Die Welt der Modetrends - Was früher das Tagebuch in Handschrift war, ist heute ein Blog
Stil, Style und Fashion-Blogs

Fashion Week
In der Modewelt hat nur eine das Sagen; Die berühmt-berüchtigte Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour. Neben ihr sitzen heute jedoch viele junge Frauen und Männer bei den größten Modenschauen in New York, London, Paris oder Mailand in der ersten Reihe. Was sie dort machen? Sie bloggen, twittern und schreiben über die neuesten Trends und Hits der ganz großen Designer. Die Anzahl der Blogger in der Modewelt ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Nicht nur in den Großstädten, sondern auch in unserer Region sind mittlerweile viele Fashion-Blogger zu finden.

René Schwabe, Director für Sales und Marketing vom redaktionellen Modeportal Styleranking in Düsseldorf, bestätigt diese dynamische Entwicklung. Das Portal berichtet über Modetrends,Star-Outfits, Designerkollektionen, Label-News, Streetstyles und Fashionblogs. Sie organisieren außerdem regelmäßig Bloggertreffen. Einige Blogger konnten sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland einen Namen machen, betont er. Auch viele junge Mädels deutschlandweit haben die Fashionwelt erobert und die Modeblogs als ihr neues Hobby entdeckt. Schwabe kritisiert, dass die Qualität in solchen Blogs oft zu wünschen übrig lässt. Bereits bei der Rechtschreibung hapert es schon. Viele verlieren dadurch auch ihre Glaubwürdigkeit.


Laufstege: Das Herz der Modewelt. Bild: dpa

Blog ersetzt Tagebuch


Fashion-Blogger nehmen Modetrends in ihren Webblogs auf, verbreiten sie und reflektieren darüber. Was früher das gute alte Tagebuch in Handschrift war, ist heute ein Blog. Digital und für jeden zugänglich gibt es sie nahezu zu jedem Thema. Anders ist vor allem, dass das Internet auf Kommunikation und Dialog ausgelegt ist. Fashion-Blogger schreiben in ihrer individuell gestalteten Web-Präsenz Gedanken zu Accessoires und Kleidung nieder, posten Fotos, Videos und reflektieren über Modetrends. Sie sind heute das Organ der Mode. Sie sind aber auch Meinungsbildner. Was nahezu alle wünschen: Dialog und Austausch. Die Leser haben nämlich die Möglichkeit, die Posts und Beiträge zu kommentieren. Über Tipps und Ratschläge freuen sich also nicht nur die Leser, sondern auch die Blogger selbst. Fashion-Blogs dienen der Inspiration auf beiden Seiten.

Die Blogger laufen nicht allen Neuheiten hinterher. Sie versuchen Trends zu identifizieren und zu filtern - eine Mischung aus ihrem individuellen Look und den modernsten "Fashion-Its" zu finden. Diese Vermischungen ergeben neue Styles.

Viele Blogger kombinieren auch Designerteile mit Kleidung aus Secondhand-Läden. Es muss nicht immer filigraner Schmuck aus echtem Silber oder Gold sein. Auch preiswerter Modeschmuck tut es. Er pimpt das Outfit, wertet es auf. Dadurch soll vermittelt werden, dass modische Kleidung nicht immer teuer sein muss.

Genau diese Devise verfolgt auch Dana Lohmüller aus Köln. Sie ist ein Frischling in der Fashion-Blogger-Welt. Die Kölnerin hat erst vor rund eineinhalb Wochen ihren Blog nach monatelanger Arbeit online gestellt.


Dana Lohmüller. Bild: privat

Die Studentin verfolgt ein klares Ziel: „Ja - zu erschwinglichen Labels und Schnäppchen in guter Qualität. Nein - zu sündhaft teuren Designerteilen." Genau nach diesen Kriterien sucht sie ihre Kleidung und Accessoires aus. "Es gibt so viele wunderschöne Sachen, die nicht teuer sind, dass ich mich oft kaum entscheiden kann. Ich liebe es im Sale einzukaufen und kündige Sale-Starts immer in meinem Twitter-Account an, damit meine Leser sofort mit mir auf Schatzjagd gehen können", freut sich Lohmüller über die gefundenen Schnäppchen.
"Trends nicht das A und O - Klamotten und Accessoires müssen zum Typ passen"

Tanja Thurn aus Kulmain war bis vor kurzem ebenfalls Modebloggerin. Besonders wichtig findet die 19-Jährige, dass die Klamotten und Accessoires zum Typ passen müssen. "Modetrends sind nicht das A und O. Wieso sollte man denn einen Mode- oder Farbtrend mitmachen, wenn er nicht zum Typ passt!?". Beim Bloggen gilt es vor allem, authentisch zu bleiben. Das sieht auch Tamara Claus (25) aus Kirchenthumbach so. Ihren Blog betreibt sie aus Zeitgründen nicht mehr, interessiert sich jedoch nach wie vor für Mode.

Tamara Claus hat Fotografie, Typografie und Verbale Kommunikation in Nürnberg studiert. Als Bachelorarbeit entwickelte sie ein Mode- und Lifestylemagazin zum Thema "Do-it-Yourself". Das Magazin wird derzeit in Nürnberg ausgestellt. Momentan ist sie in Fürth als Grafikdesignerin tätig. Auch ihr Modeblog profitierte von ihrer kreativen Ader. Mit Fotos über ihre neuesten Errungenschaften fütterte sie regelmäßig ihre Fangemeinde.


Tamara Claus. Bild: privat

Den Kick beim Bloggen beschreibt sie so: "Ein eigener öffentlicher Blog ist natürlich die perfekte Plattform zur Selbstinszenierung. Sobald man online etwas teilt, gibt man immer etwas über sich selbst preis. Andere mit Fotografien, Texten oder Videos zu inspirieren macht Spaß. Andererseits bietet man so natürlich eine gewisse Angriffsfläche. Zu bloggen erfordert also schon ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein. Man sollte sein Glück nicht von der Zahl seiner Leser abhängig machen. Nicht jeder Beitrag, den man postet, wird sofort mit zahlreichen "Likes" oder Kommentaren honoriert".

Um diese sogenannten "Likes" zu bekommen, hilft besonders eine gute Vermarktung der Blogs. Neben einer ansprechend optischen Gestaltung waren für Claus regelmäßige Beiträge sehr wichtig. "Die sind sehr ausschlaggebend für einen guten Blog", betont die Ex-Bloggerin. Tanja Thurn hat sich außerdem bei verschiedenen Online-Plattformen, wie Instagram oder Twitter angemeldet. Durch sogenannte Hashtags kann sie die Aufmerksamkeit auf ihren Blog ziehen. Auch für Tamara Claus war es wichtig, auf mehreren sozialen Netzwerken aktiv zu sein und diese untereinander zu vernetzen:
"Man teilt seinen neuesten Beitrag dann zum Beispiel auf Facebook. Sich unterschiedlicher Medien wie Videos und Fotos zu bedienen, kann nicht schaden. Bekanntheit gewinnt man auch durch Gastbeiträge auf anderen Blogs oder, indem man ein Gewinnspiel startet. Ein Patentrezept gibt es aber nicht, oft braucht man auch einfach etwas Glück".

Fulltime-Job Blog: Zeitaufwand unterschätzt


Auch Dana Lohmüller vernetzt ihren Blog auf verschiedenen Plattformen. Zurzeit ist sie in vielen Blogger- und Modecommunities unterwegs, um noch mehr auf ihren Blog aufmerksam zu machen. "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Zugegebenermaßen habe ich es etwas unterschätzt, wie viel Arbeit es ist, auf allen Internet-Plattformen präsent zu sein, aber es macht auch unheimlich viel Spaß. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so sehr über jeden einzelnen neuen Follower, Kommentar und „Like“ freuen kann", erzählt Lohmüller begeistert.


Dana Lohmüller präsentiert ihre Mode selbst. Bild: privat.

Auf anderen Blogs holen sich die drei jungen Frauen auch selbst Tipps. Es gibt einfach zu jedem Thema etwas: Sonnenbrillen, Schmuck, Handtaschen und und und. Tamara Claus geht aber auch mit offenen Augen durch die Welt. Sie sammelt Ideen auf Reisen, beim Stöbern im Internet oder durch die Musik.

Welche Rolle spielt neben Modeblogs eigentlich das Fernsehen noch für Mode?
Die Sendung "Shopping Queen" beispielsweise, die auf dem privaten Sender VOX ausgestrahlt wird, hält Claus mehr für unterhaltend als für inspirierend. Es ist aber dahingehen eine gute Hilfe, um entscheiden zu können: Das gefällt mir oder das gefällt mir nicht! Auch dadurch kann sich ein Stil neu entwickeln oder verfestigen. Auch Lohmüller findet die Sendung unterhaltsam. Sie überlegt natürlich immer mit, was sie sich zu dem vorgegebenen Thema aussuchen würde. "Ich fände es superspannend selbst mal daran teilzunehmen und habe tatsächlich schon darüber nachgedacht mich zu bewerben", sagt sie.

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Internetseite Styleranking
Dana Lohmüllers Blog
Dana Lohmüllers Twitter-Account

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