Direktor Josef Weilhammer über Herausforderungen und Chancen der Europa-Berufsschule
Das Beste aus zwei Welten

Handwerksberufe bieten derzeit und auch in Zukunft große Chancen. Bild: otj
 
Josef Weilhammer, Direktor der Europa-Berufsschule, ist Handwerker und Akademiker. Er wirbt für das System der dualen Ausbildung. Bild: otj

Flüchtlingskrise, unsicherer Arbeitsmarkt - Josef Weilhammer nimmt Herausforderungen gerne an, auch wenn es nicht immer leicht ist. Der Direktor der Europa-Berufsschule sagt: "Wir haben den Auftrag von der Gesellschaft bekommen und wir werden dafür bezahlt, Lösungen zu finden."

Der Pädagoge hat die Verantwortung über etwa 3500 Schüler - und für die bricht er eine Lanze. "Wir tun viel für unsere Eliten, aber wenig für die Schwächeren." Aus diesem Grund steht er hinter dem System der dualen Ausbildung. "Auch wenn jetzt die Akademisierungswelle dafür sorgt, dass die Kombination von Praxis und Theorie ein Dasein als Stiefkind führt."

Handwerker
und Akademiker


Das sei bedauerlich, denn die berufstätigen Akademiker in der Region machten gerade einmal zehn Prozent der Arbeitnehmer aus. "Dagegen gibt es sehr viele meistergeführte Betriebe." Auch nach einer klassischen Berufsausbildung gebe es genügend Wege, Karriere zu machen. Weilhammer stellt außerdem die Frage: "Ist es schön, wenn man mit Nachhilfe zum Abitur getrieben wird?"

Der Oberstudiendirektor will aber die beiden Zugangswege in den Beruf keinesfalls gegeneinander ausspielen. Man brauche beides. Das beste Beispiel ist der Schulleiter selber. "Ich bin Handwerker und Akademiker. Und ich schätze beide Seiten. Man muss einfach das Beste aus beiden Welten zusammenführen."

Auf dem Arbeitsmarkt hätten manche Wirtschaftszweige echte Schwierigkeiten bei der Rekrutierung des Nachwuchses. Gefragt seien kaufmännische Berufe. Manche Handwerksberufe hingegen würden wenig nachgefragt. Weilhammer: "Es ist nicht jedermanns Sache, bei jedem Wetter draußen zu sein oder morgens um 2 Uhr aufzustehen."

Großes Netzwerk


Der Auftrag der Berufsschule gehe indes über die reine Wissensvermittlung hinaus. "Wir haben ein großes Netzwerk, von dem unsere Schüler profitieren. Zum Beispiel arbeiten wir ganz intensiv mit der Agentur für Arbeit zusammen." Das sei etwa von Nöten, wenn der Ausbildungsbetrieb die Schüler nicht übernimmt.

Die Auszubildenden kämen aus einem sehr geschützten Bereich, der Schule. In den Berufen gehe es manchmal "rau, aber herzlich" zur Sache. Damit müsse man klarkommen. Daher bekämen die jungen Menschen sozialpädagogische und schulpsychologische Unterstützung.


Da in Deutschland bis 16 Jahren Schulpflicht herrscht, kämen auch Schüler, die keine Ausbildung absolvierten. "Die gehen nicht gerne zur Schule, lernen nichts, sagen: Ich habe eh keine Chance." Damit müsse man sich auseinandersetzen. "Wir würden da gerne noch mehr tun, aber es ist nicht einfach. Wir wollen sie aber definitiv nicht fallenlassen."

Eine besondere Herausforderung stellten derzeit die Jugendlichen dar, die mit der Flüchtlingsbewegung nach Weiden kommen, berufsschulpflichtig sind und zum Teil noch nie eine Schule besucht hätten.

"Viele müssen erst schreiben und lesen lernen und können natürlich nicht dem normalen Unterricht folgen", berichtet der Direktor. Trotzdem sei es eine spannende Aufgabe und natürlich viel Arbeit, diesen Schülern zu helfen. Es gebe auch eine Klasse, die zum Hauptschulabschluss führe. "Wir müssen uns da herantasten, Strukturen aufbauen." Weilhammer betont: Kulturelle Inklusion sei der richtige Weg.

Dabei müsse man aber sensibel vorgehen. "Was haben denn die jungen Menschen noch? Ich muss ihnen die Selbstachtung lassen, sie wertschätzen und ihnen ihre Eigenheiten lassen. Gleichzeitig müssen wir ihnen aber aufzeigen, dass sie sich integrieren müssen." (otj)

Berufsberater

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