Diskussion über Körper-Ausstellung – Entscheidend: Die Würde bewahren
Leichenschau auf schmalem Grat

Soll man Tote ausstellen? Ja, haben Thomas und Claudia Mayer für sich entschieden. Sie besuchten die Körper-Ausstellung am Festplatz. Bild: Götz

Die Toten liegen hinter ihnen. Und Thomas Mayer ist "fasziniert". Mit Frau Claudia und seiner Tochter kommt er aus der Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten". "Das muss ich erst einmal auf mich wirken lassen." Wie berichtet, zeigt die Schau bis Sonntag auf dem neuen Festplatz als Plastinate konservierte menschliche Körper(teile). Die weit bekannteren und größeren "Körperwelten" eines Gunther von Hagens mögen schon älter sein. Wenn eine solche Ausstellung nach Weiden kommt, löst sie trotzdem heute noch Diskussionen aus.

Auch bei Familie Mayer. Ob sie wirklich Tote anschauen sollen? "Wir haben darüber geredet." Letztlich habe das Interesse überwogen. Und am Ende sei es tatsächlich lehrreich gewesen. Etwas weniger gelernt haben die vier Frauen, die kurz nach den Mayers das Zelt verlassen. Sie alle haben eine pflegerische Ausbildung, kennen die menschliche Anatomie. Aber man sehe das Ganze hier einmal aus einem anderen Blickwinkel, sagt Tanja, eine von ihnen. Zumal die Aufmachung angemessen sei. "Sehr sachlich gehalten". Und "keine Zurschaustellung". Allerdings gibt es nicht nur positive Kommentare. Auf der Facebookseite unseres Internetauftritts Onetz etwa, wo die Ausstellung rasch viele Reaktionen nach sich zog. Kurt Bauernfeind moniert, er habe die Schau in Hof schon gesehen. Klein und teuer sei sie.

Zwei Blickwinkel


Wobei die Fragen natürlich noch weit jenseits des Geldbeutels reichen. Schließlich bewegen sich solche Ausstellungen immer auf einem schmalen Grat. Und zwar zwischen Effekthascherei und berechtigter Information, wie Johannes Lukas sagt. Er hat zwei Blickwinkel. Einerseits als katholischer Stadtdekan. Andererseits ist er ausgebildeter Sanitäter, arbeitete als solcher ehrenamtlich und hat zu Hause Anatomie-Bücher stehen.

Er würde sich die Schau denn auch ansehen, wenn er Zeit hätte. Entsprechend habe er grundsätzlich nichts dagegen, solange es sachlich ist, einen Lehrauftrag verfolgt und nicht auf bloße Showeffekte setzt. Das sei entscheidend. Denn als Christ sehe er in einem Körper mehr als eine Maschine. Dieser sei von Gott geschaffen und habe damit auch eine Würde über den Tod hinaus. Und diese Würde, fügt Lukas an, müsse nicht nur der Veranstalter wahren. Sondern auch die Besucher, die den Exponaten nicht bloß schaulustig begegnen sollten.

Die Würde betont auch Dr. Manfred Hausel, Ärztlicher Direktor a. D. und Vorsitzender des Ethikkomitees der Kliniken Nordoberpfalz AG. Er habe die Ausstellung zwar noch nicht gesehen. Aber er habe auch so kein Verständnis dafür, dass am Festplatz auch Neugeborene zu sehen sind. Anders sei das bei Erwachsenen, die sich freiwillig für die Plastination nach dem Tod entschieden haben.

Bei einer sachlichen Präsentation könne das durchaus gut sein. Nicht nur, weil jeder seinen Körper kennen sollte und hier viel erfahren könnte. Sondern auch, weil das alles schlicht eine ungeheuere Faszination ausübe. "Der Körper ist ein Wunderwerk. Und wenn das dazu beiträgt, dass die Leute rausgehen und sagen ,Das ist eine tolle Sache, die der liebe Gott da gemacht hat' - dann hat die Ausstellung schon einen Sinn."
Weitere Beiträge zu den Themen: Leichen (1)Körper - Die Lehre der Toten (2)
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