Beratungsstelle "Dornrose" ist mit Elisabeth Scherb wieder voll besetzt
Mit neuer Kraft voraus

Mit Elisabeth Scherb (links) ist das Team von "Dornrose" wieder komplett. Sie ersetzt Edelgard Neumann-Böckels, die Ende März aus privaten Gründen ihre Tätigkeit in der Beratungsstelle und beim Frauennotruf beendete. Komplettiert wird das Team von den Sozialpädagoginnen Uli Weber, Karin Schmidt und Verwaltungskraft Manuela Völkl (von links). Bild: Götz

Zwei jugendliche Schüler zerren ein Mädchen in die Toilette, begrapschen es, wollen es ausziehen. Ein dritter Schüler wird zum Retter, befreit das Mädchen. Kein alltäglicher Fall. Für die Mitarbeiterinnen von "Dornrose" aber keinesfalls undenkbar.

Sie bieten in Fällen von sexualisierter Gewalt Hilfe an: sowohl für die Opfer, die nicht selten noch jahrelang unter dem traumatischen Erlebnis leiden, als auch für deren Angehörige. Denn auch die sind mit derartigen Situationen in der Regel überfordert. Immerhin 192 Klientinnen hat das Team der Fachberatungsstelle allein im Jahr 2015 betreut, 1160 Beratungsgespräche geführt. Ein Beleg dafür, wie wichtig diese Einrichtung ist.

Nordoberpfalz: 1,5 Stellen


Mit der Sozialpädagogin Elisabeth Scherb ist das Team seit Anfang Mai wieder komplett. Sie ersetzt Mitgründerin Edelgard Neumann-Böckels, die ihre Tätigkeit Ende März aus privaten Gründen beendete. Elisabeth Scherb war davor in der Sozialpädagogischen Familienhilfe im Raum Weiden-Neustadt-Tirschenreuth tätig. Als Teilzeitkraft teilt sich die 49-Jährige nun mit ihrer Kollegin Karin Schmidt, ebenfalls Sozialpädagogin und ausgebildete Therapeutin, die 1,5 Stellen, mit denen "Dornrose" rein rechnerisch ausgestattet ist. "Eigentlich viel zu wenig für die Betreuung der ganzen Nordoberpfalz", bedauert Uli Weber. Die Sozialpädagogin ist Vorstandsmitglied im Verein und vier Stunden pro Woche ebenfalls für "Dornrose" tätig. Komplettiert wird das Team durch die Verwaltungskraft Manuela Völkl.

"Wir stellen uns jetzt wieder neu auf", sagt Karin Schmidt nach dem personellen Wechsel. Dabei würden die bisherigen Aufgaben keinesfalls vernachlässigt. Das Büro von "Dornrose" in der Goethestraße 7 in Weiden bleibt Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, sowie für deren ratsuchende Angehörige.

Verstärken will das Team in Zukunft die Präventionsarbeit. "Wir unterstützen Firmen, Schulen oder Sportvereine bei der Erarbeitung eigener Schutzkonzepte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen", erklärt Elisabeth Scherb. "Dornrose" schließt sich hier der Kampagne von Johannes-Wilhelm Rörig an, dem Unabhängigen Beauftragen der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Doch nicht nur Ausbilder, Lehrer oder Trainer dürfen sich Rat holen, wie sie ihre Schützlinge schützen können. Durch Präventionsprojekte in den Schulen wollen die Fachfrauen auch brennende Fragen der Schüler klären. Zum Beispiel: Petzen Mädchen, wenn sie sich ihrem Klassenlehrer mitteilen, oder holen sie sich in diesem Fall Hilfe? Oder: Wieso fasst ein Junge aus der Klasse ständig bestimmte Mädchen an?

"Zu unserer Arbeit gehören auch Gruppenangebote für betroffene Frauen, um sie aus der Isolation zu holen", berichtet Karin Schmidt. Denn in der Regel ziehen sich Frauen nach derart schlimmen Erlebnissen zurück, meiden soziale Kontakte. Daneben bleibt "Dornrose" natürlich wichtige Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige. Scherb: "Es kann zum Beispiel für eine betroffene Frau oder die Mutter eines betroffenen Kindes wichtig sein, zu wissen: Worauf ist bei einer Anzeige des Täters zu achten? Ziehe ich eine Anwältin hinzu oder nicht? Wo finde ich einen Therapieplatz, um mein Trauma zu heilen?"

Start war 1993


Seit 23 Jahren bietet das Team von "Dornrose" in all diesen Fragen Rat. Genauso lange kämpfen die Mitarbeiterinnen aber auch für die Finanzierung, weil die Stadt Weiden, die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth nur einen Teil der anfallenden Kosten übernehmen. Die restlichen Haushaltsmittel müssen über Spenden oder auch Bußgelder aufgebracht werden. Karin Schmidt: "Das ist ziemlich kräftezehrend."
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