Beim Schneeräumen Hand gebrochen: Fehler bei OP
Klinikum zahlt Patientin 30 000 Euro

(rns) Mit einem Vergleich endete ein Verfahren vor der 1. Zivilkammer des Landgerichts. Die Kliniken Nordoberpfalz AG muss 30 000 Euro an eine 53-Jährige zahlen.

Die Frau aus dem Landkreis Tirschenreuth hatte sich Mitte Januar 2013 beim Schneeräumen das rechte Handgelenk gebrochen und war von ihrem Mann ins Krankenhaus der Kreisstadt gebracht worden. Dort wurde die Mitarbeiterin eines Altenheims noch am selben Tag operiert und nach zwei Tagen entlassen. Bei dieser Operation, wie auch bei einer späteren im Mai desselben Jahres durch einen Handchirurgen im Weidener Klinikum, übersah der Operateur eine "Gabelsprengung" im Bereich der Handwurzel.

Die Fraktur verheilte. Der Frau verblieben jedoch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Der betroffene Knochen ist für die Drehbewegung der Hand verantwortlich. Mit Hilfe von Rechtsanwältin Sylvia Schwägerl-Weiß forderte die 53-Jährige nun 20 000 Euro Schmerzensgeld, den Ersatz von 814 Euro Zuzahlungskosten zu den medizinischen Behandlungen sowie Verdienstausfall.

Die Haftpflichtversicherung der Kliniken AG hatte im Vorfeld jede Zahlung abgelehnt. Die Behandlung sei "lege artis" erfolgt, gemäß den Regeln ärztlicher Kunst. Privatdozent Dr. Konrad Wolf (München) konnte in seinem Gutachten auch nicht festlegen, zu wie viel Prozent die Operationen Anteil daran haben, dass die Klägerin nun unter Arthrose im geschädigten Gelenk zu leiden hat und wie viel dem Unfall an sich zuzuschreiben ist. Sicher sei jedoch, dass bei der ersten Operation ein Diagnose-Fehler gemacht wurde.

"Zähneknirschend"


Vorsitzender Richter Viktor Mihl zog zwei Urteile des Oberlandesgerichts Köln zur Höhe des Schmerzensgelds heran. Mihl schlug mit seinen Richterkollegen Thomas Hys und Peter Werner den Vergleichsbetrag vor, mit dem alle Ansprüche abgegolten sein sollten. Rechtsanwältin Schwägerl-Weiß hatte große Bedenken, da nicht abzusehen sei, welche Spätfolgen noch kommen könnten. Richter Werner riet der Klägerin "die 30 000 Euro zu nehmen". Ein eventuell höherer Betrag müsse "mühsam eingeklagt werden: "mit absolut unsicherem Ausgang". Klinik-Anwalt Carl Brünnig stimmte "zähneknirschend" dem hohen Betrag zu, behielt sich aber einen Widerruf vor, was innerhalb von drei Wochen möglich ist.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.