Beanery mit unerwarteten Schwierigkeiten bei Standortsuche
"Ballermann" in der Altstadt

Bleibt der Rathaus-Vorplatz frei von einer zusätzlichen Außenbestuhlung? Diese Frage beschäftigt heute die Stadträte im Bauausschuss Bild: Ascherl

Die Gastronomen machen sich am Unteren Markt vor ihrer Haustür breit. Ihre Außenbestuhlung reicht weit in die öffentliche Fläche. Dem Platz am Oberen Markt soll diese intensive gastronomische Nutzung vorenthalten bleiben. Die Bauverwaltung warnt vor der weiteren "Ballermannisierung".

Der Untere Markt entwickelte sich zum großen Freiluft-Café. Und die Gäste genießen dieses einzigartige Flair mit der Außenbestuhlung, dem Sonnenschutz. Außen vor bleibt dagegen bisher der Obere Markt. Nur die Eisdiele im Alten Rathaus hat das Privileg, die Gäste auch nach draußen bitten zu können.

Außenbestuhlung nötig


Hier bricht nun mit dem Café Beanery das seit langem am Unteren Markt ansässige Unternehmen ein. Da der Mietvertrag (nach nunmehr 15 Jahren) im August 2017 ausläuft, will der Betrieb umsiedeln: zum Oberen Markt, in ein seit zwei Jahren im Erd- und erstem Obergeschoss ungenutztes Anwesen. Sinn macht der Umzug aber nur, wenn der Beanery wieder eine Außenbewirtung (etwa 15 Tische) ermöglicht wird.

Gerade an dieser Frage erhitzen sich die Gemüter. Das Baudezernat will am Oberen Markt keine zusätzliche Bestuhlung zulassen. Nicht nur, weil ein Präzedenzfall geschaffen würde. Es geht um grundsätzliche Fragen, um das einheitliche Konzept für die Innenstadt. Im Hintergrund steht dabei zum einen die Studie "barrierefreie Innenstadt" von 2008, mit der Erleichterungen zur Orientierung Sehbehinderter geschaffen werden sollten, zum anderen die Idee der Altstadtsanierung aus dem Jahr 1982. Beides würde infrage gestellt.

Nach der Studie kann am Oberen Markt ein drei Meter breiter Bereich entlang der Fassaden "für Freischank und Warenpräsentation" genutzt werden. An der nördlichen Häuserzeile ist ein Durchgang von 2,5 Metern für Passanten freizuhalten. Die Sondernutzungsflächen schließen daran an und reichen bis zum durchgängigen Einzeiler der Fahrspur. Zudem ist die Fläche Pfarrplatz/Oberer Markt und vor der Rathaus-Westfassade für Sondernutzungen einrgeplant. "Alle anderen Flächen sind gemäß diesem Konzept nicht für dauerhafte Sondernutzungen vorgesehen." Sie sollten entsprechend dem Ziel der Altstadtsanierung den Bürgern als innerstädtische Freiräume dienen. Dies unterstreiche auch das besondere Gestaltungsbild des Pflasterbelags, das die achteckige Form des Stadtbrunnens fortsetze. Der Obere Markt gehöre zum Hauptgeschäftsbereich, werde für Märkte, Feste und Versammlungen genutzt. 2015 fanden 18 Kundgebungen statt, bemerkt das Amt für öffentliche Ordnung.

Ein Sammelsurium


Das Kultur- und Tourismusamt verweist auf die Präzedenzwirkung sowie auf die negativen Folgen für die Attraktivität des Stadtbildes. Der schönste Platz der Stadt - mit der Westseite des Alten Rathauses als meistfotografierten Motiv - würde sich in ein Sammelsurium der verschiedenen Möblierungen, Sonnenschirme etc. verwandeln. Dasselbe gelte in der Gegenrichtung mit der Michaelskirche als attraktivem Hindergrund. Zudem wären Hochzeiten mit "Begleitprogramm" auf dem Oberen Markt nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

Bei einer Bestuhlung stehe die Freifläche des Oberen Marktes nicht mehr der gesamten Bevölkerung zur Verfügung, sondern nur noch der zahlenden Kundschaft des jeweiligen Gastronomiebetriebes, schreibt die Verwaltung in ihrem Fazit. Die Vergrößerung der Freischankfläche fördere die "Monofunktionalisierung" der Altstadt, schwäche sie als Wohn- und Einzelhandelsstandort. Die Anwohner würden den verstärkten Lärm nicht klaglos hinnehmen. Es entstehe ein "durchgängiges Band von gastronomischen Angeboten". "Diese Ballermannisierung der Hauptachse der Altstadt geht insbesondere zulasten der noch vorhandenen Einzelhandelsbetriebe."
1 Kommentar
6
Christine Herb aus Weiden in der Oberpfalz | 14.09.2016 | 08:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.