Augustinus-Gymnasium sorgt bei Schulen und Poetry-Slam für Ersatz
Literaturtage ohne Pause

"Slam Champion" Jaromir Konecny ist Stargast der Schulliteraturtage 2016 und des Poetry-Slams. Der steigt - dank der "Augustinus"-Initiative - am 29. Juni in der City-Center-Tiefgarage. Bild: Kubinska

Die Weidener Literaturtage fehlen offenbar an allen Ecken und Enden. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass im Pausenjahr 2016 plötzlich alle möglichen Ersatzveranstaltungen stattfinden. Für den Clou sorgt das Augustinus-Gymnasium.

Womit? Mit den Schulliteraturtagen 2016. Studiendirektor Thomas Kreuzer und seine Kollegen haben auch die Lehrkräfte des Kepler-Gymnasiums für diese Idee begeistert. Und - was besonders wichtig ist: Die Schüler dreier Projekt-Seminare am "Augustinus". Gemeinsam stemmen sie das Programm.

Lesungen und Workshops


Und das kann sich wirklich sehen lassen: Geplant ist ein Literaturstudientag am Dienstag, 28. Juni, am Augustinus-Gymnasium mit Autorenlesungen, Workshops, Bücherpyramiden, Theater und mehr. Stargast ist Jaromir Konecny. Der aus Tschechien stammende und in Deutschland lebende Publizist und Schriftsteller gilt in bestimmten Kreisen bereits als "Slam Champion". Er wird für die Schüler von "Augustinus" und "Kepler" Workshops abhalten.

Aber auch die Poetry-Slam-Fans aus Weiden und Umgebung dürfen sich freuen. Denn die Augustinus-Gymnasiasten organisieren für Mittwoch, 29. Juni, einen öffentlichen Poetry-Slam mit Konecny - ganz wie in den Vorjahren - in der Tiefgarage des City-Centers. "Geschäftsführer Philipp Kaufmann und Sabine Guhl von der Regionalbibliothek haben uns dabei unterstützt", dankt Kreuzer. Dank der Firma Wies wird auch ein Literatourbus durch die Stadt touren. Mit Lesungen von Oberstufenschülern an den Grundschulen sollen außerdem Erst- bis Viertklässler in die Schulliteraturtage einbezogen werden.

Wie es zu all diesen Aktionen kam? Ganz einfach: "Wir haben im Januar 2015 begonnen, einen Literaturstudientag am ,Augustinus' zu planen, weil die Projekt-Seminare viel Vorlaufzeit benötigen, und wir wollten ihn in die Weidener Literaturtage einbinden", erklärt Thomas Kreuzer. Mit seinem P-Seminar übernimmt der Mathe- und Physiklehrer seit Jahren die Technik bei den beliebten Poetry-Slams. Doch dann hat der Stadtrat überraschend die Literaturtage 2016 gestrichen und aus finanziellen Gründen einen Zwei-Jahres-Turnus festgelegt. "Alle Beteiligten waren natürlich traurig. Die Organisatoren der Workshops und Lesungen genauso wie die des Poetry-Slams." Deshalb beschlossen die Akteure letztlich, ihre Pläne trotzdem wahrzumachen.

"Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen", sagt Kreuzer. "Es kann nicht sein, dass man an dieser Stelle spart, vor allem bei den Aktionen in Schulen." Er und das gesamte Kollegium stehen voll dahinter, versichert Schulleiter Helmut Matejka. Schließlich sei Lesen ein wichtiger Aspekt an der Schule. Was Thomas Kreuzer besonders freut: "Die Kollegen am Kepler-Gymnasium haben die Idee begrüßt und planen selbst Aktionen."

Beim Heimatring war Buchhändler und Autor Martin Stangl vor kurzem aktiv. Auf Wunsch von Vorsitzendem Günter Magerl gestaltete er einen Leseabend als Ersatz für die ausgefallene Literaturtage-Lesung. Stangl findet es "grandios, dass auf die Initiative des Augustinus-Gymnasiums zumindest Schullesungen und der Poetry-Slam als Highlight der Literaturtage auch heuer stattfinden." Seine Hoffnung: "Vielleicht könnten die Schulliteraturtage ja in den Jahren, in denen die Literaturtage pausieren, die Klammer bilden. Oder die Stadträte überlegen es sich nochmal, wenn sie merken wie groß die Nachfrage nach den Literaturtagen ist."

Einmalige Aktion


Letzteres wünschen sich natürlich auch die beteiligten Lehrer. Was die "Klammer" betrifft, winkt Thomas Kreuzer allerdings ab. "Die ausfallenden Literaturtage hinterlassen eine zu große Lücke. Die zu schließen, das können wir nicht alle zwei Jahre leisten." Außerdem gibt er zu bedenken: "Abgesehen vom Poetry-Slam machen wir ja nur Schulliteraturtage."

Schulliteraturtage 2016: Eine "super Idee"Sabine Guhl , Hauptorganisatorin der Weidener Literaturtage und Chefin der Regionalbibliothek, findet die Idee der Schulliteraturtage 2016 "super". Besonders freut sie sich, dass die Schüler sogar den Poetry-Slam organisieren. Das nötige Know-how dafür habe sie gerne beigesteuert.

Die "Regi"-Chefin hat zwar selbst vorgeschlagen, die städtischen Literaturtage nur noch alle zwei Jahre abzuhalten. Doch dafür gab es nach ihren Worten einen guten Grund: "Einfach, weil die Finanzen um die Hälfte gekürzt wurden." Die Literaturtage sollen ein Festival sein, meint sie. "Also ist es besser, alle zwei Jahre groß zu feiern, als jedes Jahr nur klein."

"Es ist schön, dass das Augustinus-Gymnasium mit den Schulliteraturtagen einen Ersatz schafft und unsere Schüler mit einbezieht, sagt Tamara Lax , Deutschlehrerin am Kepler-Gymnasium. Was die städtischen Literaturtage betrifft, äußert sie sich zurückhaltend: "Es wäre schön, wenn sie nach wie vor stattfinden würden. Wie oft, darauf haben wir leider keinen Einfluss."

Maria Rupprecht bewundert das Engagement der Lehrer und Schüler, die 2016 die Schulliteraturtage organisieren. "Ich weiß, wie viel dahinter steckt", erklärt die Buchhändlerin. Wie Alexandra Stangl von "Stangl und Taubald" zählt Maria Rupprecht zu den Organisatoren der städtischen Literaturtage und unterstützt zugleich die schulischen Aktionstage. "Ich stelle immer wieder fest: Kinder lieben Geschichten. Das gilt selbst in Zeiten von Internet und Tablets."

Dass Literatur Erwachsene nicht weniger fesselt, habe sie bei den jüngsten Lesungen in ihren Buchhandlungen festgestellt: "Gerade jetzt, wenn es auf Mai zugeht, wurde ich mehrfach von Leuten angesprochen, die sagen, dass sie die Literaturtage vermissen." (ps)
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