Bahn-Experte beim Verband Wohneigentum
Schallschutz vor gesetzlichen Hürden

Keine rosigen Aussichten auf eine ruhige Zukunft entlang der Bahnstrecke Marktredwitz-Regensburg: (von links) Kurt Reiner, Robert Hanft und Bezirksvorsitzender Christian Benoist. Bild: Kunz

Die Aussichten, dass es parallel zur Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Marktredwitz und Regensburg Schallschutzmaßnahmen geben wird, sind alles andere als rosig. Der Verband Wohneigentum hatte Robert Hanft von der Deutschen Bahn zu Gast. Er sagt: Der Bahn sind durch den Gesetzgeber sind die Hände gebunden.

(uz) Der Leiter Portfolio Nordbayern und verantwortlich für Großprojekte und neuen Ausbauten stellte am Donnerstag die Planungsvorgaben des Streckenausbaus vor. Und machte deutlich, dass der Teufel hier wieder einmal im Detail stecke. Die Frage, ob es Schallschutz gebe oder nicht, richte sich nach den Regelungen der Verkehrslärmschutzverordnung. "Und die vergleicht zwei Zustände, die in der Zukunft liegen." Nämlich die im Jahr 2030.

Hierbei gehe es um die Abwägung, wie hoch die Lärmbelastung in der Zukunft wäre, wenn es keine Elektrifizierung gäbe und wie stark ausgeprägt die Lärmbelastung mit diesem Elektrifizierungsprojekt dann sei. "Die werden dann verglichen. Und nur, wenn zwischen diesen beiden Zuständen eine wesentliche Lärmerhöhung von über drei Dezibel ermittel würde, gibt es Anspruch auf Schallschutz."

Entlang der Strecke Hof - Marktredwitz seien die Würfel schon gefallen. Da gibt es nichts. Warum? "Das hängt damit zusammen, dass diese Strecke schon zweigleisig ist und auch ohne die Elektrifizierung eine hohe Kapazität für Züge hat. Das heißt: Durch die Elektrifizierung schafft es die Bahn gar nicht, zusätzliche Kapazitäten auf die Schiene zu bringen, die mehr Zugverkehr ermöglicht und dadurch mehr Lärm verursacht." Dies sei der Knackpunkt. Die Zahlen habe die Bahn dem alten Bundesverkehrswegeplan entnommen.

Für die Strecke Marktredwitz - Regensburg lägen diese Zahlen noch nicht vor und müssten erst noch ermittelt werden. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr. Natürlich elektrifiziere die Bahn, um die Kapazitäten auf der Schiene steigern zu können, erklärte Hanft den Funktionsträgern der Siedlergemeinschaften. Mehr Züge verursachten auch mehr Lärm. "Es wird lauter, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren."

Aber dies berücksichtige die Verkehrslärmschutzverordnung nicht. In dieser Verordnung hinterfrage der Gesetzgeber nur, ob die Elektrifizierung ursächlich für einen Lärmzuwachs verantwortlich sei. Wohl nicht. Denn man könnte ja dasselbe Verkehrsaufkommen auch mit Dieselloks bewältigen, die ja bekanntlich auch nicht leise seien.

Leise Bremsen


Seit geraumer Zeit sei man daran, alle 64000 Güterwaggons der Deutschen Bahn für 230 Millionen Euro auf leisere Verbundstoff-Bremssohlen umzurüsten. Dies sorge für einen Rückgang von zehn Dezibel, was den Lärmpegel halbiere. Bis 2016 seien bereits 50 Prozent der Waggons umgerüstet worden. Für den Abschluss der Umrüstungsaktion sei 2020 geplant. Ein lärmabhängiges Trassenpreissystem mache diese Umrüstung auch für andere Eisenbahnverkehrsunternehmen interessant.

Seit Beginn der Diskussion um die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg hat Kurt Reiner aus Wernberg als Sonderbeauftragter des Verbandes Wohneigentum, Bezirksverband Oberpfalz, den Kontakt zu Vertretern der IHK, Verantwortlichen der Bahn und Bundespolitikern gesucht. Wie Reiner betonte, vertrete der Verband zahlreiche betroffene Siedlergemeinschaften entlang der Bahnstrecke.

Der Verband stelle sich nicht grundsätzlich gegen eine Elektrifizierung. Aber Lärm- und Erschütterungsschutz seien ihm wichtig. Zum einen, um die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen im Wohnumfeld zu erhalten. Zum anderen, um den Wert des Eigentums zu sichern. Nachweislich schädigten Erschütterungen Häuser entlang der Bahn.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.