Beifall für die Dirigentin
Neue "Kepler"-Chefin Sigrid Bloch harmonisch ins Amt eingeführt

Schönste Harmonie herrschte bei der Amtseinführung der neuen "Kepler"-Leiterin Sigrid Bloch (Dritte von links). Mit dabei (von links): Ehemann Thomas, Ministerialbeauftragter Paul Lippert, Sabine Weiß (Elternbeirat), stellvertretender Schulleiter Georg Singer, Peter Schönberger (Personalrat) und OB Kurt Seggewiß. Bilder: Götz (2)
 
Ich wünsche mir und uns allen, dass wir immer den richtigen Ton treffen und all unsere Konzerte gelingen.

Seit fünfeinhalb Monaten ist sie im Amt. Die erste Frau, die ein Weidener Gymnasium leitet. Eine "Kepler"-Chefin, die weder Physik noch Mathe zu ihren Steckenpferden zählt. Und gerade deshalb ist Musik drin bei der Amtseinführung von Sigrid Bloch. Viel Musik.

Die Schulfamilie als großes musikalisches Ensemble. So muss man sich das vorstellen, meinte die Neue. Die 100 Lehrer als Orchester mit kleinen und großen Instrumentengruppen, die Schüler als 1000-stimmigen Chor mit einigen Solisten, die Eltern als Publikum, das Beifall klatscht oder "Buh" ruft. Und sie selbst als Chorleiterin und Dirigentin, die - mit den Co-Dirigenten vom Direktorat - Tempo und Lautstärke vorgibt, für stimmliche Ausgewogenheit sorgt. Man sieht schon: Die 57-Jährige studierte Musiklehrerin ist auch am mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten "Kepler" voll in ihrem Element.

Besonders am Mittwoch. "Oh Happy Day" schmettert der Unterstufenchor, die Kepler-Bigband jagt satten Soul von Bruno Mars und Duffy durch den Saal, ein Instrumental-Trio bezaubert mit Händel. Eine offizielle Amtseinführung, die ganz nach dem Geschmack der neuen Chefin sein dürfte. Chef-in, genau: "Zum ersten Mal in ihrer fast 150-jährigen Geschichte wird die Schule von einer Frau geleitet", macht stellvertretender Schulleiter Georg Singer auf die zweite Besonderheit aufmerksam. In den Reihen der Ehrengäste applaudieren da auch Blochs Vorgänger Gerd Moser, Dr. Friedrich Heglmeier und Rolf Anderlik.

"Mit Taktgefühl"


Aus dem NT, der durch die Berufung Blochs eine "Besondere Note fürs ,Kepler'" erkannte, zitiert Ministerialbeauftragter Paul Lippert. Dann schildert er die beruflichen Stationen der Oberstudiendirektorin. 1985 wechselte die gebürtige Ingolstädterin von München ans Max-Reger-Gymnasium Amberg. Dort leitete sie auch für vier Jahre das Internat, bevor sie 2012 stellvertretende Schulleiterin des Erasmus-Gymnasiums wurde. Nun, so Lippert, sei ihr "der Taktstock eines vielschichtigen, großen Orchesters übertragen" worden. "Mit Taktgefühl ist es möglich, die Orchestermitglieder zu motivieren und Chancen zu nutzen." Eingehend auf die Schulpolitik mahnt Lippert, "Bildungsgerechtigkeit nicht mit Bildungsgleichmacherei zu verwechseln". Eine Schule für jeden könne es nicht geben: "Es braucht eine Bildungsoberschicht." Ein Status, den sich die jungen Menschen "durch Begabung und Fleiß" jedoch selbst erarbeiten müssten.

"Die Führungsstrukturen werden immer weiblicher", stellt OB Kurt Seggewiß mit Blick auf die Weidener Bildungslandschaft fest. Das Ringen um Chancengleichheit trage auch anderswo Früchte. "Ich finde es gut so, sehr sympathisch." Über Sigrid Bloch, so berichtet der ehemalige Keplerianer (Abi-Jahrgang 1977), habe er bisher "noch keine Klagen gehört". Aber eine Musikerin als "Kepler"-Leiterin? Kann das gutgehen? Peter Schönberger vom Personalrat: "Nach 100 Tagen können wir sagen: Es geht sogar sehr gut." Sein Gremium bezeichnet er als "Gegenstimme", auf welche die Hauptstimme angewiesen sei, "damit es ein harmonisches Ganzes ergibt". Um ein "offenes Ohr" für die Anliegen und Sorgen der Gymnasiasten bitten Andreas Hösl, Anna Golowanj, und Konstantin Biehler für die Schülermitverantwortung. Sabine Weiß vom Elternbeirat ermutigt die Oberstudiendirektorin: "Lassen Sie Ihre Visionen leben zum Wohle unserer Kinder. Wir werden Sie gerne dabei unterstützen."

Keplers Sphärenharmonie


"Der Ton macht die Musik", weiß Sigrid Bloch. "Ich wünsche mir und uns allen, dass wir immer den richtigen Ton treffen und all unsere Konzerte gelingen." Nicht nur wegen des Schluss-Songs "Mercy" wäre übrigens auch der Namensgeber der Schule gnädig gestimmt. Die Leiterin erinnert an Johannes Keplers Theorie der "Sphärenharmonie" von 1619. Sie besage, dass die Gesetze der Astronomie im Grunde dieselben seien wie die der Musik. Und so fügt sich zusammen, was zusammen gehört. Physik und Musik, Kepler und Bloch.
Ich wünsche mir und uns allen, dass wir immer den richtigen Ton treffen und all unsere Konzerte gelingen.Sigrid Bloch
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