Bayerische Landesärztekammer beklagt das Fehlen von Hausärzten im ländlichen Raum
Neue Hausärzte braucht das Land

Der Amberger Allgemeinarzt Dr. Joachim Rätzel untersucht einen Patienten in seiner Praxis. Bild: Steinbacher
 
Die müssen Deutsch können. Und auf dem Land am besten gleich Oberpfälzisch.

Die bayerische Landesärztekammer beklagt das Fehlen von Hausärzten im ländlichen Raum. Die Sicherheit der Gesundheitsversorgung sei in Gefahr, auch weil die Bevölkerung immer älter werde und deshalb immer öfter zum Arzt müsse. Ist die medizinische Versorgung in der Nordoberpfalz gesichert?

Weiden/Amberg. Die Zahl der Hausärzte nimmt ab. Dieser allgemeine bayerische Trend ist in der Oberpfalz besonders stark zu spüren. "Wir haben hier eine große Fläche zu versorgen und der ländliche Raum ist nicht attraktiv", sagt Dr. Wolfgang Rechl. Der Internist aus Weiden ist Vizepräsident der bayerischen Landesärztekammer. Gerade bei den Hausärzten gebe es viele ältere Kollegen. "Viele sind weit über 60. Das Problem wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen", sagt Rechl. "In der Oberpfalz merkt man das jetzt schon in bestimmten Bereichen: Viele Praxen in kleinen Orten können nicht mehr besetzt werden." Dr. Wolfgang Knarr ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Amberg-Sulzbach. Der Allgemeinarzt kennt die Zahlen genau: Anfang 2015 seien von 103 registrierten Hausärzten in Amberg und im Landkreis 55 über 56 Jahre alt gewesen.

Nicht nur Hausärzte werden weniger: Es gebe laut Rechl auf dem Land auch einen Mangel an Fachärzten. So gebe es mittlerweile zu wenig Hautärzte. Auch die Zahl der Augenärzte sinke. Das sei aber regional unterschiedlich. Es komme darauf an, was vor Ort gebraucht wird. Knarr mahnt an: Es gebe derzeit keinen einzigen Hautarzt oder Augenarzt in Richtung Auerbach/Michelfeld. Er wirft die Frage auf, ob man den Leuten zumuten wolle, für den Arztbesuch 50 Kilometer zu fahren. Wie man das gesetzlich regeln solle, wisse er auch nicht.

Immer mehr Teilzeit


Insgesamt steige die Zahl der Ärzte in Bayern, sagt Rechl. Eine Gesetzesreform habe aber deren Arbeitszeit reduziert. Die Mediziner gingen auch immer häufiger in Teilzeit. Auf der anderen Seite sei die Nachfrage nach medizinischer Betreuung gestiegen. Die Ärzte müssten mehr leisten. "Die Bevölkerung wird älter. Die Leute müssen länger und intensiver behandelt werden, die Therapieverfahren werden aufwendiger", sagt Rechl. Der ländliche Raum sei aus verschiedenen Gründen nicht attraktiv. Es fehlen Freizeitmöglichkeiten, kulturelle Angebote und Arbeitsplätze. Ausgebildete Mediziner hätten heutzutage üblicherweise Lebenspartner, die selbst arbeiteten, sagt Rechl. Die jungen Ärzte würden dann dorthin gehen, wo auch die Partner eine gute Arbeit finden. "Das Problem wird sich in der Zukunft erheblich verschärfen", sagt Rechl. Als Dr. Wolfgang Knarr 2014 in den Ruhestand ging, hat auch er sich schwer getan, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden. Ein vielversprechender Kandidat sagte ab: "Er hätte Interesse gehabt, aber seine Frau wollte lieber in die Stadt."

Blick nach Tschechien


Eine Lösung für den Ärztemangel wäre, die Lücke mit Medizinern aus Osteuropa zu füllen, wie es seit Jahren in den Krankenhäusern üblich ist. Doch das ist nicht so einfach: Laut Rechl liegt die Zahl ausländischer niedergelassener Ärzte in der nördlichen Oberpfalz bei deutlich unter zehn Prozent. Wichtig sei die Sprache, sagt Knarr. "Die müssen Deutsch können. Und auf dem Land am besten gleich Oberpfälzisch." Ohne spezifische Ausbildung und Unterstützung eine Praxis zu eröffnen, sei für ausländische Mediziner sehr schwierig, fast unmöglich. "Wenn, dann gehen sie den Weg über die Kliniken", sagt Rechl. Die Anwerbung tschechischer Ärzte verspreche noch den größten Erfolg: "In unserer Region könnten sie im Einzelfall sogar pendeln." Bis es zu einer koordinierten Anwerbung ausländischer Ärzte für die Niederlassung im ländlichen Raum komme, werde es noch eine Weile dauern: "Da müssten erst noch einige Dinge passieren", sagt Rechl.
Die müssen Deutsch können. Und auf dem Land am besten gleich Oberpfälzisch.Dr. Wolfgang Knarr über die Anforderungen an Hausärzte auf dem Land
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