Diese Kinder jubeln jeden Morgen auf dem Weg zum Unterricht
AK Asyl unterrichtet Kinder aus der Notunterkunft Mehrzweckhalle

"Das sind alles Schätze", sagt Daniela Dütsch über ihre Flüchtlingsklasse. Sie unterrichtet mit Marie-Theres Pech die älteren Kinder. Bilder: ca (2)

Dienstag, 9 Uhr. 25 syrische und irakische Kinder biegen flotten Schrittes in die Luitpoldstraße ein. Jubel bricht aus. Warum? "Weil sie jetzt ihre Schule sehen", erklärt Betreuerin Daniela Dütsch. Seit einer Woche unterrichtet der Arbeitskreis Asyl alle Schulkinder aus der Mehrzweckhalle in seinen Räumen in der Innenstadt.

In der Notunterkunft leben derzeit über 220 Flüchtlinge, darunter sind 50 Kinder - vom wenige Monate alten Baby bis zum 16-Jährigen. Mehrere Frauen stehen zudem kurz vor der Entbindung. Die meisten Kinder befinden sich bereits seit November in der Erstaufnahmeeinrichtung. Ursprünglich hätten ihre Familien nur wenige Tage bleiben sollen. Jetzt stockt die bundesweite Umverteilung. Eine Gesetzesänderung des Innenministeriums ermöglicht zudem seit Dezember, dass Asylbewerber bis zu sechs Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung verbleiben dürfen.

Das Leben in der Halle ist kein Zuckerschlecken: Feldbetten, Trennwände gibt es nur für Familien, Gemeinschaftsduschen und -toiletten, kein Recht auf Kindergarten oder Schule bzw. Deutschkurse. Um die Situation zumindest für die Kinder zu entschärfen, ist der AK Asyl eingesprungen. Kräfte der Hausaufgabenhilfe vom Nachmittag haben ihre Arbeitszeit auf den Vormittag verlängert. Vier Hauptamtliche unterrichten die 25 Schulkinder von 9 bis 11.30 Uhr in zwei Gruppen. Insgesamt 24 zusätzliche Personalstunden muss der AK Asyl schultern. "Ehrlich gesagt wissen wir noch gar nicht, wie wir das hinkriegen", sagt Jost Hess. "Aber daran darf es nicht scheitern." Parallel steigt der finanzielle Bedarf durch immer mehr Nachmittagskinder. Ohne Spenden geht gar nichts.

Der Lohn: enthusiastische Schüler. Mit nie gesehener Begeisterung nehmen die Hallen-Kinder am Unterricht teil. Innerhalb einer Woche sprechen sie ihre ersten Wörter Deutsch. Die Großen üben in Schreibheften das deutsche Abc. "Ganz großartig" findet Ursula Hess den Lerneifer der Flüchtlingsklasse. Sie wird mit "Usula! Usula!"-Rufen begrüßt. Mariam überreicht ein selbstgemaltes Herz-Bild.

Schon nach gut zwei Stunden geht es für die Kinder zurück in die Halle. Nur ein deutsches Wort sagen sie ungern: "Tschuß!" Zum einen ist das "ü" für die syrischen und irakischen Kinder der schwierigste Buchstabe überhaupt. Zum anderen hätte in ihren Augen der Unterricht gern noch viel länger dauern dürfen.
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