Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten" am Festplatz
Galerie der Toten

151 Scheiben setzen sich zu einem Menschen zusammen. Die Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten" ist ab heute bis Sonntag, 17. Januar, in Weiden zu sehen. Bilder: Götz (4)
 
Sehnen, Muskeln und Haut spannen sich über die Knochen. Die Leichenteile sind plastiniert.

Es ist schon ein mulmiges Gefühl, so zwischen zersägten Körpern, Knochen, Muskeln und abgestorbenen Sehnen. Still ist es. Trotzdem haben die Exponate der Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten" den Besuchern in Weiden viel zu erzählen.

Aus dem kleinen Nabel ragt noch ein Rest Nabelschnur. Die Haut des Babys ist fahl, der Mund leicht geöffnet, die Augenhöhlen schwarz und leer. Das Neugeborene liegt nackt in einer beleuchteten Vitrine mitten in einem Zelt. Das Kind ist Teil der Ausstellung, die seit heute auf dem Festplatz in der Conrad-Röntgen-Straße zu sehen ist. Rund 200 Exponate werden auf 600 Quadratmetern präsentiert.

Über das Leben der präparierten Menschen wissen die Veranstalter nichts. "Wir wissen auch nicht, woran sie gestorben sind", sagt Pressesprecher Thomas Müller. Die Leichen werden "entpersonalisiert". "Es ist sehr wichtig, eine gewisse Würde zu wahren." Die sei in den letzten Jahren bei Gunther von Hagens' "Körperwelten" verloren gegangen. Ein erigierter Reiter auf einem Pferd sei anatomisch nicht nur nicht richtig, sondern für Müller auch zu reißerisch. "Uns geht es mehr um die Pathologie, um die Wissenschaft." Bei den "Körperwelten" stehe vor allem die Kunst im Vordergrund.

Neben Därmen, die sich wie Serpentinen durch den Glaskasten schlängeln, Scheiben von Beinen, die an Rollbraten erinnern, und Haut, die wie ein Ball ohne Luft daliegt, hängen Info-Tafeln. Darauf ist beispielsweise zu lesen, dass 220 Knochen den Körper formen und die Haut eines Erwachsenen zwei Quadratmeter abdeckt. Müllers Lieblingsexponat ist der Scheiben-Mensch. In 151 Scheiben zersägt, liegt er in einem Schaukasten.

Damit die Körperteile ausgestellt werden können, müssen sie plastiniert werden. Das muss schnell gehen, denn nach der Totenstarre sei eine Plastination nicht mehr möglich. "Pathologen setzen sich zusammen und überlegen, was sie am besten zeigen können. Interessant sind Menschen, die was Besonderes haben, Fehlbildungen, eine künstliche Hüfte", erklärt Müller. "Man muss alle Körperflüssigkeiten entfernen." In einer Dekompressionskammer wird den Körperteilen laut Müller dann Aceton, eine Flüssigkeit, verabreicht. "Das Aceton frisst sich durch die Körperzellen, lässt aber die Zellhülle unberührt." Drei bis vier Monate dauere es, bis sich das Aceton durch den Körper gearbeitet hat. Bei Unterdruck und einer Temperatur von 27 Grad verwandle sich die Flüssigkeit in Gas und trete aus den Zellen. Dieses werde dann durch weiche Kunststoffe ersetzt, die "Knochen mit Kunstharzen umgearbeitet".

Drei bis vier Jahre dauert es, bis ein Körper fertig präpariert ist. "Das müssen zirka 1800 bis 2400 Arbeitsstunden sein", vermutet Müller. Es komme öfter mal vor, dass Besucher sich dafür interessieren, wie man Teil der Ausstellung wird. In sogenannten Plastinationszentren könne man sich auf die Warteliste schreiben lassen, um seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. "Und so sarkastisch es klingt, wartet man, bis man tot ist. Man bekommt so etwas wie einen Organspendeausweis. Damit die Bestatter und Ärzte Bescheid wissen und es so schnell wie möglich ins Plastinationszentrum geht."

Bemerkenswert findet er die Gründe, die Besucher nennen, warum sie sich nach ihrem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen. "Sie wollen nicht von Würmern zerfressen werden, mit der Asche vom Vorgänger vermischt werden oder nach dem Tod was an die Menschheit zurückgeben."

ÖffnungszeitenDie Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten" ist von Donnerstag, 14. Januar, bis Sonntag, 17. Januar, jeweils von 11 bis 18 Uhr auf dem Festplatz in der Conrad-Röntgen-Straße zu sehen. Der Eintritt kostet 15 Euro für Erwachsene, Schüler in angemeldeten Klassen zahlen 8 Euro. (spi)
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