Der Verein Calendula forciert das Thema Mehrgenerationen-Wohnen
Hilfe wohnt nebenan

Sabine Schütte setzt sich als Vorsitzende des Vereins "Calendula" für ein Projekt Mehrgenerationen-Wohnen in Weiden ein. Bild: Otto

Zusammen ist man weniger allein: So könnte man das Projekt überschreiben, für das sich der Verein "Calendula - Jung und Alt wohnen gemeinsam in Weiden" einsetzt. Das geplante Mehrgenerationen-Wohnen hat bereits viele Anhänger. Jetzt fehlt nur noch ein Grundstück.

(otj) "Ich habe schon während des Studiums in einer WG gewohnt, das habe ich sehr geschätzt", sagt Sabine Schütte, Vorsitzende von "Calendula". Das eher studentische Wohnkonzept habe es nicht gegeben, als sie in Weiden einen neuen Lebensmittelpunkt suchte. Dabei sei sie auf den Verein gestoßen. Seitdem mischt sie mit.

"Calendula" ist ein Gegenentwurf zur wachsenden Anonymisierung und Isoliertheit, auch und gerade bei älteren Menschen. Senioren können so lange in der eigenen Wohnung leben, auch wenn die eine oder andere Aufgabe zunehmend schwerer wird - die Hilfe wohnt nebenan.

Wahlverwandte im Haus


Aber auch junge Familien, die beruflich eingespannt sind, können profitieren. Die Tages-Oma ist nur ein paar Schritte von der vertrauten Umgebung entfernt. Win-Win-Situationen nennt man solche "Wahlverwandtschaften" in der Wirtschaft.

Ein strenges Regularium für diese Art der Aufgabenteilung soll es zwar nicht geben. "Aber natürlich muss das System einerseits auf Freiwilligkeit aufbauen, die Hilfsleistungen müssen aber andererseits verbindlich organisiert werden", erklärt Sabine Schütte. Die Idee dahinter ist klar: Quid pro quo. Gegenseitige Hilfe und gemeinschaftliches Leben - aber mit der Möglichkeit, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen.

Nicht jeder ist für diese alternative Wohnform geschaffen. Wichtigste Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben sind Offenheit, Kompromissfähigkeit und Neugierde. Gleichzeitig gibt es gemeinsame Regeln zu befolgen, um Konflikte zu vermeiden und - wenn sie auftreten - fair zu lösen.

Die Jüngsten zögern noch


Nach den Plänen des Vereins soll in Zukunft in Partnerschaft mit der Fides Wohnungsbau e.G. eine Wohnanlage mit 18 bis 24 Wohnungen entstehen - aufgeteilt in voraussichtlich zwei Häusern, verbunden durch einen Gemeinschaftsraum mit Terrasse. Zentral soll das Objekt gelegen sein, barrierefrei, mit Garten und Tiefgarage.

Die Bewohner sollen sich aus drei gleich besetzten Altersgruppen zusammensetzen: jeweils eine Gruppe von 20 bis 40 Jahren, eine von 40 bis 60 Jahren und eine über 60 Jahren. Die Nachfrage ist groß. "Nur die jüngste Gruppe ist noch ein bisschen zögerlich", erklärt Sabine Schütte.

Zur Finanzierung von 40- bis 100- Quadratmeter-Wohnungen bieten die Macher drei Modelle an: Kauf, Beteiligung oder zur Miete. Was dem Projekt momentan aber am meisten fehlt, ist das passende Grundstück. "Drei Optionen hatten wir bisher. Die haben sich aber leider zerschlagen." So geht die Suche weiter nach dem perfekten Grundstück für das Wohnen mit der Wahlverwandtschaft.
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