Bellen vom Band schreckt wenig
Wirksamer Schutz vor Einbrechern

In 78 Prozent aller Einbrüche kommen die Diebe durch Fenster oder Terrassentüren. Bild: Götz

Der Tür- und Fensteralarm im Doppelpack kostet 3,99 Euro. "Schützt ihre Habseligkeiten vor Dieben", verspricht die Werbung. Dieter Melzner von der Weidener Polizeiinspektion schüttelt den Kopf über das Angebot eines Drogeriemarktes: "Das ist Spielzeug, mit dem sich kein Einbrecher abschrecken lässt."

Das Geschäft mit der Angst boomt. Nicht nur Discounter verkaufen allerlei Krimskrams, der potenzielle Diebe abschrecken soll, auch im Netz werden Käufer mit Versprechungen gelockt. Ein elektronischer Wachhund simuliert lautes Bellen, ausgelöst durch einen Bewegungsmelder oder durch eine Paniktaste. Kosten: 59,99 Euro.

Etwas billiger kommt der Fernsehsimulator, zum "Vortäuschen von Anwesenheit". Wer sich dieses Gerät bestellt, zahlt knapp 15 Euro. Für eine Alarmanlagenattrappe müssen um die 30 Euro hingeblättert werden. Macht das Sinn? "Attrappen erkennt man fast immer", schmunzelt Melzner. "Ich will all diese Dinge nicht ausschließen. Alles, was nicht zertifiziert ist, kann funktionieren, muss aber nicht." Die beste Basis für einen sinnvollen Einbruchschutz sei immer eine gute Mechanik an Fenster und Türen.

Mehr Sicherheit


Das kann Matthias Fuchs von Fenster Fuchs aus Rothenstadt nur bestätigen. "Es kommen immer mehr Leute, die wissen wollen, wie sie ihre Sicherheit erhöhen können." Wer bereit ist, etwas zu investieren, bekommt maximale Sicherheit. "Unsere neuen Fenster sind mit gegenläufigen Pilzkopfzapfen und Hammerkopfverriegelungen ausgestattet", informiert der Fachmann. Allein dadurch wird ein Aufhebeln der Fenster deutlich erschwert.

Auch Martin Lang vom Weidener Schlüsseldienst Schirdewahn setzt auf eine mechanische Absicherung. "Natürlich kann man sich auch eine Alarmanlage installieren, aber da ist der Einbrecher schon im Haus", sagt er. Fenster und Terrassentüren ließen sich auch nachträglich mit einer abschließbaren Sicherung gegen Aufhebeln ausrüsten.

"Das kostet ungefähr 80 Euro pro Fenster." Der Fachmann warnt, die Lichtschächte nicht zu vergessen. Hier sollte man aber nicht selber rumdübeln, sondern sich gut informieren. "Sie müssen an die Fluchtwegsituation denken."

Altes Tor schnell geknackt


Den Dieben das Leben so schwer wie möglich machen, lautet die Devise von Baywa-Mitarbeiter Josef Umkehrer. Ein altes Garagentor sei schnell geknackt. Nachrüsten lohnt sich hier nicht - zu viel Aufwand, zu hohe Kosten. "Die Tore sind oft 30, 40 Jahre alt. Viele lassen sich mit wenig Kraftaufwand aufbrechen", weiß Umkehrer. Der Experte für Bauelemente rät zu einem neuen Tor mit automatischer Verriegelung in der Antriebsschiene. "Das hebelt so schnell niemand auf."

KfW-FörderungWer mit dem Gedanken spielt, sein Haus einbruchsicher zu gestalten, kann seit 19. November 2015 Fördergeld der KfW in Anspruch nehmen. Allerdings nur, wenn die Maßnahmen mit Energie- und Barrierereduzierungen kombiniert werden. Gefördert werden einbruchhemmende Haus- und Wohnungstüren, Fenster und Terrassentüren, Alarmanlagen und Beleuchtung sowie die Überprüfung von Besuchern. (mic)


Schwachstelle Fenster95 Prozent aller Fenster sind mit alten Beschlägen ausgestattet. "Die hebele ich mit einem großen Schraubenzieher in vier Sekunden auf", sagt Polizeihauptmeister Dieter Melzner schmunzelnd. Ebenso schnell öffnet er ein gekipptes Fenster. "Das mache ich auch wieder zu, so dass keiner etwas merkt." Was der Präventionsexperte kann, schafft auch ein Einbrecher.

Deshalb rät der Fachmann Fenster und Terrassentüren so zu sicher, dass Aufhebeln nur noch schwer möglich ist. "Der Einbrecher sieht das nicht olympisch, sondern geht zum Nachbarn, wenn er nicht weiterkommt." Nur selten würde ein Dieb die Scheibe einschlagen. Und wenn, dann nur um durchzulangen und das Fenster zu öffnen. Hier mache sich ein abschließbarer Fenstergriff bezahlt.

"Erst informieren, dann kaufen" rät Melzner alle, die etwas für die Sicherheit ihres Haus tun wollen. Wichtig sei, sich an zertifizierten Produkten (Din-Norm) zu orientieren. (mic)

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Weitere Informationen im Internet:

www.k-einbruch.de
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