Regi" nach dem Projekt nicht: Als Guhl "Pro Libris"-Vorsitzendem Stefan Kunnert von "Books for Refugees" erzählte, sattelte der Förderverein 1000 Euro für den Kauf passender Bücher drauf. Ohnehin bemühte sich "Pro Libris" selbst um ein ähnliches Projekt, das Flüchtlingen den Zugang zur "Regi" erleichtern soll. Wobei die Förderzusage hier noch aussteht. Für die Schüler brachte das Kapitel indes jetzt schon eine Menge - an Erfahrung. Vor allem der Besuch in der Mehrzweckhalle, in der die Flüchtlinge Bett an Bett leben, wie Binapfl sagt: "Man lernt die Dinge, die einem selbstverständlich sind, mehr zu schätzen."
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