Betrieb bei Polstermöbelmanufaktur in Weiden läuft gut
Reichinger & Schröder geht gestärkt aus der Insolvenz

Der Geschäftspartner sprang überraschend ab. Das neue Produkt konnte Christoph Schröder "einstampfen". Zugleich geriet sein Betrieb Reichinger & Schröder ins Schlingern. Der Insolvenzantrag folgte. Mit Rechtsanwalt Florian Schott gelang ihm, was seit 1999 im Bereich des Amtsgerichts Weiden niemand geschafft hatte: Erstmals ging ein "Insolvenzplanverfahren" über die Bühne.

Harte Monate liegen hinter dem Unternehmer. 2011 übernimmt er den Betrieb der Familie. Schnell bemerkt er, dass er Zusatzaufträge braucht. Mit einem Partner entwickelt er für seine Polstermöbel-Manufaktur ein neues Produkt, das ein Renner zu werden verspricht. Doch dann streicht der Partner plötzlich die Segel. Turbulenzen erfassen die Firma. Am 21. August 2014 reicht Schröder den Eigenantrag ein.

Insolvenz ermöglicht Planverfahren


Das Amtsgericht stellt ihm Rechtsanwalt Florian Schott als Insolvenzverwalter an die Seite. Und beide nutzen die Chancen, die der frühzeitige Antrag ermöglicht. Das Unternehmen ist vor eineinhalb Jahren zwar in finanziellen Schwierigkeiten, aber nicht hoffnungslos überschuldet. Und es hat bei Kunden und Lieferanten einen herausragenden Ruf.

Diese Vertrauensbasis, die auf einem jahrzehntelangen Miteinander beruht, rückt das seltene "Insolvenzplanverfahren" in greifbare Nähe. Es ist, so bestätigen die Rechtspfleger, das erste, das im Bereich des Amtsgerichtes Weiden durchgeführt wird. Schon seit 1999 waren nach dem Übergang von der Konkurs- zur Insolvenzordnung die Planverfahren möglich. "Wir haben hier nach 17 Jahren eine Premiere", betont auch Florian Schott. Er erinnert an die dreimonatige Orientierungsphase, in der das Insolvenzausfallgeld der Arbeitsagentur das Unternehmen von den Lohnkosten entlastete.

Radikalkur hilft Reichinger & Schröder


Dann folgt die Radikalkur. "Wir haben jeden Stein umgedreht, viele Ideen geboren und wieder verworfen. Die Frage war, wie kommen wir auf Dauer zur spürbar positiveren Ertragslage", erzählt Schröder. "Die Produktion von Möbelnmodellen mit kleiner Stückzahl fiel durchs Raster. Wir haben den ganzen Laden straff gezogen. Ein Spaß war das keiner." Auch nicht für die Mitarbeiter. 4 der 14 verlieren ihren Job (Lackierer, Fahrer, Polsterer und Außendienstler). Geschäftsführer Christoph Schröder stellt seine Lebensgefährtin Manja Reich ein, um auch Büroabläufe zu optimieren. Personell ist der Betrieb mit den verbleibenden Mitarbeiter für die Zukunft gerüstet. Schröder ist stolz auf seine Crew, die auch in schwierigen Zeiten die betrieblichen Ziele mittrug.

"Stärken stärken, Schwächen beseitigen", nennt Schott das Motto im Insolvenzzeitraum. Dabei erweist sich das große Vertrauen, das Lieferanten und Kunden in die Reichinger & Schröder GmbH & Co. KG setzen, als "wichtiges Pfund". In der Insolvenzphase bleiben die Kunden nicht nur bei der Stange: Es werden sogar neue gewonnen. "Das ist für einen Betrieb, der in der Insolvenz ist, höchst selten", betont Schott. "Meistens gibt es in der Insolvenz keine neuen Aufträge. Hier aber überzeugen die sehr niedrige Reklamationsquote und die hohe Qualität." Und deshalb stand nicht die Abwicklung des Betriebes, die Schlussverteilung der Insolvenzmasse im Vordergrund, sondern die Fortführung.

Neueinstellung eines Gesellen


Die Zahlen und Konzepte, die Schott und Schröder den Gläubigern, den Banken und der Gläubigerversammlung vorlegen, waren überzeugend. Obwohl das Insolvenzverfahren bereits eröffnet war, stimmen die Gremien dem Planverfahren zu. Am 23. Februar 2016 hob der Insolvenzrichter das Verfahren auf.

"Das Unternehmen besteht genauso weiter wie vor dem 21. August 2014. Der ursprüngliche Rechtsträger ist unbeeinträchtigt aus der Insolvenz hervorgegangen", fasst Florian Schott die Vorteile des Insolvenzplanverfahrens zusammen. Und Christoph Schröder teilt selbst eine weitere positive Nachricht mit. Der Betrieb läuft gut: Er kann einen weiteren Polsterer-Gesellen einstellen.

2015 weniger FirmenpleitenDie gute Nachricht: Das Insolvenzgericht in Weiden notierte im Jahr 2015 insgesamt 18 Firmenpleiten. Im Vorjahr waren es nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Kreditreform noch 19. Die schlechte Nachricht, diesmal für die Gläubiger: Gegen die Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit meldeten, bestanden Forderungen von 5,645 Millionen Euro (im Vorjahr 2,72 Millionen Euro). Geld, das größtenteils verloren ist. Bei vier Firmen wies das Insolvenzgericht das Verfahren "mangels Masse" ab. Mangels Masse heißt es, wenn nicht genug Geld da ist, um die voraussichtlichen Kosten des Verfahren zu bezahlen, denn Insolvenzrichter und Insolvenzverwalter arbeiten nicht zum Nulltarif. Von den Insolvenzen im Jahr 2015 betroffen waren vor allem Kleinstunternehmen mit höchstens fünf Beschäftigten. 66 Arbeitsplätzen gerieten 2015 durch die Firmenpleiten in Gefahr. (wd)
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