Die richtige Mischung macht's

Viele junge Menschen nehmen heute nicht mehr den klassischen Weg an die Hochschule über das Gymnasium, sondern entscheiden sich für die praxisorientierte Berufliche Oberschule (FOS/BOS). In der Oberpfalz können sie jetzt von neuen Ausbildungsrichtungen profitieren.

An der Beruflichen Oberschule in Weiden gibt es seit Schuljahresbeginn die neue Ausbildungsrichtung "Internationale Wirtschaft". 62 Schüler der FOS (Fachoberschule) und 20 der BOS (Berufsoberschule, sie setzt eine berufliche Ausbildung voraus) haben sich im laufenden Schuljahr dafür entschieden. "Die Ausbildungsrichtung ist damit auf Dauer gesichert", freut sich Schulleiterin Gabriele Dill.

Weiden ist "international"

"Das Angebot an Praktikumsstellen zeigt uns, dass hier auch vonseiten der Arbeitgeber großes Interesse besteht." Charakteristisch für die neue Ausbildungrichtung sind die sprachlichen Schwerpunkte: "Das Fach ,International Business Studies' wird bilingual angeboten. Auch die Lehrkraft für Wirtschaftsinformatik unterrichtet in englischer Sprache", lässt die Pädagogin wissen. Zwingend ist es auch, eine zweite Fremdsprache zu belegen. In Weiden ist dies Spanisch oder auch Französisch, als sogenannte fortgeführte Fremdsprache. Das hat einen weiteren Vorteil: Wollen die Schüler nach dem Erwerb der Fachhochschulreife am Ende der 12. Klasse ein weiteres Jahr an der Schule bleiben, so erwerben sie mit Bestehen der Jahrgangsstufe 13 automatisch die "allgemeine Hochschulreife", das Abitur. Somit stehen ihnen alle Studienwege offen.

Schwandorf ist "bio"

An der Fachoberschule in Schwandorf wird in diesem Schuljahr zum ersten Mal die Ausbildungsrichtung "Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie" angeboten. "Damit sind wir der erste und einzige Standort in der gesamten Oberpfalz", freut sich Dr. Michael Völkl, der stellvertretende Schulleiter. "An sich gibt es diesen Bildungsgang in Bayern bereits seit den 70er Jahren. Lange Zeit hieß die Ausbildungsrichtung schlicht ,Agrarwirtschaft', was allerdings eher irreführend ist, da der Bereich Landwirtschaft nur ein möglicher Einsatzbereich unter vielen im Rahmen des Berufspraktikums in der 11. Jahrgangsstufe ist." Der Unterrichtsschwerpunkt der neuen Ausbildungsrichtung liegt, neben den allgemeinbildenden Fächern, in den Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik.

Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Ausbildungsgang sind positiv: "Den Schülerinnen und Schülern gefällt vor allem das Arbeiten in den naturwissenschaftlichen Praktika an der Schule. Die hervorragende Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachräume der Beruflichen Oberschule Schwandorf erlaubt ein hohes Maß an Selbsttätigkeit, was die jungen Menschen sehr zu schätzen wissen."

Bei der fachpraktischen Ausbildung gelang es, schon im ersten Jahr des Bestehens namhafte Unternehmen als Partner zu gewinnen. "In diesem Zusammenhang sind beispielsweise ,Schmack Biogas', ,Horsch Landmaschinentechnik' oder der Global Player ,Thermo Fisher Scientific' zu nennen", freut sich Völkl. "Viele Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, der Gen- und Medizintechnik sind sich bewusst, dass die Gewinnung von qualifizierten Fachkräften nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen erfolgen kann, die ein quasi maßgeschneidertes Bildungsangebot liefern."

Regensburg ist "gesund"

Positive Erfahrungen mit einer neuen Ausbildungsrichtung hat auch Karl-Heinz Kirchberger gemacht, Schulleiter der Beruflichen Oberschule in Regensburg. An der Fachoberschule wird dort bereits seit dem Schuljahr 2013/14 der Schwerpunkt "Gesundheit" im Schulversuch angeboten. Mit Erfolg: "Die Schüler sind sehr motiviert und sehen das als Chance für ihre Berufswahl." Kirchberger freut sich über rund 170 Schüler, eine Zahl, die allerdings das Angebot an der Berufsoberschule mit einschließt. Dort steht diese Ausbildungsrichtung in diesem Schuljahr erstmals zur Wahl.

Neben den klassischen allgemeinbildenden Fächern stehen spezifische Wissensgebiete auf dem Stundenplan, wie etwa "Gesundheitswissenschaften" und "Interaktion und Kommunikation". "Damit sollen die Schüler beispielsweise darauf vorbereitet werden, wie man Patientengespräche führt", klärt der Schulleiter auf. Wert gelegt wird aber insbesondere auch auf die Fächer Chemie und Biologie.

Je nachdem, mit welcher Hochschulberechtigung der Schüler die Berufliche Oberschule abschließt (Fachhochschulreife, fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife) stehen nach dem Schulabschluss dann Studienfächer wie etwa Gesundheitsmanagement, Pharmazie, Ökotrophologie oder selbst Medizin zur Wahl.
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