Bei Anruf Betrug: Die Microsoft-Masche
Falsche Mitarbeiter verschaffen sich Zugang zu Computern

Symbolbild: dpa

Bei der Kollegin waren die Betrüger an der falschen Adresse. "I'm calling from Microsoft", hatte ihr der Anrufer mitgeteilt - "Ich rufe von Microsoft an". Ihre Antwort, wie aus der Pistole geschossen: "And I'm calling the police" - "Und ich rufe die Polizei". Eben das taten am Montagvormittag eine ganze Reihe von Bürgern in Weiden und Umgebung, die eben solche Anrufe erhalten hatten. Gegen Mittag berichtete Karl Gaach, Sprecher der Polizeiinspektion, von insgesamt zehn Anzeigen.

Jedes Mal hatten sich vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter gemeldet und in brüchigem Englisch angeboten, den Computer per Fernzugriff zu warten. Dazu sollten die Angerufenen ihre Zugangsdaten mitteilen. Ein 49-Jähriger aus einem Ort bei Weiden fiel am Wochenende auf die Masche herein. Laut Gaach spielten die Betrüger ein "Teamviewer"-Programm auf, das ihnen die Tür zum PC öffnete - und auch zum Online-Banking. Sie machten es gnädig: 149 Euro überwiesen sie sich auf ein Konto bei "Western Union". Ein eher kleiner Betrag deshalb, "weil sie nicht wissen, wo der Bankkunde das Tageslimit gesetzt hat". Lieber geben sie sich mit weniger zufrieden, als beim Griff nach höheren Summen gänzlich leer auszugehen.

Erfolglose Versuche


Der Betroffene vom Wochenende hat laut Gaach nun das Problem, das schädliche Programm wieder von der Festplatte zu bekommen. Er hat den Schaden - andere den Nutzen: Das Beispiel des 49-Jährigen führte dazu, dass die Polizei am Sonntag eine Warnung herausgab. Aufgrund des NT-Artikels darüber meldeten sich bei der Inspektion viele Bürger, bei denen es die Betrüger ebenfalls probiert hatten. Durchwegs erfolglos.

Die Spur führt nach Nordrhein-Westfalen. Dort zumindest ist die Festnetznummer registriert, welche die falschen Microsoft-Leute für die Anrufe in der nördlichen Oberpfalz benutzt haben. Die Gesetzeshüter ermitteln zunächst in diese Richtung. Gaach ist jedoch skeptisch, dass die Nummer tatsächlich zu einem Telefonapparat und damit zu den Tätern führt. "Solche Telefonnummern kann man leicht kaufen."

Überhaupt hätten's die Betrüger leichter denn je. Der Polizeisprecher geht davon aus, dass sie einfach Telefonbücher - nun eben aus dem Weidener Bereich - durchtelefonieren. "Offenbar suchen sie dabei auch gezielt Vornamen aus, die darauf schließen lassen, dass die Leute nicht mehr die jüngsten sind." Falls die Angerufenen nicht auf die Masche anspringen - kein Problem für die Täter: "Das kostet sie ja nichts."

Geringer Aufwand


In jüngster Zeit häufen sich betrügerische Telefonanrufe. Die Täter gaben sich zuletzt auch als Mitarbeiter der Sparkasse Oberpfalz Nord oder der Verbraucherzentrale aus, um sensible Daten zu erfragen (wir berichteten). Gemein haben die Vorgehensweisen: Bei relativ geringem Aufwand winkt reiche Beute. Und auch die Microsoft-Masche sei eine sehr bequeme Art des Betrugs, wie Gaach meint. "Die müssen dazu nicht mal raus in die Kälte."
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