Deutsche schmuggeln 5100 Böller aus Tschechien ein
Importierte Gefahr

Bild: Götz
 

Weiden/Amberg. Zwei Deutsche wollten es zum Jahreswechsel richtig krachen lassen. In Tschechien haben sie sich mit fast 5100 Feuerwerksköpern eingedeckt. Jetzt müssen sie es ruhiger angehen lassen, denn das Hauptzollamt Regensburg beschlagnahmte die illegale Ware.

Der Versuchung, billige Böller im Ausland zu kaufen, konnten viele nicht widerstehen. Insgesamt seien es im Jahr 2015 bisher rund 25.000 Stück gewesen. "Allein in zwei Tagen haben wir bei den Kontrolleinheiten Selb, Waidhaus und Furth im Wald circa 7000 Stück sichergestellt", bilanziert Michael Lochner vom Hauptzollamt Regensburg. Auf eine große Nachfrage hoffen auch Einzelhändler in Bayern. Sie wollen den Spitzenumsatz von 20 Millionen Euro aus dem Vorjahr überbieten.

Gehaltvolle Knaller


Deutsche und ausländische Raketen unterscheidet nicht nur der Preis, sondern auch ein Gütesiegel. "In einem Prüfverfahren untersuchen wir unter anderem den Schwarzpulvergehalt der Raketen, dann bekommen sie Identifikationsnummern", so Dietrich Eckhardt, Leiter des Fachbereichs für Explosionsstoffe der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM).

Der zulässige Wert dieses Schießpulvers liegt in Deutschland zwischen 500 und 2000 Gramm, bei kleinen Knallkörpern nur zwischen zwei bis sechs Gramm. Billig-Feuerwerke dagegen enthalten meist mehr von dem explosivem Stoff und können deshalb eine 50 mal größere Sprengkraft haben.

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz warnt in diesem Zusammenhang nicht nur vor Verbrennungen: Explodieren Knaller in weniger als zwei Metern Nähe mit einer Lautstärke von bis zu 160 Dezibel, belaste dies das Gehör. Dieser Wert entspreche in etwa dem eines Presslufthammers.

Ein Risiko birgt auch die Lunte der Feuerwerkskörper. "Sie müssen eine Brenndauer von drei bis acht Sekunden haben", erläutert Eckhardt. Solange bleibe nach dem Anbrennen der Zündschnur Zeit, sich von den Böllern zu entfernen. Bei illegaler Ware aber sei der Zeitpunkt der Explosion schwer einzuschätzen.

Stefan Hartl vom Polizeipräsidium Oberpfalz sieht nicht unbedingt in den importieren Böllern das größte Problem. "Die Zahl der sichergestellten Knaller ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben." Sorgen mache er sich eher wegen des Alkohols, der an Silvester fließe. Angetrunken unterschätzen viele die Gefahren der Knallkörper und werden leichtsinnig.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) plädiert dafür, auf Knallkörper zu verzichten. Die Schießerei führe zu einer Umweltbelastung und beunruhige die Tiere. Laut dem Naturschutzbund ist in Berlin sogar ein Biber wegen einer Böllerattacke gestorben. Der Knall habe das Trommelfell des Tieres zerrissen.

Schäden des Gehörs, der Augen oder Verätzungen können auch Menschen treffen. Die Zahl der Unfälle gehe zwar laut Florian Sänger, leitender Oberarzt des Amberger Klinikums St. Marien, zurück. "Trotzdem behandeln wir an Silvester die ein oder andere Brandverletzung." Um die Unfallzahl möglichst gering zu halten, hat die Stadt Nürnberg für den 31. Dezember Einschränkungen erarbeitet. So dürfen Feiernde im Bereich der Burg keine Böller zünden.

Sicher feiern


Wer auf ein Feuerwerk nicht verzichten will, sollte die Kracher genau anschauen. Tragen sie das BAM-Kürzel und eine CE-Kennzeichnung, steht der Knallerei nichts im Wege. Andernfalls sollten Verbraucher die Finger davon lassen. Nicht nur der Gesundheit zuliebe, betont Hartl. "Fehlt das Prüfsiegel, macht man sich strafbar." Schon der Besitz sei ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Für einen guten StartUm Neujahr nicht in der Notaufnahme verbringen zu müssen, geben das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und die Axa-Versicherung folgende Ratschläge:
  • Nur geprüfte Feuerwerkskörper verwenden, die am CE und BAM-Zeichen zu erkennen sind.
  • Kinder immer beaufsichtigen.
  • Niemals Böller auf Menschen, Tiere oder Autos werfen.
  • Böller niemals selbst basteln oder verändern.
  • Feuerwerkskörper niemals in der Hand, sondern auf dem Boden zünden.
  • Böller nicht nahe am Körper aufbewahren.
  • Vor dem Zünden die Gebrauchsanweisung lesen und den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einhalten.
  • Raketen und Knaller nur im Freien zünden, Tischfeuerwerke müssen explizit für Wohnräume zugelassen sein.
  • Blindgänger kein zweites Mal zünden, sondern später aufsammeln und in Wasser entsorgen.
  • Fenster und Türen schließen.
  • Raketen senkrecht abschießen und auf genügend Abstand zum Feuerwerk achten.
  • In lärmempfindlichen Zonen oder in der Nähe von Krankenhäusern und Altersheimen sind Feuerwerke tabu.
  • Raketen, Böller und Kracher dürfen privat nur am 31. Dezember und 1. Januar gezündet werden.
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