Badekleidung für Muslimas
Burkini: Fast überall erlaubt

Im Burkini spielte eine Frau in einem Freibad in Berlin mit ihren Kindern. In einem Hallenbad in Neutraubling dürfen muslimische Frauen keinen Ganzkörperschwimmanzug tragen. Nach Angaben der Stadtverwaltung hatten sich Badegäste über eine Muslimin im Burkini beschwert. Bild: dpa

In Neutraubling ist der Ganzkörperbadeanzug, den strenggläubige Muslimas tragen, verboten. In den Bädern der Region ist er erlaubt. Möglicherweise gibt es bald einen klaren Regelungsvorschlag für Burkinis.

Neutraubling/Weiden. In einem Hallenbad in Neutraubling gilt Burkiniverbot. Nach Angaben der Stadtverwaltung hatten sich Badegäste beschwert, weil eine Muslima am Frauenbadetag in einem Ganzkörperanzug erschien. Bürgermeister Heinz Kiechle (CSU) nennt hygienische Gründe für seine Entscheidung, meldet die dpa. Damit ist das Hallenbad wohl das erste in Bayern, das ein Verbot aussprach.

Badeordnung kein Pflicht


Im Erlebnisbad Schwandorf herrscht laut Bäderleiter Rüdiger Frey kein Verbot für den Burkini. Er erinnert sich an eine Frau in der vergangenen Saison, die einen Burkini getragen hat. Daran habe sich niemand gestört. Klaus Kunz, Betriebsleiter der Bäder in Weiden, hat in seinen Anstalten schon einige Schwimmerinnen im Burkini gesehen. Auch hier gibt es kein Verbot. "Die Haus- und Badeordnung der Deutschen Gesellschaft für Badewesen ist kein Muss", sagt Kunz. Jede Kommune könne sie anpassen. "Es wird nicht ausbleiben, dass der Burkini erlaubt wird", meint er - so, wie Schwimmer keine Badekappen mehr tragen müssen und Jungs im Wasser meist Shorts tragen dürfen. Auch in den Bädern in Amberg ist der Burkini erlaubt. "Wir legen Wert auf angemessene Badebekleidung", sagt Karoline Gajeck-Scheuck, Pressesprecherin der Stadtwerke. Generell ist in Amberg jede Art von Badekleidung erlaubt, auch Neopren- und UV-Anzüge.

Zu große Fenster?


In Neutraubling hatte offenbar ein männlicher Bademeister beim Frauenbadetag Aufsicht geführt, zudem ist die Anlage über ein großes Fenster von außen einzusehen - daher hatte die Frau wohl den Burkini angezogen. Das ist ein zweiteiliger Schwimmanzug aus Elastan für Muslimas: Er besteht aus einer Leggins und einem Oberteil, das in eine Kopfbedeckung übergeht. Der Name ist eine Kombination aus Burka und Bikini.

Frauen baden, wie sie wollen

Angemerkt von Elisabeth Saller

In Neutraubling veranstaltet ein Hallenbad einen Frauenschwimmtag, und ein männlicher Bademeister beaufsichtigt das Treiben. Kein Wunder, dass die strenggläubige Muslimin im Burkini ins Wasser geht. Nun ist diese Kleidung dort verboten. In den Badeanstalten anderer Städte wäre so etwas nicht passiert. In Freiburg zum Beispiel gibt es das Loretto-Damenbad, ein Freibad für Frauen. Auch die Bademeister sind dort ausschließlich weiblich. Ob oben ohne oder im Burkini, die Frauen baden so, wie sie wollen. Schade, dass das in Neutraubling beim Damentag nicht der Fall ist. Männer werden in Freiburg übrigens nicht ausgegrenzt: Im benachbarten Loretto-Familienbad haben alle Zutritt.
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2 Kommentare
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 10.06.2016 | 12:15  
Elisabeth Saller aus Weiden in der Oberpfalz | 13.06.2016 | 17:34  
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