Comic-Freunde aus ganz Deutschland bei Treffen in Weiden
"Sigurd" aus Holz unbezahlbar

Manfred Mohn mit seinen original Kupfer-Tiefdruck-Platten eines illustrierten Klassikers aus Amerika, die er über Ebay gekauft hat. Außerdem besitzt der Gießener die komplette Zeichnerarbeit eines Heftes.
 
Dieter Drechsler (links) aus Dortmund hat auch ein von Hansrudi Wäscher handsigniertes Plakat einer "Tibor"-Titelseite mitgebracht. Daneben Clubvorstand Sepp Schrottner und Gastgeber Ulrich Narr. Bilder: Kunz (2)

Vor 25 Jahren hat Dieter Drechsler in einem Duisburger Comic-Shop große Holzschablonen mit den Comic-Helden "Sigurd" und "Falk" entdeckt. "Die haben damals 20 Mark das Stück gekostet. Das sind die einzigen Exemplare, die ich kenne." Insofern sind sie "unbezahlbar."

Drechsler ist einer von 70 Comic-Freunden aus ganz Deutschland, die der Einladung von Ulrich Narr zum fünften Weidener Sommertreffen des Hansrudi-Wäscher-Fanclubs Bayern mit großem Rahmenprogramm ins Hotel "Zur Post" gefolgt sind. Diesmal dabei: Mitglieder vom Club der Comic-Nostalgie-Freunde.

Dank für das Treffen


Wäscher, der Vater von "Falk", "Tibor" & Co. starb im Januar diesen Jahres im Alter von 87 Jahren und hat dem Fanclub unzähliges Material für den nächsten 20 Jahren hinterlassen. Narr hat Wäscher noch kurz vor seinem Tod telefonisch für das großartige organisierte Weidener Comic-Freunde-Treffen gedankt.

Die beiden auf Holz aufgezogenen Ritter aus der Feder Wäschers werden heute neben anderen bedeutenden Comic-Objekten im Wohnzimmer des Dortmunder Sammlers aufbewahrt. Drechsler hatte die wertvollen Stücke am Samstag mit zur Comic-Messe nach Weiden gebracht. Und nicht nur "Sigurd" und "Falk". Auch die Titelseiten von Hard- und Softcoverausgaben sowie von "Tibor"- und "Nick der Weltraumfahrer"-Luxusbänden, die der Nordrhein-Westfale auf teures Fotopapier drucken ließ. Ganze Serien. Gerade die Coverabbildungen, die Wäscher gezeichnet habe, seien sehr ausdrucksstark und von farblicher Brillanz und voller Dynamik, erklärt der 65-jährige Rentner. "Die Hefte und Bände habe ich alle Zuhause."

"Das sind die Abenteuergeschichten, die unsere Kindheit und Jugend geprägt haben. Die Zeichnungen von Hansrudi Wäscher haben uns so fasziniert, dass wir damals unser gesamtes Taschengeld dafür ausgegeben haben." Drechsler ist ein Sammler der ersten Stunde. Schon als Kind habe er alle Heftchen aufgehoben. Nichts weggeworfen, alles gesammelt.

Original Kupfer-Tiefdruck-Platten aus Amerika für die "Classics Illustrated", eine Comic-Serie, die sich in den 40er und 50er Jahren mit Werken der Weltliteratur beschäftigte, präsentiert Manfred Mohr aus Gießen. Seine Vierfach-Ausgabe vom "Glöckner von Notre Dame" hat ihn 250 Dollar gekostet.

In Deutschland kamen die Hefte Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre heraus. Oft mit anderen Titelbildern, weil sich diese dann international besser verkaufen ließen, wie Mohn berichtet. "Die Serie ist weltweit erschienen, auch in Australien und in der Türkei." Und interessant sei, wie damals gearbeitet wurde. So habe man in die vorgefertigten Sprechblasen kurzerhand die unterschiedlichen Sprachen eingesetzt. Die Bilder und Blasen blieben dieselben. Mohns Kupfer-Platten - vier an der Zahl für die vier Grundfarben - demonstrieren, wie das gemacht wurde. So wurden damals die amerikanischen Cent-Beträge (25 Cent) mit wenigen Handgriffen einfach in Pfennige abgewandelt. "Über diese speziellen Heftchen gibt es schon eine wissenschaftliche Abhandlung über 600 Seiten."

Wertvolle Hefte


Zudem besitzt Mohn auch die kompletten Schwarz-Weiß-Zeichnungen für 32 Seiten eines Hefts mit den dazugehörigen recht simplen Vorrichtungen für die spätere Kolorierung. Eine Seite koste im Schnitt 30 Euro. Für ein Titelbild dieser Serie müsse mit bis zu 800 Euro gerechnet werden. Ein komplettes Heft, das wie hier in seiner Entstehung dokumentiert wird, muss also ein vierstelliger Betrag auf den Tisch gelegt werden.

Von diesen illustrierten Klassikern - allein in Deutschland wurden 205 Hefte aufgelegt, in den USA 169, in Australien 72 - besitzt Mohn über 600 Heft-Exemplare. Ein Schatz, der sich vor einem Sammler auftut. Leider ist die Szene ziemlich überaltert. Viele der Sammler wissen nicht, wem sie ihre umfangreichen Sammelstücke vererben sollen.

Kinder und Enkelkinder zeigen meist wenig Interesse an der Leidenschaft ihrer Väter und Großväter. Einschlägige Museen sind oft selber bestens bestückt oder überfordert. Viele der Akteure befürchten deshalb, dass ihre Sammlungen, für die sie tausende von Euro ausgegeben haben, entweder verramscht werden oder irgendwann unwiederbringlich auf dem Müll landen.
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