Beim Zoigl den Leuten aufs Maul geschaut
Evangelisches Dekanat plant Besonderes zum Lutherjahr

Dekan Wenrich Slenczka will zum Reformationsjubiläum protestantische und Oberpfälzer Tradition zusammenbringen. Unterm Zoiglstern will er in gemütlicher Runde Luthers Tischreden unters Volk bringen. Bild: Götz

"Den Leuten aufs Maul geschaut" hat Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung. Zum Reformationsjubiläum sollen seine Worte beim Zoigl serviert werden.

Weiden/Neustadt. "Aus Oberpfälzer Sicht war Katharina von Bora, die Ehefrau Luthers, eine Zoiglwirtin", sagt Dekan Wenrich Slenczka. "Sie hatte das Braurecht und braute ihr Wittenbergisch Bier. Bei Tisch wurde es ausgeschenkt." An diese Tradition will Slenczka zum Reformationsjubiläum im kommenden Jahr mit dem Projekt "Lutherzoigl" anknüpfen.

Bier und mehr oder weniger deftige Lutherzitate aus den Tischreden des Reformators sollen im Dekanat das Programm voller Vorträge, Theater, Musik, Kunst, Aktionen und Reisen ergänzen, erfuhren die Teilnehmer des Planungstreffens "Reformationsjubiläum 2017". Slenczka schwebt sogar ein eigener Lutherzoigl-Kalender vor. "Ob in einer engen Zoiglstube wie im Lutherhaus in Wittenberg oder in einer größeren Wirtschaft, oder einem Biergarten - überall kann zur Feier des 500-jährigen Reformationsjubiläums zum Lutherzoigl eingeladen werden."

Originelle Tischreden


Die Organisation dürfen Kirchengemeinden und Wirte selbst übernehmen. Wer zuerst auf wen zugeht, ist offen. Redner müssen keine Theologen sein. "Die Veranstalter laden eine Persönlichkeit ihres Ortes oder ihrer Region ein, die eine Tischrede halten", beschreibt der evangelische Dekan seine Idee. "Ob diese Rede vorbereitet ist oder jemand spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, bleibt jedem selbst überlassen." Zwar arbeitet Slenczka mit Hilfe von Ulrich Keltsch an einer Auswahl von Tischreden Luthers auf Oberpfälzisch, doch die Themenwahl ist frei. "Man sollte aber im Blick haben, dass über der Veranstaltung 'Lutherzoigl' steht."

Voll darf es beim Lutherzoigl werden, denn das war es im Hause des Reformators auch. Meistens wohnten dort Studenten, und zum Essen kamen Gäste aus nah und fern. Oft gab es unter den Tischgenossen einen, der aufschrieb, was der berühmte Professor sagte. Daraus entstanden die Tischreden. "Manchmal ging es um ganz alltägliche Dinge oder auch um die Politik." Überliefert seien theologische Gedanken, aber auch derbe Sprüche und Scherze. "Luther war ein begnadeter Redner, so dass man diese Tischreden lesen oder hören kann und dabei lachen, bewundern, nachdenken oder auch rigoros ablehnen kann, was er da alles von sich gegeben hat", freut sich Slenczka auf die Fortführung dieser Treffen in bester Oberpfälzer Tradition.

Reformationsjubiläum 2017 im Evangelischen DekanatDas Dekanat erarbeitet derzeit ein Programm mit zahlreiche Veranstaltungen für das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr. In der Palette enthalten sind Theaterstücke wie "Play Luther" für Schüler und Erwachsene im Februar und das Gastspiel "Martinus Luther" bei der Kulturbühne Weiden.

Die Region Steinwald plant Gemeindeabende zu den reformatorischen Hauptschriften und der Freundeskreis Tutzing Vorträge sowie im Juli eine Fahrt nach Erfurt mit Übernachtung im Augustinerkloster.

Choräle der Reformationszeit, ein Konzert des Bezirksposaunenchors sowie ein gemeinsamer Auftritt aller Chöre der Steinwaldregion tragen das Jubiläum ebenso musikalisch, wie das Thema "Reger & Reformation" der Max-Reger-Tage 2017. Weit gediehen in der Vorbereitung ist die Evangelische Jugend mit ihrer Aktion "Knockin'on heavens door - Wir öffnen Türen". Auftakt ist schon im Herbst. Die 95 gestalteten Türen in Weiden werden am 1. und 2. Juli präsentiert.

Unter dem Titel "Wort und Bild" beschäftigt sich der OKV mit einer seiner beiden Jahresausstellung mit dem Reformationsjubiläum. Ab Mitte März ist die Schau "Frauen der Reformation" in St. Michael in Weiden zu sehen. Von Vohenstrauß aus zieht eine Wanderausstellung zur Reformationszeit mit regionalen Bezügen durchs Dekanat. Bereits am 12. Mai diesen Jahres öffnet in Neuburg an der Donau die Ausstellung "Kunst & Glaube" bei der auch Ottheinrichs Prachtbibel gezeigt wird. Der Pfalzgraf hatte in der Region 1542 den evangelischen Glauben eingeführt.

18 Jugendliche ab 16 Jahren haben die Möglichkeit, in den Osterferien mit nach Wittenberg zu fahren. Die Region-Südwest des Dekanats organisiert am 28. Mai eine Fahrradsternfahrt nach Wernberg-Köblitz. (ui)
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