Bernd Wohlgut berichtet über seine Reisen in Krisenländer
Der Trick mit dem Koran

Reiseberichte der anderen Art gab Bernd Wohlgut beim AK Asyl. Bild: Bühner

Nein, mit Pauschalurlaub haben die Reisen von Bernd Wohlgut wahrlich nichts gemein. Dafür gewinnt er bei seinen Aufenthalten in Krisenländern Einblicke, die gegen zu pauschale Weltbilder helfen können. Auch wenn er dafür manchmal trickreich vorgehen muss.

Bernd Wohlgut reist dahin, von wo Menschen nach Europa fliehen. Seit Jahren ist er immer wieder in Krisenländern in Asien und Afrika. Mehrere Bücher hat der Pressather bereits darüber geschrieben. Der Arbeitskreis Asyl hatte ihn nun anlässlich der interkulturellen Wochen zu einem Vortrag ins Pfarrheim St. Josef eingeladen. "Um Vorurteile abzubauen, ist es sehr wichtig, mehr über die Länder zu wissen, aus denen die Menschen zu uns fliehen", erklärte AK-Sprecher Jost Hess.

Wohlgut berichtete ausführlich, unterlegt mit Fotos, über seine Erlebnisse in Afghanistan, im türkischen und irakischen Kurdistan sowie in Äthiopien und im Sudan. Die Bilder hat Wohlgut zum Teil sofort nach Deutschland gesandt und wegen möglicher Kontrollen danach gelöscht. Zahlreiche Episoden machten den Vortrag sehr kurzweilig.

Erst Sippe, dann Staat


So berichtete Wohlgut beispielsweise von seiner mehrfach erfolgreichen Methode, einen Koran im Koffer ganz oben zu platzieren. Kontrollen an Flughäfen oder an Straßensperren seien dann, wenn die Beamten das Buch entdeckt hatten, oft schnell zu Ende gewesen. Dennoch musste Wohlgut auch zahlreiche unangenehme Verhöre über sich ergehen lassen. Es sei oft schwer gewesen, den Kontrolleuren in den besuchten Ländern zu erklären, dass jemand ausschließlich aus persönlichem Interesse ihr Land besucht.

Solche Geschichten ergänzte Wohlgut mit Hintergrundwissen. Eine zentrale Aussage seines Vortrags war: "Treue und Loyalität der Menschen in diesen Ländern gehört zuerst der Sippe und dann erst dem Staat." So gelte in Afghanistan das "Sippen- und Stammesprinzip." Fehler zu machen, heiße, "Schande über die Sippe zu bringen". Einen "typischen Afghanen" gebe es nicht, stellte Wohlgut fest. Ähnliches gelte auch für Kurdistan. "Für Kurden existieren Grenzen nicht." Ebenso wenig wie es eine syrische Nation gebe.

Eine andere grundsätzliche Aussage lautete: "Es war ein politischer Fehler, Afghanistan den Afghanen zu überlassen." So hätten sich die Warlords als Politiker wählen lassen und ihren Herrschaftsbereich ausbauen können. Auch wachse in Afghanistan "die Bevölkerung schneller, als dass man Schulen bauen kann". Die Menschen in den von ihm besuchten Ländern "wollen ein besseres Leben und glauben nicht an eine Zukunft in ihrem Land".

Ein Traumland


Wohlgut schilderte auch die Benachteiligung der Jesiden in den kurdischen Gebieten der Türkei. "Man versucht, die Jesiden loszuwerden, und bringt sie an die Küste." Änderungen der Verhältnisse in den Ländern erwartet Wohlgut erst dann, "wenn die Menschen mehr Wohlstand und Einkommen haben". Deutschland sei auch deshalb ein Traumland, "weil wir uns immer so gut darstellen".
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