Blick ins Goldene Buch der Stadt Weiden
Zeitgeschichte im Zeitraffer

2009 trug sich der frühere Verteidigungsminister Peter Struck ins Goldene Buch ein, als er der Stadt Weiden mit dem Motorrad einen Besuch abstattete. Mit dabei der damalige Bundestagsabgeordnete Ludwig Stiegler (Fünfter von links), der mit Struck befreundet war, und die Vertreter der örtlichen SPD. Bild: Wilck
 
Auch berühmte Schauspieler wie Rudolf Platte (1904 bis 1984) haben sich im Goldenen Buch der Stadt verewigt. Repros: Kempf (2)

"Weiden bleibt jeden Besuch wert!" Das bestätigte der frühere Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel, bei seinem Besuch im November 2005 im Goldenen Buch der Stadt. Auch Schauspieler und Kirchenmänner haben sich hier verewigt.

Von Susanne Kempf

Der frühere Bischof Gerhard Ludwig Müller notierte am 13. Dezember 2004: "Allen Bewohnern der Stadt und des Umlandes wünsche ich von ganzem Herzen Zukunftshoffnung, Solidarität und in allem Gottes Segen." Regierungspräsidentin Brigitta Brunner wünschte am 3. Juni 2008: "Der Stadt Weiden weiterhin eine positive Entwicklung." MdB und Vizekanzler Franz Müntefering schrieb am 20. September 2008: "Den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Weiden alle Zeit Wohlstand und Frieden."

Es fehlen Unterschriften


Viele Stunden ließen sich damit zubringen, im Goldenen Buch der Stadt zu blättern. Dabei finden sich die Einträge zahlreicher Prominenter, die das Land im Laufe der Jahrzehnte gestalteten und die Stadt aus unterschiedlichsten Gründen ansteuerten: zum Antrittsbesuch, zu repräsentativen Besuchen oder politischen Veranstaltungen. Fast immer trugen sich die Herrschaften ins Goldene Buch ein. Nur manchmal ist zwar der Besuch vermerkt, doch die Unterschriften fehlen. Aus welchen Gründen auch immer. Wurde der Eintragungsakt vergessen? War die Besuchszeit zu knapp bemessen? Hierüber lässt sich trefflich spekulieren. Faszinierend ist auf jeden Fall, wie viele Persönlichkeiten die Stadt allein im Zeitraum ab 1970 besuchten, welch klangvolle Namen im Buch zu finden sind.

Genauer gesagt sind es zwei Goldene Bücher, die man durchstöbern kann. Das erste Buch beginnt am 4. Mai 1970, als Alt-Oberbürgermeister Hans Schelter verabschiedet und sein Nachfolger Hans Bauer in das Amt eingeführt wurde. Der damalige Regierungspräsident Ernst Emmerig schrieb zu diesem Anlass: "Dank und Anerkennung dem Scheidenden, Glück und Segen dem Kommenden zum Wohle der Stadt!" Die Einträge folgen auf ein Vorwort von OB Hans Schelter, in dem dieser betont: "Historische Dokumentation ist notwendig, um die Bürger unseres Staats mit der geschichtlichen Entwicklung ihrer Heimat vertraut zu machen." Zahlreiche Aquarelle mit Ansichten der Stadt zieren die einzelnen Seiten.

Ein Goldenes Buch ist ein in Gemeinden und Städten verwendetes Buch, in dem sich Ehrengäste während eines Besuchs eintragen dürfen. Der Name entstand aufgrund des früher häufigen Goldschnitts der Seiten und der Vergoldungen am Einband. Die Bücher sind meist - wie in Weiden der Fall - schwere, in Leder gebundene Folianten. Die Einträge der Gäste werden von Kalligraphen vorgestaltet.

Nicht ausschließlich Politiker, Vertreter aus Partnerstädten, von Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften oder ganze Fußballmannschaften haben sich hier verewigt. Im Weidener Buch finden sich auch Einträge der Filmschauspieler Angelika Hauff und Victor de Kowa, die Weiden im November 1970 besuchten. Am 24. Mai 1971 trug sich Schauspieler Rudolf Platte ein. Erbprinz Franz von Bayern unterschrieb am 27. Juni 1983, Ministerpräsident Edmund Stoiber im September 1993, Ministerpräsident Horst Seehofer am 6. Januar 2009. Der vielleicht bekannteste bayerische Ministerpräsident, Franz Josef Strauß, am 2. April 1981.

Auch "Angie" war da


Und auch Angela Merkel war da! Jedoch war sie am 9. Juli 2002 noch nicht Kanzlerin, sondern CDU-Bundesvorsitzende. Bereits Kanzler waren bei ihren Besuchen dagegen Helmut Schmidt am 2. Oktober 1974 und sein Amtsvorgänger Willy Brandt am 11. Juli 1971. Auch einige Bundesminister beehrten Weiden, wie Annette Schavan, Ursula von der Leyen, Peter Struck, Friedrich Zimmermann, Theo Waigel, Hans-Dietrich Genscher oder Daniel Bahr. Er war in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister im April 2013 bei der Kliniken Nordoberpfalz AG und wünschte "viel Erfolg für die Patienten in der Region".

Bundeskanzler waren aber nicht die ranghöchsten Politiker unter den Weiden-Besuchern, es kamen auch Bundespräsidenten hierher. Im Juli 1980 war es Bundespräsident Karl Carstens mit seiner Frau Veronika, im April 1988 dann Bundespräsident Richard von Weizsäcker und 1999 Alt-Bundespräsident Roman Herzog mit Ehefrau Christiane. Politiker aus dem Ausland verewigten sich in den Büchern, wie im September 2010 der Vize-Gouverneur der Provinz Kian oder der ungarische Bauminister Laszlo Somogyi im Juni 1987. Erst vor einem Jahr war Verdi-Bundesvorsitzender Frank Bsirske zu Gast und unterschrieb im Goldenen Buch.

Für Einträge geöffnet wurde das Buch aber auch bei Empfängen für Wirtschaftsverbände, Vertriebenenverbände, bei Amtsübergaben, Stadtrats-Amtseinführungen, Oberbürgermeister-Dienstjubiläen, der Verleihung von Bürger- und Ehrenbürgermedaillen, bei Innungstagen wie dem Oberpfälzer Malertag 1972, Kulturveranstaltungen oder der Einweihung des Neuen Rathauses 1981. Besonders anrührend: die Einträge anlässlich des Empfangs zum 100-jährigen Jubiläum der Weidener Synagoge im Juli 1989.

"Autogramm-Sammlung"


Hochinteressant sind auch die Berichte über Weidener Gewerbebetriebe, die viele Seiten füllen. Das Goldene Buch ist nicht nur eine "Autogramm-Sammlung", sondern es spiegelt Zeit- und Stadtgeschichte lebendig wider.
Weitere Beiträge zu den Themen: Unterschriften (4)Autogramm-Sammlung (1)
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