Autorin Barbara Warning aus Hamburg hat für ihr Buch „Kindheit in Trümmern“ Zeitzeugen von ...
Kinder sind immer die Opfer

Not und Elend während und nach der Vertreibung machten (von links) Barbara Warning, Veit Wagner, Sebastian Schott und Uwe Erling deutlich. Bild: stg

"Wir sind zu Fuß durch Eis und Schnee. Wir hatten dicke Strümpfe und hohe Schürschuhe an. Trotzdem haben wir gefroren und vor allem Angst gehabt." Diese und noch viele andere Geschichten von Zeitzeugen hat Autorin Barbara Warning aus Hamburg für ihr Buch "Kindheit in Trümmern" zu Papier gebracht.

Es sind eindrucksvolle Erinnerungen, etwa von Ilse Tamm, an ihre Flucht aus Ostpreußen im Kriegswinter 1945. Im Saal des Alten Schulhauses stellte Warning zwei Kapitel über Flucht und Vertreibung aus der Heimat in den Mittelpunkt. Im Anschluss wurde in einer Diskussion versucht, Parallelen und Unterschiede zur aktuellen Flüchtlingssituation aufzuzeigen. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz konnte zu der Veranstaltung zahlreiche interessierte Zuhörer begrüßen, weitere Diskutanten des Abends waren Sebastian Schott (Stadtarchiv), Veit Wagner (Netzwerk Asyl, Integrationsbeirat) und der Rechtsanwalt Uwe Erling. Der Kepler-Abiturient hat eine preisgekrönte Schülerarbeit über die Vertreibung am Beispiel seiner Familie verfasst.

Ohne persönliche Schuld


"Kinder sind immer die Opfer von Kriegen. Sie haben unter den Folgen zu leiden, ohne dass sie eine persönliche Schuld trifft", stellte Barbara Warning fest. Ilse Tamm, Jahrgang 1934, war 1944/45 so ein Kind, das Ostpreußen gemeinsam mit der Mutter sowie den beiden Schwestern verlassen musste. Drei Monate dauerte die Flucht, bis schließlich unbeschadet Holstein erreicht wurde: Sie berichtete der Autorin von dem ersten toten Soldaten, den sie gesehen hatte, von der Flucht über das krachende Eis bis hin zum Beschuss des Schiffes durch die Rote Armee.

Nicht weniger beeindruckend gestalteten sich die Erinnerungen von Ursula Heller (1933-2012), die währen der Flucht ihre Mutter "verloren" hatte und sich daher um die beiden Geschwister kümmern musste. Es folgten Tage, an denen sie hoffte, die Mutter käme zurück, um gemeinsam sterben zu können, und auch Tage, an denen man Würste mit Maden gegessen habe um zu überleben.

Veit Wagner betonte in der anschließenden Diskussionsrunde, dass ein wesentlicher Unterschied zur Situation damals in der Gegenwart darin liege, dass eine stabile Gesellschaft mit gewissen Standards die Flüchtlinge aufnehme. Dagegen gebe es allerdings sprachliche Grenzen, die ganz andere seien. "Überwiegend ist das eine totale Kommunikationslosigkeit", so Wagner. Diese führe dazu, dass viele Geschichten von Flüchtlingen eben gar nicht so bekannt seien, wie man es gerne hätte.

Große Leistung vollbracht


Einig war sich das Podium, dass in der Bundesrepublik eine große Integrationsleistung der Vertriebenen vollbracht wurde. Gleichzeitig dürfe man aber nicht vergessen, so Sebastian Schott und Uwe Erling, dass es auch viele Konflikte, beispielsweise bei der Wohnraumfindung gab. Der vor einigen Jahren von Historiker Andreas Kossert geprägte Begriff der "Kalten Heimat" sei eine treffende Beschreibung gewesen. "Aber klar: Vom Ende her betrachtet, kann man vielleicht von der Erfolgsgeschichte der Integration sprechen", so Erling. In verschiedenen Wortmeldungen der Zuhörer wurde deutlich, dass gerade in Weiden die Integration sehr gut gelungen sei.

Sie haben unter den Folgen zu leiden, ohne dass sie eine persönliche Schuld trifftBarbara Warning zur Rolle der Kinder im Krieg
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