Briefe an die Redaktion
Don Camillo und Peppone

St. Josef Weiden: In der Pfarrei türmen sich immer mehr Probleme an. Bild: Wilck

Don Camillo und Peppone

Zum Leserbrief: "Entsetzt und erschüttert":

Der Kampf um die eigenen Häkeldeckchen und Renovierungspläne geht in eine neue Runde. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, der Ton wird zusehends rauer.

Fast könnte man glauben, einer neuen Verfilmung von Don Camillo und Peppone beizuwohnen. Mit vertauschten Rollen: die einflussreichen Alteingesessenen, die aus mysteriösen Gründen plötzlich um jeden Preis die Rettung einer im Verfall begriffenen Kirche/Kleinod durchsetzen wollen, gegen den revolutionären neuen Pfarrer, der mit dem Elan des Überzeugten seine Pfarrei von althergebrachten Strukturen befreit, um seine, vom Aussterben bedrohte Gemeinde, in ein innovatives, lebendiges Kirchenleben führen zu können. Fast wäre es zum Lachen. Ganz wie in Boscaccio, der fiktiven Stadt in der norditalienischen Poebene von Don Camillo und Peppone, werden temperamentvoll hitzige Beleidigungen öffentlich vorgetragen. Das Wirken des amtierenden Pfarrers wird als dreist und unverschämt bezeichnet, als heuchlerisch und scheinheilig. Vor der aufgebrachten Menge werden mehr Dienerschaft und Demut vom "starrsinnigen" Pfarrer gefordert, der sich in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Kirchengemeinde erdreistet, eigene Ideen und Überzeugungen zum Wohle der Gemeinde nicht nur zu pflegen, sondern auch durchsetzen zu wollen. Ja, um Gottes Willen!

Möglicherweise hilft es da bei der Situationsbewältigung, sich zu vergegenwärtigen, dass die katholische Kirche eher nicht basisdemokratisch strukturiert ist. Auch noch nie war, das war nie Sinn der Sache. Denken Sie an Petrus, das Bild vom Schäfer und seinen Tieren ... Miteinander: ja. Füreinander: ja. Absprache: nein. Zumindest nicht unter den Schafen.

Vielleicht wäre manchem schon damit geholfen, die Tradition des privaten Hausaltars wiederzubeleben: zur Besinnung auf die Gaben des heiligen Geistes im Allgemeinen und der optimalen Eigenverteilung von Grünpflanzen und Deckchen auf Gottestischen im Besonderen - in Frieden mit sich und dem Rest der Welt.

Isabelle Schöner, Weiden

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