Bund Naturschutz über die Bedeutung von Ausgleichsflächen
Wiesen mit Mehrwert

Ausgleichsflächen - das mag sperrig klingen, dahinter verbirgt sich aber ein echter Mehrwert für Mensch und Umwelt, meint der Bund Naturschutz. Bei einer Führung versuchte Hans Babl (Dritter von links) deshalb, diese Flächen mehr ins Bewusstsein rücken. Bild: hfz

Auf dem Alten Rathaus klappert's. Und das hat durchaus etwas mit diesem Grünstück in der Mooslohe zu tun, auf dem Hans Babl gerade steht.

(pmik/fku) Hier, angrenzend am Mooslohgraben nördlich der Parksteiner Straße, breitet sich eine Streuwiese aus. Ungedüngt, nur einmal im Jahr gemäht. Für Babl, Naturschutzbeauftragter der Stadt, hat dieses auf den ersten Blick unscheinbare Stück Land nicht nur in puncto Grundwasserschutz immensen Wert. Was er mit Zahlen belegt. Während sich auf gedüngten Wiesen vielleicht zwei, drei Pflanzenarten befänden, seien es hier 30 bis 40, darunter sehr viele Blütenpflanzen. Und das führt wiederum aufs Rathaus. Denn Blüten sind nunmal wichtig für Insekten. Die munden dem Frosch. Und der wiederum findet sich zu seinem Leidwesen mitunter im Schnabel des Storchs wieder.

Was dem Storch allerdings weniger schmeckt: Streuwiesen sind selten. Dass es eine in der Mooslohe gibt, liegt am Naturschutzgesetz. Auf siebeneinhalb Hektar breitet sich hier eine Ausgleichsfläche aus. Wenn die Stadt beispielsweise durch die Ausweisung von Baugebieten in die Natur eingreift, verlangt das Gesetz anderswo einen Ausgleich. Andere Flächen muss sie ökologisch aufwerten. Indem sie beispielsweise eine Streuwiese entstehen lässt.

Seltenes zu entdecken


Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz, bei der Babl ebenfalls engagiert ist, will diese Flächen mehr ins Bewusstsein rücken. Jüngst etwa mit einer Radtour vor Ort. "Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass es das gibt, vor ihrer Haustür. Und dass es eigentlich ihnen gehört." Die Bürger sollten sich das ruhig anschauen, vielleicht mit ihren Kindern die Tiere dort - teils seltene Arten - entdecken. Was man kennt, schätzt man, lautet die Logik dahinter. Rund 25 Hektar Ausgleichsflächen gibt es laut Babl in Weiden (siehe Kasten ). Daneben hat die Stadt - weil es offenbar an Areal vor Ort fehlt - manche sozusagen outgesourct. Sie hat welche bei Oed oder Pechbrunn. Da finde sich durchaus Wertvolles, sagt Babl, im Hauptberuf Förster. Ein Vogelbiotop zum Beispiel. Nur: Direkt für das Stadtgebiet Weiden "bringt das nichts".

Offen für Vorschläge


Und auch innerhalb der Stadtgrenzen sehe er zwar viel Gutes, aber eben auch Verbesserungspotenzial. "Es fehlt ein Gesamtkonzept" bei der Behandlung der Flächen. Im Fall der Streuwiese in der Mooslohe bemängelt Babl unter anderem, dass schon ein paar Wochen, bevor die letzten Pflanzen verblüht wären, gemäht wurde. Er hätte im Sinne der Tiere damit noch gewartet.

Auf taube Ohren stoßen solche Anregungen nicht. "Konstruktive Kritik ist immer erwünscht", sagt Martin Scheidler vom Umweltamt. Das Areal in der Mooslohe sei ein Ausgleich für die Eingriffe in Moor und Nasswald beim Bau des Autobahnanschlusses Weiden-Nord, erläutert er. Ein allgemeines Management für die Flächen gibt es laut Scheidler zwar nicht. Wohl aber ein Pflegekonzept für die einzelnen Abschnitte. In der Mooslohe sei es seinerzeit nicht zuletzt auf Bodenbrüter ausgelegt worden. Was bedeutet: Ab Mitte Juni kann gemäht werden, die Jungtiere brauchen das hohe Gras dann nicht mehr zum Überleben. Ein Landwirt, der die Wiese bewirtschafte, schneide es dann und verfüttere es. Gleichzeitig zeigt sich Scheidler offen für Anpassungen. Gerade über den Zeitpunkt der Mahd könne man durchaus noch einmal sprechen.

Ein Friedhof als AusgleichsflächeWeiden. (fku) Rund 25 Hektar Ausgleichsflächen finden sich im Stadtgebiet. Neben dem 7,5 Hektar großen Areal nördlich der Parksteiner Straße und zwei Abschnitten bei Wiesendorf zum Beispiel auch zwei an der Waldnaab auf Höhe des Edeldorfer Grabens und südwestlich der Kreuzung Dr.-Kilian-Straße/Merklmooslohe. Eine Karte mit sämtlichen Ausgleichsflächen im Freistaat bietet das Finanzministerium (Link siehe unten). Unter den grün markierten Ausgleichsflächen dort ist die größte in Weiden: der Waldfriedhof.

Was zunächst kurios wirkt, hat laut Martin Scheidler vom Umweltamt mit der Vorgeschichte zu tun. Vor rund fünf Jahren sollte ein großer alter Garten am Rehmühlbach bebaut werden. Weil die alten Bäume darin potenzieller Lebensraum für Fledermäuse waren, forderte das Amt Ersatz. Und zwar in der Form, dass der Bauherr die Kosten für 100 Fledermauskästen übernimmt. Dabei suchte das Amt einen möglichst nahen Standort, an dem die Kästen möglichst lange hängen bleiben. In einem Wald, in dem nunmal regelmäßig Bäume gefällt werden, war das nicht gegeben. Im Friedhofsgelände schon.

Weitere Informationen im Internet: Bayern-Atlas
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