Charmeur der Alten Schule überzeugt auf der Bühne
Glücksmomente mit Christoph

Kenneth Berger begleitete den Tenor Christian Baierl am Piano. Das Musiker-Trio ergänzte Dominik Herzner mit Gitarre und Percussion. Bild: Kunz

"Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich." Ein etwas uncharmantes Herunterspielen des eigenen Stellenwerts dieses großen Charmeurs Christoph Baierl. Würde sich wirklich, wie Max Raabe schrieb, "keine Sau" für ihn interessieren, warum kommen 200 Zuhörer in sein Konzert?

"Ein Abend wie dieser" hatte es wirklich in sich. Wo bitte befindet sich in der Max-Reger-Halle der Raum mit der Badewanne, deren Inhalt der Barde vor seinem Auftritt am Samstagabend so ausgiebig genoss. Und: War jetzt das Vollbad schuld an 15-minütigen Verspätung oder sorgte eine Falschmeldung, was den Konzertbeginn anging, für die Verzögerung?

Mit Zaubertrick


Die Fans fassten es mit Geduld auf. Schlag 19.45 Uhr sahen sie den Künstler, wie er sich auf einer Leinwand im Hintergrund im Schaumbad räkelte und dann blitzschnell vom Bademantel passgenau zum schwarzen Frack mit Fliege wechselte. Ein Zaubertrick, den ihm keine Frau nachmache, wie er betonte. Sein erster Song: "Ich hab' das Fräul'n Helen' baden seh'n" mit einem Text von Fritz Grünbaum, Musik: Fred Rayomond. Bevor Baierl allerdings mit seinen beiden Sidemusikern Dominik Herzner (Gitarre und Percussion) und Kenneth Berger (Piano) auf die Bühne ging, gab er noch bekannt, dass dieser Abend aufgezeichnet werde. Vielleicht gibt es dieses Konzert bald auf Platte.

Seit zehn Jahren singt der Tenor erfolgreich. Er wirkt als Konzertsänger und Schauspieler, nebenbei ist er Radiomoderator und begleitet die Menschen in Bayern durchs Leben. Das Programm: Aufregende Liebesgeschichten und lustige Kuriositäten. Das Publikum erlebte eine Wanderung mit Klassikern von Peter Alexander bis Max Raabe, von den Comedian Harmonists bis John Kander. Es waren Glücksmomente, skurrile Beziehungskisten oder die heile Welt, die der Künstler da besang. "Willkommen" aus "Cabaret", "Ich fahr' mit meiner Klara in die Sahara" oder "Die Braut vom Alexander, die geht so auseinander". Man merkte: Alles reimte sich irgendwie und sowieso auf irgendwas. Es ging im Programm um "eine Nacht in Monte Carlo", um den "Badewannen-Tango" und um "Veronika, der Lenz ist da."

Bei ihm verdrehten nicht die Damen den Herren die Augen. Bei Baierl ist es umgekehrt. Er schmachtet die Damen im Publikum an wie kein zweiter. "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", "Ich zähle täglich meine Sorgen", "Das gibt's nur einmal". Der Tenor wusste sein Publikum stilsicher für sich einzunehmen.
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