Dekanate Sulzbach-Rosenberg und Weiden beim Reformationsjubiläum 2017
Freiheit miteinander feiern

Anni Weber in der Kirche in Poppberg *** Local Caption *** Foto: Wolfgang Steinbacher *** Local Caption *** Foto: Wolfgang Steinbacher
 
Dekan Karlhermann Schötz *** Local Caption *** Foto: Wolfgang Steinbacher
 
Zoigl und Luther - Dekan Wenrich Slenczka. Bild: Götz
 
Pfarrer Wolfgang Bruder mit einem Bild des geköpften Lutherzwergs. Bild: Gerhard Götz

Zwei Abendmahlskelche aus dem frühen 17. Jahrhundert zeugen im evangelischen Dekanat Weiden davon, dass man auch schon 100 Jahre nach der Reformation die Bedeutung dieses kirchlichen Datums erkannt und mit einem dreitägigen Jubelfest gefeiert hat. Vor allem in den mitteldeutschen Lutherstädten wird die 500. Wiederkehr dieses Ereignisses von großen Ausstellungen und Aktionen begleitet. Doch auch die Evangelischen in der Region haben ein weitgefächertes Programm zusammengestellt.

Es enthält Gottesdienste und Fahrten, Aktionen, Vorträge, Ausstellungen und regionaltypische Ideen wie den "Lutherzoigl" für Jung und Alt, für Leute, die viel, und solche, die wenig mit Kirche am Hut haben. Ein besonderes Augenmerk legen sie auf ökumenische Veranstaltungen.

Nicht nur Karlhermann Schötz, Dekan in Amberg-Sulzbach, freut sich, dass das Reformationsjahr viele ökumenische Veranstaltungen und Impulse bringen wird. "Kirche - und damit meine ich evangelisch und katholisch - muss sich den Herausforderungen, vor denen sie heute steht, stellen." Viele Menschen seien dem christlichen Glauben gleichgültig gegenüber, ließen Kirche bei der Suche nach Orientierung in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt links liegen.

Äußeres Zeichen, dass evangelische und katholische Christen in der Oberpfalz lange Zeit ein - nicht immer spannungsfreies - Miteinander gelebt haben und leben, sind die Simultankirchen. "Davon gibt es heute noch neun in der Oberpfalz, die der Kirche gehören", sagt Susanne Götte, Öffentlichkeitsreferentin des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weiden. "Es sind die Kirchen in Altenstadt bei Vohenstrauß, Eschenfelden, Frankenhof, Fürnried, Götzendorf, Illschwang, Kürmreuth, Niederärndt und Wildenreuth." Drei weitere Gotteshäuser seien mittlerweile in städtischem oder privatem Besitz, würden aber von beiden Konfessionen genutzt.

"In den Orten mit einer 'simultanen' Geschichte herrscht heute ein gutes ökumenisches Miteinander." Gewachsen sei es aus einem langjährigen Wissen und Verständnis um die Verschiedenheit der Konfessionen. Das aber ist erst eine relativ neue Entwicklung. In früheren Zeiten gab es zum Teil heftige, zum Teil trickreich ausgetragene Streitereien um Gottesdienstzeiten, Kunstwerke, die Benutzung des Taufsteins und Pfründe.

Neue Impulse, die Menschen für den Glauben zu interessieren, eröffnet das Netz der seit zwei Jahren befahrbaren Simultankirchen-Radwege, die der Rothenstädter Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler initiiert hat.

1522 kam die Reformation durch den Prediger Johannes Freysleben in Weiden in einer katholischen Umgebung an. 20 Jahre später erließ Pfalzgraf Ottheinrich I. ein Religionsmandat für sein Fürstentum. Damit war die Reformation in einem Großteil der Oberpfalz eingeführt, auch wenn sich dies in späteren Jahren immer wieder änderte. Besonders in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges schaukelte die Geschichte hin und her. Die evangelischen Dekanate Weiden und Sulzbach-Rosenberg feiern deshalb im Lutherjahr auch 475 Jahre Reformation in ihren Gebieten.

Amberg war seit 1629 eine rein katholische Stadt. Die Niederlassung eines Gewehrfabrikanten sorgte um 1800 für den Zuzug von Protestanten. Eine eigenständige Gemeinde gibt es in der Stadt erst wieder seit 1863 mit der Paulanerkirche als Zentrum. Gerade einmal ein Fünftel der Angehörigen einer der beiden christlichen Konfessionen in der Vilsstadt sind evangelisch. In Sulzbach-Rosenberg liegt ihr Anteil Mitte 2016 mit 7653 Protestanten gegenüber 8379 Katholiken bei knapp der Hälfte. Insgesamt gehören hier rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung den großen Kirchen an.

2010 regte Kardinal Kasper in einer vom damaligen Landesbischof Johannes Friedrich als eine "ganz evangelische Predigt" genannten Ansprache zur Eröffnung der evangelischen Landessynode an, in der Ökumene mehr das Verbindende statt das Trennende zwischen den Konfessionen in den Blick zu nehmen. Das geschieht offenbar auch dort, wo es heute noch Simultaneen gibt. "Sie werden nicht mehr aufgelöst. Man ist stattdessen stolz darauf", sagte Pfarrer Dr. Volker Wappmann erst vor kurzem, als die Gemeinde Kirchendemenreuth den 85. Geburtstag ihres Gotteshauses feierte.

Luther bezog seine Argumentation aus der Bibel als höchster Autorität. Was nicht aus der Heiligen Schrift begründbar war, galt für ihn nicht als Grundsatz des Glaubens. Und das Heil findet Luther allein im von Christus geschenkten Glauben, nicht in einem käuflichen Ablassbrief oder anderen Werken.

Damit stand er gegen die damals übliche Kirchenmeinung, fand aber beim Volk und den Herrschenden Zuspruch, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Dem Wittenberger Augustinermönch ging es nicht um Spaltung, sondern um innerkirchliche Kritik. Er heiratete die Ordensfrau Katharina von Bora, übersetzte auf der Wartburg die Bibel und prägte damit die deutsche Sprache bis heute.

Auf Luthers Ideen ausgerichtetes Handeln ist von einer großen Freiheit bestimmt. Sie gründet sich in der 1520 entstandenen Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen", deren 30 Argumente weit über das protestantische Denken hinaus Wurzeln geschlagen und Blätter getragen haben. Der Mensch ist auf der einen Seite niemandem Untertan, weil er von Gott und Christus angenommen ist. Auf der anderen Seite ist er aber jedermanns Knecht und Untertan.

Für den Weidener Dekan Wenrich Slenczka bedeutet diese doppelte Freiheit, nicht dem jeweils herrschenden Zeitgeist wie beispielsweise dem Leistungsdruck unterlegen zu sein und sich ihm unterordnen zu müssen. Sie ermöglicht die persönliche Entscheidung, Flüchtlinge als Mitmenschen zu sehen und sich nicht von Parolen überreden zu lassen. "Ich habe die Freiheit, auch Fehler zu machen, ohne Angst über das Leben zwischen Geburt und Tod hinauszuschauen, weil ich weiß, Christus nimmt mich an, auch im Misserfolg und wenn ich Fehler mache."

Slenczkas Sulzbach-Rosenberger Amtsbruder Schötz spricht von einer für heute wichtigen Erkenntnis des Wittenberger Reformators: "Jeder Mensch ist von Gott gewollt, von Gott geliebt, unabhängig von Leistung, Können und Vermögen. Darüber nachzudenken, was das für die Zukunft der Kirche und der Menschen bedeutet, dazu kann das Reformationsjubiläum helfen."

Präsenter als auf der Kanzel

Von Uwe Ibl

Luthersocken, Lutherbonbons, Playmobil-Luther. Verramschen wir den Reformator 500 Jahre nach dem Thesenanschlag? Vergessen wir, wie viele blutige Auseinandersetzungen in der Folge für die Kirchenspaltung und für unendliches Leid sorgten, und opfern stattdessen die Inhalte als Merchandisingartikel dem Kitsch und Kommerz?

Nein. Dr. Martin Luther steht mitten in unserem Leben. So wie Paulus vor 2000 Jahren auf die Marktplätze ging, quasi auf die Social-Media-Plattformen der Antike, so gehen wir heute mit unseren Möglichkeiten mit Luther um.

Die Verbreitung seiner Thesen wäre ohne die damals brandneue Erfindung von Gutenbergs Buchdruck und die Fließbandarbeit zu nennende Bildproduktion in der Malerwerkstätte von Lucas Cranach dem Älteren und seinem gleichnamigen Sohn kaum denkbar.

Auch heute nutzen wir unsere Möglichkeiten, mit Internet und bunten Überraschungen auf die befreienden Ideen und Schätze der Reformation aufmerksam zu machen.

Luther war schon immer präsenter als nur auf der Kanzel. Es ist auch heute so, dass er dort steht, wo er hingehört: mitten im Leben.

uwe.ibl@oberpfalzmedien.de

Veranstaltungen31. Oktober 2016

um 19 Uhr Festgottesdienst mit Bachkantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild" in St. Michael Weiden.

um 19 Uhr Reformationsgottesdienst in der Paulanerkirche Amberg. Es predigt der katholische Pfarrer Dr. Christoph Seidl aus Regensburg.

6. November 2016

um 9 Uhr Festgottesdienst zum Reformationstag in der Christuskirche Sulzbach-Rosenberg. Es predigt der Regensburger Dekan Eckhard Herrmann.

7. November 2016

um 18 Uhr Auftakt der "Lutherzoigl" mit Regionalbischof Hans-Martin Weiss beim "Stich'n" in Weiden.

22. Januar 2017

um 11 Uhr Gottesdienst und Neujahrsempfang "500 Jahre Beginn der Reformation" mit Regionalbischof Hans-Martin Weiss und Dr. Volker Wappmann im Rathaussaal Amberg.

19. Februar 2017

um 9.30 Uhr Gottesdienst mit Musik und Gewändern aus der Zeit Luthers in St. Georg in Plößberg.

20. Februar 2017

um 20 Uhr "Martin Luther aus katholischer Sicht" , Vortrag des Erfurter Augustinerpaters Jeremias Kiesl.

21. Februar 2017

um 19.30 Uhr musikalisches Theaterstück "Play Luther" im Haus der evangelischen Gemeinde in Weiden.

28. Februar 2017

um 19 Uhr Kabarett "Alles in Luther" im Gemeindehaus der Christuskirche Schwarzenfeld.

5. März 2017

um 10 Uhr Ausstellungseröffnung "Reiches Erbe - Lebendiger Glaube. Die Reformation in der Oberpfalz" im evangelischen Gemeindehaus Vohenstrauß. Die Schau ist in der Sparkasse sowie vom 17. bis 30. September in Floß im evangelischen Gemeindehaus zu sehen.

10. März 2017

bis Samstag, 1. April, Ausstellung "Frauen der Reformation" , in St. Michael in Weiden.

15. März 2017

um 19.30 Uhr "Was Martin Luther den Protestanten zu sagen hätte" Vortrag von Pfarrer Klaus Stolz im evangelischen Gemeindehaus Vohenstrauß.

20. März 2017

um 19.30 Uhr "Martinus Luther", Schauspiel mit Live-Musik in der Max-Reger-Halle Weiden.

2. April 2017

um 17 Uhr "Abend der Chöre" in der Christuskirche Speichersdorf.

5. April 2017

um 19.30 Uhr "Was Martin Luther den Katholiken zu sagen hätte" mit Dr. Markus Lommer aus Sulzbach-Rosenberg im katholischen Pfarrheim Vohenstrauß.

13. Mai 2017

"Reformation in Bewegung": Wanderung ab der Christuskirche Sulzbach-Rosenberg mit Heidi Himmelhuber.

22. Juni 2017

um 18.30 Uhr, "475 Jahre Reformation in der Oberpfalz" mit Professor Dr. Gury Schneider-Ludorff in St. Michael in Weiden.

1. und 2. Juli 2017

"Knockin' on Heavens Door - Wir öffnen Türen", Kreativprojekt der Evangelischen Jugend im Max-Reger-Park Weiden.

28. Oktober 2017

um 19.30 Uhr "Luther-Dinner" mit Tischrede und Musik im Chorraum von St. Michael in Weiden.

30. Oktober 2017

um 19.30 Uhr "Die Lutherischen und die Katholischen - Gedanken zur Zeit" mit Kabarettist Norbert Neugirg im Stadttheater Amberg.

31. Oktober 2017

um 12 Uhr Tischreden zum Reformationstag im Gemeindesaal der Christuskirche Sulzbach-Rosenberg.

um 19 Uhr Festgottesdienst zum Abschluss des Reformationsjahres in der Paulanerkirche und um 20.15 Uhr Vorstellung des Briefwechsels zwischen den Stadträten Ambergs und Wittenbergs im Rathaus-Saal Amberg.

Zur Feier der 450. Wiederkehr des Beginns der Reformation im Dekanat Sulzbach-Rosenberg erscheint eine etwa 30-seitige geschichtliche Broschüre mit zahlreichen Bildern von Adolf Rank. Sie wird im Dekanat und über die Gemeinden erhältlich sein.

Aus der Fülle der Veranstaltungen, Aktionen und sonstigen Angeboten in den Dekanaten Sulzbach-Rosenberg und Amberg ist hier nur eine Auswahl aufgezählt. Weitere Informationen halten die Gemeinden und Dekanate auf ihren Internetseiten, in Gemeindebriefen und Broschüren bereit. (ui)

Sulzbach-Rosenberg. In der Oberpfalz hat Luther seinen Kopf verloren. Der Reformator bemerkte davon glücklicherweise nichts. Er ist zum Zeitpunkt des Unfalls schon über 470 Jahre tot. Dem Sulzbach-Rosenberger Pfarrer Wolfgang Bruder passierte das Missgeschick mit einem roten "Lutherzwerg", den er bei Vorträgen dabei hat. "Ich habe ihn zu heftig ins Auto gesetzt. Da war der Kopf ab", schmunzelt der Geistliche.

Mittlerweile ist der Plastikkörper des Installationskünstlers Ottmar Hörl repariert, von dem Malheur sieht man nichts mehr. Bruder aber stellt sich seitdem die Frage, was Luther zu dem Vorfall wohl gesagt hätte. "Vielleicht, 'Hauptsache die Bibel ist noch in meiner Hand', mutmaßt er.
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