Brutaler Überfall auf drei Senioren am Hammerweg in Weiden
Angeklagte legen Geständnis ab

Auftakt Hammerweg-Prozeß wegen schwerem Raub. Bild: Gerhard Götz (Foto: ggö)
 
Zum Auftakt des "Hammerweg-Prozesses" legten die drei Angeklagten Geständnisse ab. Sie räumten über ihre Anwälte Tobias Konze, Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn (Zweiter und Dritte von links) und Franz Schlama (nicht im Bild) ein, drei Senioren bei einem Raubüberfall stundenlang gequält zu haben. Bild: Gerhard Götz

Das Verbrechen hat selbst erfahrene Kripo-Beamte schockiert. Nun läuft der Prozess gegen ein Trio, das bei einem Raubüberfall drei Senioren stundenlang malträtiert haben soll. Er beginnt mit Geständnissen und erschreckenden Details.

Ein Stück Kuchen wollte er sich gerade runterschneiden. Der Mann, damals 71 Jahre alt, war in der Küche, als er plötzlich einen Schlag auf den Kopf bekam. Er drehte sich um. Drei fremde Männer in seinem Haus im Weidener Stadtteil Hammerweg. Einer mit Pistole in der Hand. "Dann ist es losgegangen."

Einsilbig schildert der Senior vor Gericht, was folgte. Mehr als vier Stunden seien er, seine damals 69-jährige Frau und deren Mutter (89) geschlagen, getreten, gezerrt und bedroht worden. Die Täter vermuteten das große Geld bei ihnen. Als sie es nicht fanden, seien sie noch brutaler geworden. Bei dem Raubüberfall in den Abend- und Nachtstunden des 17. September 2015 erbeuteten die drei Fremden schließlich Schmuck und Bargeld im Wert von knapp 21 000 Euro. Sie hinterließen ein verwüstetes Haus und die drei Senioren, die Brüche, Schnitte, Hämatome und viele weitere Verletzungen erlitten hatten.

Strafen vereinbart


Seit Dienstag müssen sich nun drei Männer, 44, 40 und 34 Jahre alt, vor der 1. Strafkammer des Landgerichts verantworten. Dass sie es waren, räumen sie zu Beginn ein. Zuvor haben ihre Verteidiger in einem Verständigungsgespräch mit der Kammer und dem Staatsanwalt im Gegenzug zu den Geständnissen Freiheitsstrafen von 8 Jahren und 6 Monaten bis 9 Jahre und 6 Monate für den 44- und den 34-Jährigen vereinbart. Für den dritten 10 Jahre und 6 Monate bis 11 Jahre und 6 Monate. Das Strafmaß für die beiden anderen ist niedriger, weil sie nach ihrer Festnahme die Polizei auf die Spur des 40-Jährigen gebracht hatten. Ursprünglich waren bis zu 15 Jahre im Raum gestanden.

Die drei entschuldigen sich und räumen ein, die Tat gemeinsam geplant zu haben. Auch wenn es unterschiedliche Aussagen gibt, wer für den Großteil der Gewalt verantwortlich war. Die Idee für den Raub habe jedenfalls der 34-Jährige gehabt, dessen Vater mit dem 71-Jährigen befreundet ist. Als Gründe geben er und seine Komplizen Drogensucht, teils auch Schulden an. Der 40-Jährige, ein massiv vorbestrafter Security-Mitarbeiter, will anfangs in dem Glauben mitgemacht haben, er helfe beim Eintreiben von Schulden. Er habe nicht damit gerechnet, dass alles "erheblich übers Ziel hinausschießen" würde, wie er seinen Verteidiger erklären lässt.

Messer an den Hals


Tatsächlich sind die Vorwürfe von Staatsanwalt Christian Härtl gravierend. Die Männer sollen den 71-Jährigen mit dem Knauf der Pistole - eine Schreckschusswaffe - auf den Kopf geschlagen und ihm mit einem Messer in Arm und Bein geschnitten haben, weil sie noch mehr Geld von ihm herauspressen wollten. Aus dem gleichen Grund sollen sie auch die Frauen geschlagen, ihnen die Pistole an den Kopf gehalten und ein Messer am Hals angesetzt haben. Daneben hätten sie mit der Klinge direkt neben ihnen in Couch oder Sessel gestochen. Außerdem hätten sie im Haus Diesel verschüttet und gedroht, ein Feuer zu entfachen.

"Ich habe gedacht, es fliegt alles in die Luft", beschreibt die damals 69-jährige Ehefrau. "Man hat echt abgeschlossen." Auch ihre Mutter schildert schlimme Qualen. Sie sei gefesselt auf den Boden gezwungen worden und habe sich nicht bewegen dürfen. "Nur mit dem Fuß hab ich mich gerührt - und dann haben sie mir schon wieder reingehaut." Sie und die anderen litten weiter unter den Ereignissen. "Angst hab ich dauernd noch", sagt die heute 90-Jährige. "Es wird schlimmer, nicht besser." Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird für Anfang Dezember erwartet.
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