Christian Neidhardt - Skateboarder mit großer Fangemeinde
Kickflip ein Klickhit

Mit Skate-Fotos wie diesem hat sich Christian Neidhardt eine Fangemeinde im Netz ersprungen. Bild: hfz
 
Skaten verbindet Menschen.

Ein talentierter Skateboarder ist er. Aber nicht nur. Christian Neidhardt will auch andere von den Brettern faszinieren und den Sport in Weiden voranbringen. Im Netz klappt die Promo schon mal hervorragend. Dort begeistert der Weidener Zehntausende.

Erklären geht nicht. Aber zeigen. Also angelt sich Christian Neidhardt sein Smartphone und rollt los. Auf dem Display. Es ist ein weiter Weg, bis er sich durch all die neuen Benachrichtigungen gewischt hat. Drei Stunden zuvor hat er ein Bild auf seiner Instagram-Seite hinzugefügt. Es zeigt ein Skateboard. Die Bilanz seither: 268 Likes, 30 neue Follower. "Hmmm", brummt Neidhardt, "das geht schon ab."

Es klingt wie eine Melange aus Staunen und Fatalismus, wenn er über das erzählt, was rund um ihn im Netz abgeht. Erklären kann er's eh nicht. Seit etwas mehr als zwei Jahren hat er ein Profil auf der Plattform Instagram. Er stellt dort Fotos ein, die er meist selbst gemacht hat. Oft zeigen sie Skate-Szenen, manchmal auch Accessoires, etwa Schuhe bestimmter Marken. Vielleicht 300 Nutzer seien ihm die meiste Zeit gefolgt. Bis die Zahlen seit September plötzlich verrückt spielten. Ein paar hundert neue Follower kamen seither dazu. Pro Tag. Aktuell sind es rund 35 000. Warum um Himmels Willen das alles so explodiert ist? "Hmmm", brummt Neidhardt, "keine Ahnung."

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Weidener ein ziemlich guter Skateboarder ist. Er hat Spitzenplätze bei lokalen Wettbewerben geholt. In Tirschenreuth oder Waldsassen, in Nürnberg oder Jena. 2009 gewann er die Oberpfalz-Meisterschaft. Vorletztes Jahr, erzählt er, setzte er sich in der Gesamtwertung der deutschen Meisterschaft auf den 14. Platz.

Jetset mit Brett


Ein ziemlich weiter Sprung dafür, dass der 24-Jährige als Skateboarder eigentlich Spätzünder ist. Vor acht, neun Jahren, so genau weiß er es nicht mehr, stand er das erste Mal auf einem Brett. "Es war sehr spaßig." Also blieb er dabei. "Man hatte eine Beschäftigung mit Steigerungspotenzial, jeden Tag eine neue Herausforderung." Neidhardt, in Pressath aufgewachsen und seit drei Jahren ein Weidener, übte erst auf Parkplätzen Tricks, nutzte selbstgebaute Rampen. Dann ging es immer weiter hinaus. Zur Skater-Anlage beim Jugendzentrum in Weiden - "die war damals noch nicht so kaputt" -, nach Nürnberg, Regensburg. Mittlerweile "bin ich jedes Wochenende woanders". Mitunter geht es auch nach Tschechien, Polen, bis nach Spanien.

"Skaten und Reisen sind eng miteinander verbunden", erklärt er. Mag stressig klingen. Das sei aber einer der wichtigsten Gründe, warum er den Sport möge. "Skaten verbindet Menschen." Beispiel: "Man kommt nach Berlin, kennt keinen, trifft ein paar Skater - und sofort hat man jemanden." Aber natürlich sei es auch der Sport an sich, der ihn immer noch fasziniere. Auf dem Brett "vergisst man die Sachen um sich rum". Und man sei frei. "Keiner sagt einem, was man tun soll. Man ist sein eigener Chef." Dafür nimmt sich der 24-Jährige auch viel Zeit. Im Winter trainiert er ein Mal die Woche knapp sechs Stunden in Hallen. Im Sommer sind es ebenfalls knapp sechs Stunden - drei bis vier Mal die Woche.

Und wofür? Titel, sagt Neidhardt, seien nicht das Entscheidende. Wenn sie kommen: schön. Wenn nicht: auch schön. Andere kommen ja auch so auf ihn zu. Sponsoren etwa habe er schon ein paar. Sie zahlten ihm Boards, Startgebühren, stellten Klamotten.

Neidhardt selbst gibt aber auch anderen etwas. Im Sommer beispielsweise hielt er im Ferienprogramm des Stadtjugendrings Kurse. Ein weiterer Kurs für Kinder, den er zunächst ehrenamtlich leitet, ist außerdem am Samstag gestartet. Es sei ein gutes Gefühl, "andere dafür zu begeistern". Zudem hat der 24-Jährige Meisterschaften bei der Skateboard-Anlage am Juz organisiert. Bis 2014 zumindest. Inzwischen sei die Anlage aber nicht mehr modern. "Da kommen nicht genügend Leute." Auch er selbst weiche deshalb meist aus. Entweder gleich in ganz andere Gegenden. Oder zumindest nach Tirschenreuth oder Waldsassen, wo die Anlagen besser seien.

In den Ausschuss


Das sportliche Exil soll aber nicht von Dauer sein. Neidhardt bemüht sich, dass der Weidener Skate-Park modernisiert wird. Über Stadträtin Dagmar Nachtigall hat er es zumindest schon einmal geschafft, dass der Finanzausschuss das Thema heute behandelt. Ausgang - offen. Aber Neidhardt träumt schon mal. Bei einer grundlegenden Modernisierung des Areals würde er dort gern Großveranstaltungen auf die Beine stellen. Viel größer als bislang. Welch große Zahlen sich aus einem Brett mit Rollen entwickeln können, weiß er ja selbst am besten.
Skaten verbindet Menschen.Christian Neidhardt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.