Ausstellung zeigt Denkmäler in Forstgebieten
Schätze im Wald

Denkmäler im Wald zeigt derzeit eine Ausstellung im Neuen Rathaus. Darunter sind auch Beispiele aus der Region wie die Bienenstube bei Schlammersdorf. Bilder: Moritz Neumann
 
Erst spät zeigte sich, dass diese Anhebung ein alter Grabhügel ist.
 
Beim Weidener Wasserwerk befindet sich dieses Steinkreuz.

Eine unscheinbare Erhebung, die sich als jahrtausendealtes Grab entpuppt. Mit Moos bewachsene Steinhaufen, die eine Geschichte erzählen: Die Wälder der Region bieten viel mehr als nur Erholung. Man muss nur genau hinschauen.

Wer im Wald arbeitet, lernt, zeitlich in großen Dimensionen zu denken, sagt Andrea Sauer von der Bayerischen Forstverwaltung. Bäume können nunmal viele Menschengenerationen überdauern. Und zwischen ihnen finden sich mitunter auch Dinge, die noch einmal deutlich älter sind. Eine Auswahl davon ist noch bis Sonntag, 19. Juni, bei der Ausstellung "Denkmal im Wald" im Neuen Rathaus zu sehen. Sie zeigt von keltischen Viereckschanzen bis alten Kohlenmeilern Denkmäler aus bayerischen Forsten. Zehntausende gibt es davon, auch wenn nur wenige - wie Teile des Limes' - wirklich prominent sind. Umso wichtiger sei es, Waldbesitzer und Bürger allgemein auf diese Schätze hinzuweisen, sagt Sauers Kollege Moritz Neumann.

Er hat die Wanderausstellung nach Weiden geholt - und sie um weitere Schautafeln ergänzt. Neumann wollte auch Beispiele aus der Region aufnehmen. Dafür gewann er heimatgeschichtlich versierte Helfer: Weidens Stadtarchivarin Petra Vorsatz, Kreisheimatpfleger Peter Staniczek, Käthe Pühl und Michael Biersack lieferten Vorschläge und Erklärungen für die regionalen Walddenkmäler, die wir auf dieser Seite vorstellen.

Denkmäler in Weiden und bei LohmaSteinkreuz am Wasserwerk

Auch in Weiden gibt es "Wald-Denkmäler". Dazu gehört die Kapelle zur Heiligen Staude. Oder das Steinkreuz, das sich an der Nordwestecke des Wasserwerks befindet. Es stand allerdings nicht immer dort. Von 1920 bis nach dem Zweiten Weltkrieg befand es sich am Kapuzinersteig (zwischen Gewerbegebiet Am Forst und Altenstadt). Auf seiner Vorderseite sieht man ein sogenanntes Radkreuz, einen Kreis mit einem gleicharmigen Kreuz, beides reliefartig herausgearbeitet. Im Stadtgebiet sind noch sieben weitere solcher Steinkreuze erhalten, etwa ein zweites direkt daneben beim Wasserwerk, zwei beim Wasserhochbehälter südlich der B 22 oder das "Pfaffenkreuz" bei der Weißen Marter an der Ecke Leuchtenberger Straße/Hopfenweg. Der wahre Aufstellungsgrund ist nur von den wenigsten Kreuzen bekannt. Sicher ist nur, dass ein Großteil zwischen dem 13. Jahrhundert und der Zeit um 1530 errichtet wurde.

Grabhügel bei Lohma

Lohma/Weiden. Für das ungeübte Auge wirken sie wie banale Hügelchen. Kein Wunder, dass die bis dahin nirgends verzeichneten Grabhügel bei Lohma erst im Jahr 1989 entdeckt wurden. Grabungen in einem der Hügel zeigten erste Keramik- und Leichenbrandfunde und belegten, dass es sich tatsächlich um einen Grabhügel aus der Hallstattzeit (etwa 800 bis 450 v. Chr.) handelt. In der Mitte des noch bis 1,60 Meter hohen Erdhügels mit einem Durchmesser von 15 bis 16 Metern befand sich direkt unter der Lehmüberdeckung eine abgerundete viereckige Steinpackung. Darunter lagen verbrannte und kompakt erhaltene Holzbalken, die einen rechteckigen Brandschüttungsbereich mit mehreren Leichenbrand- und Gefäßdeponierungen begrenzten. Eine rot verziegelte Fläche im Hügelzentrum mit zahlreichen verkohlten Hölzern legt nahe, dass sich hier der Scheiterhaufen befand.

Karte mit den Standorten:


Die Markierungen zeigen die Standorte, Abweichungen von 10 Metern sind je nach Empfangssituation bei GPS-Geräten möglich.

Bienenstube bei Schlammersdorf


Er sucht bisher seinesgleichen: der steinerne Rundbau der "Bienenstube" bei Schlammersdorf. Im 15. Jahrhundert diente er der Bewirtschaftung einer Waldimkerei. Da Honig und Bienenwachs im Mittelalter in vielen Bereichen, etwa für Medizin, Met, als Siegelwachs und zur rußfreien Kirchenbeleuchtung, unverzichtbar waren, genossen die Zeidelweiden (Bienenweiden) besonderen rechtlichen Schutz. Eine 1432 ausgestellte Urkunde weist die Zeidelweide als Eigentum von Pfalzgraf Johann aus. Der Platz ist aber älter, da die "Zeydelwayde zwischen Slamerstorff und Penzenreut" bereits 1390 eine Honigabgabe leistete und nahe einer mittelalterlichen Straßenkreuzung liegt. Unikate sind die vor Ort gefundenen Vorläufer der heutigen Imkerpfeifen, sogenannte Rauchtöpfe. Im Umfeld fanden sich außerdem ein Köhler- und ein Pechsiedeplatz, die mindestens 100 Jahre älter sind. Die Geschichte und Grabungsfunde erläutert vor Ort auch eine Infotafel.

Ringwall beim Rauhen Kulm


Viel ist noch unbekannt über dieses Denkmal: Am Fuße der Blockhalde des Rauhen Kulms erstreckt sich gegen Süden und Osten ein Teilstück des noch deutlich erkennbaren Ringwalls. Alte Skizzen deuten darauf hin, dass er einst den gesamten Fuß des Kegels umringte. Wann der von Menschenhand geschlichtete Wall aufgeschlichtet wurde, lässt sich nicht eindeutig sagen. Der nördliche Teil wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch Basaltabbau zerstört. Der dadurch heute offen liegende Schnitt gibt einen Einblick in den Aufbau des Ringwalls als einstige Befestigungsanlage. Archäologische Funde aus diesem Bereich reichen vom Mittelalter zurück bis zum Neolithikum. Der Fund ungarischer Pfeilspitzen belegt, dass Angreifer im 10. Jahrhundert an dieser Verteidigungsanlage gescheitert sind. Über einen von Osten kommenden Wanderweg gelangt man durch das noch erkennbare Osttor der Wallanlage auf den Rauhen Kulm.

Handkreuze im Elm


Viele Sagen ranken sich um das ausgedehnte Waldgebiet Elm zwischen Vohenstrauß, Waldau, Lerau und Leuchtenberg und seine Steine, von denen eigentlich nur einer ein echtes Steinkreuz ist. Die beiden links daneben sowie ein vierter sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine verstümmelten Kreuze. Die Steine befinden sich an der Kreuzung zweier Altstraßen. Die eine verläuft von Kleinpoppenhof bei Michldorf nach Neumühle bei Vohenstrauß, die andere von Unterlind nach Weiden. Etwa 100 Meter westlich davon kreuzt die Altstraße von Lerau nach Waldau. Was die Steine gemeinsam haben, ist eine eingemeißelte ausgestreckte rechte Hand.

Das Handabschlagen war die häufigste Verstümmelungsstrafe in alter Zeit und wurde unter anderem beim Tatbestand des „Friedbruch“ verhängt. Möglicherweise war der Elm ein gefriedeter Bezirk und die Steine Hinweiszeichen darauf. Die Sagen um die „Handkreuze“ sind vielfältig, münden aber immer in der Feststellung, dass hier mehrere Herrschaften ihre Grenze festgelegt und diese mit den Schwurhandsteinen gemarkt hätten.
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