Chefarzt klärt bei Vortrag über Venenleiden auf
Krampfadern sind nicht zu verhindern

Chefarzt Dr. Eberhard Müller beantwortete nach seinem Vortrag auch zahlreiche Fragen der Zuhörer. So hält er etwa Saunabesuche bei Krampfaderleiden im Regelfall für möglich. Bild: sbü

Männer, Frauen, Sportler und Nichtsportler, Dünne, Dicke: Alle kann es treffen. So ist das eben mit Krampfadern, stellt der Chefarzt am Klinikum fest. "Und ich kenne kein wirksames Mittel, das Krampfadern verhindern kann", sagt er bei einem Vortrag. Trotzdem dürften die meisten Besucher den Heimweg einigermaßen zufrieden angetreten haben.

Varizen heißen Krampfadern in der Fachsprache. In Deutschland leidet fast jeder Vierte darunter. Entsprechend groß war auch der Andrang im Besuchercafé in der Eingangshalle des Klinikums. Dort hielt Dr. Eberhard Müller, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, einen Vortrag zum Thema.

Der Mediziner informierte auf unterhaltsame Art über das Volksleiden. Zugleich stellte er klar, es gibt kein Rezept zur Vorbeugung. Allerdings hörten die Besucher von großen medizinischen Fortschritten bei Behandlung und Operation dieser Venenleiden. Und der Mediziner nahm auch die Sorge, dass nach der Entfernung von Krampfadern der Blutfluss negativ beeinträchtigt sei. Die Venen in der Tiefe blieben und könnten eventuell sogar besser funktionieren: "Das hohe Blutvolumen durch Krampfadern überlastet das Bein nicht mehr." Zudem könne mit einer operativen Entfernung auch weiteren Hautveränderungen, bis hin zu einem offenen Bein, vorgebeugt werden. Völlig falsch sei auch die dazu in Ostbayern zu hörende Meinung, dass "ein Kindsfuß nicht abheilen dürfe". Auch ein "Ulcus cruris - also das offene Bein" könne erfolgreich behandelt und zur Abheilung gebracht werden.

Begonnen hatte Dr. Müller seinen Vortrag mit der anschaulichen Erläuterung, dass Krampfadern durch Funktionsstörungen der Venenklappen entstehen. Symptome könnten "Schwellneigung, über den Tag zunehmend, Juckreiz, in der warmen Jahreszeit schwere und müde Beine und abendliche Krämpfe" sein. Im fortgeschrittenen Zustand käme es unter anderem zu Hautveränderungen, sichtbaren Venen um den Knöchel herum, Stauungsekzemen und möglicherweise zu offenen Stellen oder Geschwüren. Dr. Müller warnte außerdem vor der Gefahr der Varizenblutung.

Zahlreiche Untersuchungsmethoden stünden zur Verfügung. Gefäßultraschall stehe dabei im Mittelpunkt, "denn fast alle Fragen können mit Ultraschall beantwortet werden". Breiten Raum nahm im Vortrag die Behandlung des Krampfaderleidens ein. Als "klassische OP" gilt die "Stripping-Methode" - auch mit Blick auf die Erstattung durch die gesetzlichen Kassen. Die Methode lasse sich heutzutage viel schonender anwenden als früher, weil meist nur noch kleine Schnitte erforderlich seien. Bei der "Miniphlebektomie" mit nur noch "3-Millimeter-Schnitten" brauche man auch nicht mehr nähen und könne die Schnitte mit Pflaster bekleben. Bei endovenösen Verfahren werde nur die Stammvene verschlossen, ohne sie herauszuziehen. Auch ein Katheder-Verfahren sowie für kleinere Venen die "Verödung" stünden zur Verfügung. Fast alle Varizen-OPs würden ambulant durchgeführt. Probleme nach der Operation wie pelzige Gefühle oder der Verbleib kleinerer Venenreste ("die verschwinden") klängen rasch ab.

"Thrombosen sind eine absolute Rarität, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe", sagte der Mediziner. Die anschließende Kompressionsbehandlung sei unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. "Wir empfehlen sechs Wochen", sagte Dr. Müller.
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