Der Überfall, der keiner war

Weiden. (ps) Eine Zeitungsente ist eigentlich eine Nachricht, die sich nach der Veröffentlichung in der Zeitung als falsch erweist. Es gibt aber auch andere Zeitungsenten. Die betreffen die Zeitung selbst und sind genauso unwahr. Eine davon geistert offenbar seit Anfang Dezember durch Floß. Dabei hat der junge Mann, der sich als Opfer schildert, viel Fantasie bewiesen.

Er hat seinen Verwandten einen vermeintlichen Raubüberfall in Rothenstadt so detailliert beschrieben, dass die keinerlei Zweifel an der Darstellung hegten. Entrüstet waren sie allerdings über etwas anderes: darüber, dass sich in der Tageszeitung "Der neue Tag" keine einzige Zeile über diesen Überfall fand, der sich angeblich am 30. November nachts an der Hauptstraße in Rothenstadt ereignet hatte.

Die Details, mit denen der junge Mann Ende 20 seine Verwandten von seiner Opferrolle überzeugt hatte: Er hat an jenem Montag gegen 22 Uhr an einem Geldinstitut in Rothenstadt 7.000 Euro abgehoben. Beim Rausgehen wurde er von hinten gepackt. Ein Autofahrer kam ihm zu Hilfe. Gemeinsam rissen Sie dem Täter die Jacke runter. Darin befanden sich Geldbeutel und Ausweis. Der Täter, ein polizeibekannter Russe, konnte entkommen.

Sie meinen, so viele Details kann man gar nicht erfinden? Offenbar doch. Denn bei der Polizeiinspektion Weiden ist nach Auskunft von Pressesprecher Günther Burkhard kein derartiger Fall bekannt. Dabei will das angebliche Opfer den Überfall aber angezeigt haben. Die lag auch in dieser Woche noch nicht vor. Deshalb fand sich auch im "Neuen Tag" keine Zeile darüber.

Die Verwandten waren entrüstet. Einer fragte per Mail beim NT an: "Sind Sie so schlecht informiert, oder halten sie wieder einmal solche Nachrichten fern, weil hier ,nicht deutsche Mitbürger' beteiligt waren (zumindest einer)?" In Floß werde dies mittlerweile groß diskutiert. Er fügte hinzu: "Sollte ich den Artikel übersehen haben oder sollte der Vorfall nicht so geschehen sein, bitte ich um Nachsicht."

Nun, da müssen wir wohl nachsichtig sein. Denn nach unserer Recherche hat es diesen Überfall nicht gegeben. Jedenfalls ist den offiziellen Stellen nichts bekannt. Sollte es doch ein Opfer geben: Bitte melden. Wir berichten natürlich darüber.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.