Die scheidende Sommerserenaden-Organisatorin Sigrid Schneider im Interview
„Meine schönste Aufgabe“

Sigrid Schneider (links) bei der Arbeit. In diesem Fall beim Auftritt von Johnny Gold im Max-Reger-Park 2013. Gut, nur aus Feiern bestand ihre Tätigkeit als Organisatorin der Sommerserenaden nicht. Aber unterm Strich, sagt sie im Interview zum Ende ihrer letzten Saison, war es die schönste Aufgabe in ihrem Berufsleben. Wobei das anfangs noch ganz anders aussah. Bild: Wilck

Noch ein paar Stunden bis zum Finale. Und der Himmel ist mal wieder grau. Keine optimalen Vorzeichen für die "Italienische Nacht". Die letzte Sommerserenade der Saison ist zugleich die letzte, die Sigrid Schneider organisiert hat. Vor ihrem Abschied zieht sie Bilanz - und ist noch immer mittendrin in der Arbeit.

Seit der Saison 2008 hat sich Sigrid Schneider im Auftrag der Stadt um Künstlerauswahl und das ganze Drumherum bei den Serenaden gekümmert. Sie war damals vom OB-Vorzimmer ins Kulturamt gewechselt. Künftig wird Gertrud Wittmann die Aufgabe übernehmen. Denn die 60-jährige Sigrid Schneider will sich im Herbst 2017 in den Ruhestand verabschieden. Am Nachmittag vor ihrer letzten Serenade mit "I dolci Signori" zieht sie in ihrem Büro eine persönliche Bilanz.

Frau Schneider, wissen Sie noch, was 2008 als erstes Lied unter Ihrer Verantwortung gespielt wurde?

Sigrid Schneier: (überlegt länger, lacht) Nein, das kann ich gar nicht mehr sagen.

War das für Sie gar nicht so einschneidend?

Nicht so ganz. Die erste Saison hat eigentlich holprig begonnen. Ich hab' ja selber erst gedacht: Oh Gott, die Sommerserenaden, was mache ich denn jetzt damit? Ich wusste nicht, was bei den Besuchern gut ankommt, musste mich selber orientieren.

Mit welchem Ergebnis?

Na ja, an das Eröffnungskonzert der zweiten Saison kann ich mich gut erinnern. Das war mit dem Ballhausorchester. Ich denke, die Musikauswahl ist insgesamt besser angekommen als anfangs. Ich habe gelernt, dass die Mischung wichtig ist. Die Musik darf nicht zu ruhig, zu klassisch sein. Sondern sie muss auch Pep haben. Und es ist wichtig, viele verschiedene Richtungen zu haben: Jazz, Rock oder Volksmusik. Aber auch Ballett. Die Leute wollen nicht nur was hören, sondern auch was sehen.

Wie viel von Ihrem eigenen Geschmack ist in der Auswahl?

Ich entscheide schon auch danach, was mir gefällt. Aber das Wichtigste ist, was das Publikum mag. Ich selber bin zum Beispiel kein großer Country-Fan. Aber es gibt ganz viele, die lieben das. Also gehört das auch zu den Serenaden.

An Ihrer Mischung gibt es trotzdem immer wieder Kritik.

Wir nehmen Wünsche, Kritik schon ernst. Wir sind auch dankbar dafür. Aber manches, zum Beispiel neulich in einem Leserbrief, ist einfach nicht konstruktiv. Es kann sich ja jeder aussuchen, welche Veranstaltung er sich anhört.

Eine Ausnahme sind die Anwohner. Die hören alle Serenaden - und haben sich öfter über Lärm beklagt.

Es hat seit drei Jahren keine Beschwerden mehr gegeben. Wir haben uns damals zusammengesetzt und eine gemeinsame Linie gefunden: Es wurde leiser und es gibt weniger Serenaden. Ich denke, das hat ganz gut geklappt. (Das Telefon klingelt. Jemand will wissen, ob die "Italienische Nacht" trotz des grauen Himmels auch wirklich steigt. "Findet statt", erklärt Sigrid Schneider dem Anrufer.) Das geht schon den ganzen Tag so.

Wie oft haben Sie denn heute selbst schon die Wetterprognosen angeschaut?

Bestimmt 30 Mal. Das Wetter abzuschätzen, ist immer das Schwierigste. Das habe ich auch erst lernen müssen. Einmal, als 2011 die "Cavern Beatles" auftreten sollten, war es ganz ungewiss. Wir haben sogar einen Krisenstab eingerichtet. Und dann kurzfristig entschieden, doch im Park aufzubauen. Das Wetter hat dann wirklich gehalten - bis zum Ende des Konzerts. Gleich danach hat es geschüttet. Das grenzt schon an ein Wunder. Trotzdem: In all den Jahren sind weniger als zehn Konzerte ausgefallen. Eigentlich war es nur heuer wirklich problematisch.

Für die "Cavern Beatles" hätten Sie die Max-Reger-Halle in der Hinterhand gehabt. Bei anderen Bands gibt es die Alternative nicht. Wonach entscheiden Sie, ob Sie notfalls in die Halle ausweichen?

Profis wie "I dolci Signori" unterschreiben nur Verträge, bei denen sie die Gage bei jedem Wetter kriegen. Deshalb schauen wir schon bei der Planung, ob bei ihren Auftritten auch die Halle oder das Vereinshaus frei wären. Diese Optionierung kostet zum Glück noch nichts. Bei allen geht das aber nicht. Schon allein, weil es dann kostet, wenn wir die Räume tatsächlich brauchen.

Apropos Geld: An den Serenaden sind die Sparbemühungen der Stadt auch nicht spurlos vorübergegangen. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der Reihe?

Nein, das ist eine Sache der Organisation. Inzwischen helfen uns dabei ja viele Gastronomen, weil sie von den Serenaden auch profitieren. Und wir verteilen beim Publikum gegen Spenden unsere Herzen. Heuer schon über 1500. Die Leute tragen das. Deswegen bin ich überzeugt, dass es die Serenaden auch die nächsten 30, 50 Jahre geben wird. Wenn eine Stadt so etwas hat, kann man das ja nicht aufgeben.

Sie selbst geben die Serenaden jetzt aber ab.

(Sigrid Schneider holt vom Schreibtisch zwei Fotos mit Serenaden-Publikum hervor.) Wenn ich mal in der Arbeit einen nicht so guten Tag habe, dann schau ich mir das an - und schon geht's mir besser. Wenn man sieht, wie das von den Besuchern angenommen wird, wenn sie mit dem Fahrrad oder dem Rollator, mit der Picknickdecke oder mit ihren Kindern kommen: Das ist einfach schön.

Wie gesagt: Der Anfang war holprig. Aber jetzt muss ich sagen, das war meine schönste berufliche Aufgabe überhaupt.
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