Der Wald grünt so grün wie seit Jahren nicht mehr
Wenn der Regen gut tut

Heute würde Ulrich Schubert im Wasser stehen, im Juli 2015 war der Pegel des Haidweihers bei Amberg aber fast einen Meter niedriger (kleines Bild). Im Juli 2016 trainieren Wassersportler. Sogar Turniere können abgehalten werden. Die ergiebigen Regenfälle der vergangenen Woche haben dafür gesorgt, dass sich die Gewässer allerorten erholt haben. Bilder: Hartl (2)

Der regenreiche Sommer nervt zwar viele Menschen, entspannt jedoch die Natur. Der Wald grünt so grün wie seit Jahren nicht mehr. Die üppigen Niederschläge speisen Bäche und Flüsse, - und füllen vor allem die tief gefallenen Grundwasser-Speicher wieder auf. Zumindest teilweise.

Weiden/Amberg. Die wechselhaften Wetterlagen holten - bei mittelprächtigen Temperaturen - bisher Freibäder und Freiluft-Schauspiele, Biergärten und Sonnenanbeter in die feuchte Realität zurück. "Aber alles wächst, grünt und gedeiht. Der Wald atmet durch", freut sich Klaus Bichlmaier. Der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach (Staatsforsten) beobachtet mit Genugtuung, wie sich die bis in zwei Meter Tiefe "weitgehend leeren" Bodenspeicher wieder füllen.

Sein Kollege Stefan Bösl, Chef des Forstbetriebs Flossenbürg, sieht die von Fachleuten prognostizierte Borkenkäfer-Invasion vorerst gebannt. Die ausreichend mit Wasser versorgten Bäume können wieder Harz bilden und sich damit gegen den Schädling wehren. "Die Gefahr ist jedoch nicht ganz ausgestanden", verweist Bösl auf die kritische Phase von Ende Juli bis Anfang August. Vorsorglich bildete er für den Notfall eine "Taskforce" gegen den Käferbefall. Nach der Einschätzung von Forstbetriebsleiter Bösl sind die Grundwasser-Horizonte noch nicht vollständig aufgefüllt: "Wenn die Niederschläge mal ausbleiben, lässt die Schüttung der Bäche sofort nach."

Der Vorsitzende der Waldbesitzer-Vereinigung Eslarn-Vohenstrauß, Hans-Peter Lang, hofft sogar auf eine Fortdauer der feuchten Witterung: "Eigentlich müsste der Regen noch zulegen. Die Natur saugt die Niederschläge regelrecht auf."

Flüsse noch mäßig warm


Dr. Hans Weiß vom Wasserwirtschaftsamt Weiden (zuständig für die mittlere und nördliche Oberpfalz) betont: "Im Vergleich zu den Niedrigstwerten im vergangenen Jahr bewegen sich die erholten Grundwasserstände derzeit fast durchweg noch auf einem mittlerem Niveau." Was heißt, dass der Stand vor der Trockenperiode 2015 noch nicht erreicht ist. Aktuell führen alle Flüsse in der Region - von der Naab über die Schwarzach bis zur Vils - ausreichend Wasser: Im Gegensatz zum Sommer 2015 mit immer neuen Niedrigstwerten. Auch die Temperaturen liegen im Normalbereich. So misst die Haidenaab beim Pegel Wildenau knapp 19 Grad; die Waldnaab beim Pegel Windischeschenbach und die Vils in Schmidmühlen sind rund 18 Grad bzw. 17 Grad kühl; der Zottbach bei Lohma plätschert bei etwas mehr als 15 Grad dahin. Im Vorjahr heizten sich die Oberpfälzer Flüsse regelrecht auf, die Temperaturen erreichten teilweise 25 Grad und mehr.

Gelassen verfolgt der Geschäftsführer der Steinwald-Gruppe, Bernd Eigner, das Wetter: Seine bei Öd und Neuersdorf gelegenen Brunnen reichen bis in eine Tiefe von 160 Meter hinab. Als einer der größten Trinkwasserversorger in der Region - vom Landkreis Tirschenreuth bis zum nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach - beliefert die Steinwald-Gruppe inzwischen 34 Gemeinden. Der Trinkwasser-"Ausstoß" stieg sogar von 1,280 Millionen Kubikmeter im ersten Halbjahr 2015 auf 1,367 Millionen Kubikmeter im gleichen Zeitraum dieses Jahres: Weil noch ein weiterer Abnehmer, nämlich der Wasser-Zweckverband Mantel-Weiherhammer, hinzukam.

Schreckens-Meldungen, dass der niederschlagsreiche Sommer den Bienen arg zusetzt, widerspricht der Imker-Vater des Bienenzuchtvereins Amberg, Karl Süß. "Für weniger Honig-Ertrag sind nur die ausgeräumten, sterilen Fluren verantwortlich, nicht das Wetter." Maisanbau, gemähte Rasen, gemulchte und geflieste Gärten sorgten für ein grün-braun-graues Einerlei. So liege im ökologisch ausgerichteten Lehr-Bienen-Garten in Aschach bei Freudenberg die Honig-Ernte deutlich höher als an seinem Wohnort Schwarzach: "Obwohl sich hier das Wetter nicht nennenswert unterscheidet."

Der Wald atmet durch.Klaus Bichlmaier, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach


Für weniger Honig-Ertrag sind nur die ausgeräumten, sterilen Fluren verantwortlich, nicht die Regenfälle.Karl Süß, Kursleiter und Imker-Vater des Bienenzuchtvereins Amberg.


Neuer SchädlingErstmals tritt der Eichenprozessionsspinner überhaupt in der Oberpfalz auf. "Er kommt ansonsten nur in wärmeren Gebieten vor", erklärt Klaus Bichlmaier, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach. Der Schädling suchte vor allem den Raum Amberg-Sulzbach heim. Wegen der "stark allergenen" Raupen musste zwischenzeitlich sogar ein Kinderspielplatz in Amberg gesperrt werden. Der Forst rückte gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners mit einer Art "Staubsauger" an. (cf)
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