„Café Malta" richtet sich an Demenz-Erkrankte und deren Angehörige
Farbe in die verblassende Erinnerungen bringen

Plaudern, Bilder angucken, Spiele machen und Kaffee trinken: Petra Meyer (rechts) und Gerda Hoffmann (Zweite von links) kümmern sich mit viel Liebe um die Gäste im "Café Malta". Bild: otj
 

Wenn die Worte ausgehen, die Erinnerung verblasst und schließlich ganz im Dunkeln verschwindet: Demenz ist ein hartes Schicksal für Betroffene und Angehörige. Wie ein Leben mit der Krankheit trotzdem Qualität haben kann, zeigt das Team des "Café Malta" der Malteser.

Montag, kurz vor 14 Uhr. Gerda Hoffmann hat schon zwei Tische eingedeckt, der Kaffee duftet, Apfelkuchen, Krapfen und Windbeutel zieren die Teller. Langsam trudeln die Gäste ein. Die einen plaudern angeregt, witzeln und frotzeln. Andere sind eher still, wirken unbeteiligt, ein wenig ängstlich. Demenz hat viele Gesichter und Stadien. Die Leiterin des "Café Malta", Petra Meyer, erklärt: "Am Anfang der Krankheit bemerkt man oft gar nichts. Die Menschen versuchen, das Vergessen zu überdecken."

Raus aus der Isolation


Die Bedingungen für einen gemütlichen Kaffee-Klatsch sind ideal im ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn. Hohe Decken, große Fenster, alles ist freundlich und hell - so begrüßt das "Café Malta" seine Besucher. Das Zimmer ist dekoriert mit gebastelten Schmetterlingen. An der Wand hängen große, farbenfrohe Bilder, an einem Korkenzieher-Haselzweig baumeln Herzen.

Die gelernte Krankenschwester Meyer sorgt gemeinsam mit zwei ehrenamtlichen Unterstützern, Gerda Hoffmann und Gertraud Hahn, dafür, dass jeder etwas aus der Runde mitnehmen kann. Neben Gedächtnisübungen, Basteln, und Singen regen sie zum Plaudern an, ermuntern die Gäste mit Geschichten aus der eigenen Biografie sich einzubringen. Lok-Führer, Schneiderin oder Metzger - es gibt viel zu erzählen.

In der Öffentlichkeit wird nicht gern über Demenz gesprochen. Der Philosoph Walter Jens oder der Fußball-Manager Rudi Assauer sind prominente Ausnahmen. Dabei sind in Deutschland derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen betroffen. "Wir möchten die Menschen aus der Isolation herausholen", erklärt Meyer, hauptamtliche Leiterin des Cafés. Das Motto lautet "Gemeinsam statt einsam".

Dabei spielt Musik eine tragende Rolle: Nachdem die Kaffeetafel abgeräumt ist, teilt Gerda Hoffmann Blätter aus. Darauf steht in großer Schrift der Text von "Hoch auf dem gelben Wagen". Die Seniorenrunde singt begeistert mit - auch die, die bisher nicht gesprochen haben. Es ist schon erstaunlich: Die musikalische Erinnerung scheint tief im Gedächtnis verankert zu sein.

In einer Welt des Vergessens ist ein Angebot wie das der Malteser ein Segen. Für viele der Betroffenen ist es eine willkommene Luftveränderung. "Und für die Angehörigen sind die drei Stunden eine Gelegenheit durchzuschnaufen. Die Pflege daheim ist unheimlich kraftraubend", erklärt Petra Meyer.

Das Angebot wird sehr gut von den Menschen angenommen. montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr treffen sich die Gruppen. Auf Wunsch werden die Senioren auch von zu Hause abgeholt und im Anschluss wieder zurückgebracht.

Pflegekasse zahlt


Natürlich entstehen Kosten für das niederschwellige Angebot der Malteser. Die für den Transport und das Treffen selbst - im Versicherungsdeutsch: Entlastungsdienste - können aber bei der Pflegekasse geltend gemacht werden.

Wer sich fürs "Café Malta" interessiert, ist eingeladen. Petra Meyer und ihr Team freuen sich immer auf neue Gäste, die auch gerne erst einmal in der Begleitung von Angehörigen hineinschnuppern können.

Die Kaffeerunde ist nur eines von vielen Angeboten, das die Malteser den Demenzpatienten und deren Angehörige unterbreiten. Dabei geht es auch um ganz praktische Dinge. "Wir möchten zum Beispiel den Pflegenden die Möglichkeit geben, einen Erste-Hilfe-Kurs bei uns zu machen."
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