Der erste Schultag hat seinen Preis
Die Kosten für den Schulanfang im Überblick

Am Dienstag beginnt die Schule: Neela Baier aus Weiden ist schon ganz gespannt - und bestens gerüstet. Für die Erstausstattung haben ihre Eltern mehrere Hundert Euro ausgegeben. Es geht auch günstiger. Ein Schnäppchen aber ist der Schulstart trotzdem nicht. (Foto: Bild: Karin Wilck, Grafik: nt/az)

Der erste Schultag ist für Kinder spannend - und für Eltern teuer. Wie teuer, das variiert stark. Dass Mama und Papa über 1000 Euro in den Schulstart investieren, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Aber es geht auch weit billiger. Ein Überblick über die Erstausstattung zur Einschulung.

Alien oder Eiskönigin? Dinosaurier oder Marienkäfer? Die Ranzen-Frage zu beantworten, ist wegen der vielen verschiedenen Designs das schwierigste und kostspieligste Unterfangen für künftige Erstklässler und ihre Eltern. Cooler, glitzernder, ungewöhnlicher als andere Ranzen muss der eigene oft sein. Das kann ins Geld gehen.

"Als ich für mein erstes Kind die Schultasche im Januar kaufen wollte, musste das gewünschte Modell wegen der starken Nachfrage nachbestellt werden", erinnert sich Kerstin Olbrich, Mutter von drei schulpflichtigen Kindern und leidenschaftliche Schultütenbastlerin aus dem Landkreis Neustadt. Für derart gefragte Modelle werden 230 Euro fällig - immerhin inklusive eines Schlamper- und bestückten Federmäppchens sowie eines Turnbeutels, sagt Brigitte Roscher vom gleichnamigen Bürofachmarkt in Weiden.




Schulranzen


Es geht aber auch günstiger als 230 Euro für den geräumige Ranzen nach der Norm 58124 (stabil, wasserabweisend, gepolstert, mit Reflektoren). Nur 150 Euro kostete das ähnlich hochwertige Modell von Neela Baier aus Weiden. Der Grund: Die Siebenjährige entschied sich für ein Modell aus dem Vorjahr. Eines aus dem Vorvorjahr gibt es schon ab 100 Euro, informiert Brigitte Roscher vom Bürofachmarkt. Die günstigsten Varianten kosten um die 50 Euro, sind aber mehr Rucksack als Schultasche - oder gebraucht.

Gefüllte Schultüte


Selbermacher sind klar im Kostenvorteil. Geschnitten, geklebt, gefilzt: Da genügt mitunter ein Materialeinsatz von 10 Euro. Kindergärten oder Fachgeschäfte bieten Bastelsets an. Kostenpunkt zwischen 12,50 und 20 Euro. Wer zwei linke Hände hat, kann einen Bastelservice, wie ihn Fachgeschäfte und Privatpersonen anbieten, für 20 bis 30 Euro nutzen. Originell und im Trend: Wer die Schultüte näht, kann sie später mit Füllwatte ausstopfen und als Dekokissen verwenden. Selbermacher fahren je nach Stoffkosten recht günstig. Wer fertig kauft, zahlt um die 50 Euro für die Kuschel-Schultüte. Im Handel gibt es übliche Fertigmodelle, die ab 10 Euro aufwärts zu haben sind - ohne Füllung, versteht sich.

Für die Füllung (Süßes wie Eiskonfekt in Spitztüten eignet sich für die Spitze, Marshmallows oder Chipstüten sorgen für schöne Bäuche oben, ansonsten greifen Eltern oft zu Lego, Wecker, Lernspielen, Ohrringen, Gummi-Twist oder Geldbeutel). So kommen schnell 15 bis 50 Euro extra zusammen.

Malkasten


Bunt geht's zu in der Schule, ein Wasserfarbkasten ist Pflicht. Genauso wie Pinsel, Wasserbecher, Mallappen oder -kittel. No-name-Kasten-Produkte gibt es ab 2,50 Euro. Lehrer wünschen sich wegen der Deckkraft der Farben aber oft mehr Qualität - und die kostet: zwischen 10 und 20 Euro je nach Schattierungsanzahl für den Kasten. Pinsel & Co kosten extra.

Federmäppchen


Auch beim Federmäppchen macht's die Füllung aus: Wer keines im Ranzen-Set ergattert hat und ein leeres kauft, kann schon ab 5 Euro fündig werden. Bestückt - von Holz-, Filz- und Bleistifte über Lineal bis zum Radiergummi - kommen rasch bis zu 20 Euro zusammen. Günstiger wird's, wenn unbekannte Marken einziehen.

Unterrichtsmaterialien


Hefte, Ordner, Malblöcke, Hausaufgaben-, Sammelmappe und Stifte: Menge, Größe, Form sowie Farbe schreibt die Schule oft vor. Wer sich den Service und die Kompetenz eines Fachgeschäfts leisten kann, gibt hier die Bedarfsliste ab und holt den fertigen Einkaufskorb ab. "Da zahlen Eltern im Durchschnitt je nach Schulwünschen zwischen 100 und 150 Euro", weiß Brigitte Roscher vom gleichnamigen Fachgeschäft in Weiden. Wer Discounter-Angebote abwartet, kann - ohne Besonderheiten wie Setzkasten oder Tafel - für 50 Euro alles Nötige ergattern.

Arbeitsmaterialien


Übungshefte und ähnliches wollen viele Schulen selbst besorgen. Eltern aber zahlen dafür. Auch Kopiergeld fällt oft an. Dafür zahlen Eltern schon mal beim Schulanfang zusätzlich zwischen 20 und 50 Euro.

Sportsachen & Hausschuhe


War der Turnbeutel nicht bei der Schultasche dabei, kann einer ab 5 Euro erstanden werden. Die Sportschuhe mit heller Sohle (!) geraten mit 20 bis 50 Euro für ein Markenmodell deutlich teurer. Zudem gilt es oft, Hausschuhe fürs Klassenzimmer zu besorgen. Kostenpunkt: zwischen 10 und 40 Euro.

Brotdose


Wer auf Funktionalität, wie Trennwände zwischen Käsebrot und Apfel, auf Größe, Robustheit und Design wert legt, kann über 10 Euro für eine Brotdose ausgeben. Ab 3 Euro führt der Handel aber auch schon Dosen.

Schreibtisch und Stuhl


Freilich lassen sich Hausaufgaben auch am Küchentisch erledigen. Ergonomisch gilt das als suboptimal. Schreibtisch und -stuhl aber kosten. Für von Stiftung Warentest entsprechend gut beurteilte Markenprodukte fallen 300 Euro aufwärts für einen Schreibtisch an, ab 120 Euro gibt es den geprüften Stuhl. Discounter locken mit höhenverstellbaren Schreibtischen mit kippbarer Arbeitsfläche ab 120 Euro und Stühlen ab 50 Euro.

Kleidung


Nicht selten werfen sich Erstklässler für den ersten Schultag in Schale. Ein Sweater mit Abc-Druck, wie ihn etwa Anton Kerschbaum (6) aus Weiden am Dienstag tragen wird, kostet 20 Euro. Ein Komplett-Outfit kann mit bis zu 100 Euro zu Buche schlagen.

Wer also ein Vorvorjahresmodell bei den Ranzen mit Turnbeutel, Brotdose und Federmäppchen im Set ergattert, die Schultüte selbst bastelt, die Hausaufgaben am Küchentisch erledigt, viel im Discounter kauft und Turnschuhe sowie ein Outfit für den ersten Schultag bereits im Schrank hat, kann für unter 200 Euro die Schulkarriere starten. Das ist übrigens doppelt so viel Geld, wie der Staat Eltern bei Bedarf aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gewährt.

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