Die Geschichte als Erlebnis

Pater Tigi Thanniel (Bildmitte) erteilte im Beisein von Bürgermeister Alois Böhm (links) und Stellvertreter Franz Grabinger (Dritter von rechts) sowie stellvertretendem Landrat Joachim Hanisch (rechts) und der Vorsitzenden des Johannivereins, Sabine Stangl (Zweite von rechts) dem neuen Dokumentationszentrum "Slawische Siedlung" den kirchlichen Segen. Bilder: ohr (2)
 
Bürgermeister Alois Böhm (rechts) bedankte sich bei Privatdozent Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg für den Fachvortrag "Die Oberpfalz und ihre Nachbarregionen im frühen und hohen Mittelalter" und überreichte als Anerkennung das Wappen der Gemeinde Schwarzach in Gold.

Heimatpfleger Heinrich Schwarz aus Altfalter stieß 1985 in der Nähe von Dietstätt auf Tonscherben. Die Forschungsgrabungen auf diesem Acker brachten Spuren menschlicher Besiedlung aus dem siebten bis neunten Jahrhundert zutage. Daraus entstand ein Dokumentationszentrum mit dem Titel "Slawische Siedlung", das nun den kirchlichen Segen erhielt.

-Weiding. Auf der Johannihütte in Weiding leitete Zweiter Bürgermeister Franz Grabinger die Eröffnungsfeier ein. Er würdigte Ersten Bürgermeister Alois Böhm als "den geistigen Vater und Motor dieses Projektes" und gab eine Kurzbeschreibung der Ausstellung. Sie präsentiere die Spuren menschlicher Besiedlung im Schwarzachtal von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit mit dem Schwerpunkt der slawischen Siedlungstätigkeit. Auch die Forschungsgrabungen werden dargestellt.

Europa zahlt mit


Das Schild an der Außenfassade des Dokumentationszentrums mit der Aufschrift "Hier hat Europa in die ländlichen Gebiete investiert" verweise stellvertretend auf die öffentliche Förderstellen und schließe auch die privaten und gewerblichen Unterstützer mit ein. Im Anschluss erteilte Pater Tigi Thanniel dem Ausstellungsraum den kirchlichen Segen.

Ein Vierteljahr nach Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister 2002 waren bei einer Begehung die ersten Eindrücke eher wenig spektakulär, erinnerte Alois Böhm. Aufgetürmte Humushalden sowie dunkel eingefärbte Flächen waren in der abgezogenen, hellbraunen Kulturschicht zu beobachten. "Erstes Licht in das Dunkel brachten dann die anschaulichen Erläuterungen der Grabungsleiter Professor Dr. Erik Szameit und von Privatdozent Professor Dr. Hans Losert", berichtete der Bürgermeister. Durch interessante Aufschlüsse der Wissenschaftler kam langsam eine gewisse Begeisterung auf. Sie übertrug sich auch auf die Bewohner aus den umliegenden Dörfern. Im Laufe der Grabung kamen Keramikscheiben mit eingeritzten Wellenbändern und Metallteile bis hin zu Glasperlen als Fundstücke zum Vorschein. Durch die anschaulichen Erläuterungen der beiden Grabungsleiter wuchs das Interesse der Ortsbewohner und so wurden aus der Geschichte "erlebbare Geschichten".

Begeisterungsfähiger Verein


Die Weidinger gründeten den "Johanniverein zur Förderung der Dokumentation der slawischen Besiedlung im Schwarzachtal" mit Vorsitzender Sabine Stangl. Auch reifte der Entschluss, für die Unterbringung der Ausstellung einen eigenen Anbau in die Johannihütte zu integrieren. Dank großzügiger Förderung und der enormen Arbeitsleistung der Weidinger aus der Altgemeinde konnte der Anbau zügig erstellt und bis 2015 eingerichtet werden. MdL und stellvertretender Landrat Joachim Hanisch sprach allen Mitwirkenden den Dank aus. MdL Franz Schindler sprach von einem neuen Highlight im Landkreis, das sicherlich auch Touristen anziehen werde.

Mit der Powerpoint-Präsentation "Die Oberpfalz und ihre Nachbarregionen im frühen und hohen Mittelalter" - ein österreichisch-deutsches Forschungsprojekt - zeigte Privatdozent Dr. Hans Losert Parallelen zu weiteren Grabungsstätten auf. Die Bergung eines Brunnens - die dendrochronologische Auswertung der wendeten Hölzer datiert ihn auf 765 - beschrieb er als Höhepunkt der Grabungsarbeiten.

Die lange Dankesliste von Bürgermeister Alois Böhm verkörperte die enorme Gemeinschaftsleistung, die hinter der Errichtung des Dokumentationszentrums "Slawische Siedlung" steckt. Als Anerkennung für ihren engagierten Einsatz konnte Fördervereinsvorsitzende Sabine Stangl aus den Händen des Zweiten Bürgermeisters Franz Grabinger einen Blumenstrauß entgegennehmen. "Schaut's die Ausstellung an! Sie ist ein schönes Werk geworden": Mit diesem Schlusssatz traf Ortsheimatpfleger Heinrich Schwarz - seit 31 Jahren in diesem Ehrenamt - den Nagel auf den Kopf.
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