Das Urteil gegen Millionenbetrüger Wolfgang S. ist nach einem Jahr rechtskräftig
In U-Haft 70 Jahre alt geworden

Das Urteil gegen Millionenbetrüger Wolfgang S. ist endlich rechtskräftig. Der entsprechende BGH-Beschluss ging am Montag bei Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg) ein, der nach wie vor von einer "absurd hohen Strafe" spricht.

Der inzwischen 70-jährige Rheinländer, zuletzt wohnhaft auf Mallorca, war vor über einem Jahr am Landgericht Weiden zu einer Haftstrafe von 11 Jahren wegen Betrugs in 51 Fällen verurteilt worden. Die 1. Strafkammer sah es als erwiesen an, dass Wolfgang S. seinen Geldgebern über zehn Millionen Euro aus der Tasche gezogen hat, die auf dubiosen Konten für immer verschwanden. Das Urteil des berichterstattenden Richters Dr. Marco Heß umfasst 337 Seiten.

Argumente verworfen


Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs wies die Revision jetzt zurück. Unter anderem hatte die Verteidigung moniert, dass an einem Verhandlungstag in Rosenheim kurzfristig ein anderer Sitzungssaal genutzt wurde. Die Öffentlichkeit sei aufgrund des überschaubaren Gerichtsgebäude dennoch hergestellt gewesen, argumentierte der BGH. Die Anwälte hatten zudem die Zuständigkeit moniert: Weiden verfügt über keine Wirtschaftsstrafkammer. In diesem Fall auch nicht nötig, meinen die Bundesrichter. Es habe sich um Privatdarlehen gehandelt.

Seit drei Jahren sitzt Wolfgang S. in U-Haft. Die Festnahme durch die Weidener Kripo erfolgte am 18. April 2013 im Firmenbüro eines geschädigten Unternehmer in Kastl. Das Urteil fiel nach 47 Prozesstagen zwei Jahre später am 15. April 2015. Vor wenigen Wochen ist der Verurteilte in der JVA Weiden 70 Jahre alt geworden. Mit Rechtskraft wird er in die JVA Hagen in Nordrhein-Westfalen verlegt, wo er Familie hat. (Kasten)

Der Gefangenentransport von Wolfgang S. in die JVA Hagen erfolgt nicht in einem Stück. Die Fahrtzeit für die gut 530 Kilometer würde fünf Stunden betragen. Wolfgang S. wird eine Woche unterwegs sein: Der Schub geht am Mittwoch von Weiden nach Nürnberg, von dort am Freitag weiter nach Rohrbach, am Dienstag nach Köln. Der 70-Jährige übernachtet auf dem Weg in drei Gefängnissen. Sieben Tage später kommt er in Hagen an. "Unzumutbar", sagt Anwalt Jörg Jendricke. Ohnehin habe sich der Gesundheitszustand seines Mandanten verschlechtert.

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