Django Asül in Weiden
Die Welt am Cappuccino-Stammtisch

"Welterklärer" Django Asül verschoss die "Letzte Patrone" in Weiden. Bild: Stiegler

Django Asül muss man nicht erklären, wo er sich befindet. Auch das neue "Wahrzeichen" von Weiden kennt er. Das tröstet über kleine Schwächen im Programm hinweg.

In Weiden, da kennt er sich aus. Da weiß er, dass am Sonntag der Kathreinmarkt stattfindet. Da kennt er die Verbundenheit zwischen der Stadt und Max Reger ("Ich hab' all seine Platten daheim!"). "Und in der Fußgängerzone hat mich ein Besucher des heutigen Abends begrüßt und gesagt, dass er noch nie in Weiden war und erst nachschauen musste, wo das liegt", erzählt Django Asül. Pfeilschnell habe er dann gefolgert, dass der Besucher wohl aus Schirmitz kommen müsse.

Der niederbayerische Kabarettist mit türkischem Hintergrund hat seine Hausaufgaben gemacht, als er am Sonntagabend im fast ausverkauften Gustav-von-Schlör-Saal der Max-Reger-Halle auf der spartanischen Bühne steht. Requisiten braucht Asül nicht, nur einen Stehtisch und einen Bierkrug mit heißem Tee. Seine "Kabarett-Waffen" - bei einem Programm, das "Letzte Patrone" heißt, darf man sicherlich von Waffen sprechen - sind seine meist geschliffene Sprache, seine Gestik und Mimik. Und auch das Lokalkolorit. Asül weiß sogar, dass es in Weiden ein neues Wahrzeichen namens "Loch" - respektive Stadtgalerie-Baustelle - gibt. "Im Sommer wird es dann als Freibad genutzt!", verspricht er.

Europa ist inkontinent


Die Themen, über die der Kabarettist sinniert, sind vielfältig: Das Auseinanderbrechen Europas ("Europa ist kein Kontinent, Europa ist inkontinent!"), der "Öko-Fundamentalismus" und das "Wettrüsten" beim Auto ("Meine pragmatische Lösung: einfach das stärkste Auto haben") oder auch der Terror des IS.

Letztlich ist die ganze Weltpolitik einfach zu erklären - da setzt man sich einfach in Hengersberg am Cappuccino-Stammtisch zusammen und plaudert. In erster Linie hört man dort Stammtischbruder Hans zu, der anhand von Schnitzeln und auf Känguru-Basis aktuelle Themen seinen Zuhörern nahebringt - ganz gleich, ob es die Flüchtlingsfrage oder die nicht näher zu bestimmenden diffusen Ängste sind. ("Je diffuser sie werden, umso empfehlenswerter sind Schrotflinten!").

Fest im Blick hat Asül den demografischen Wandel - während jedes Jahr die Gesellschaft nur um einige Tage älter werde, altere er selbst ein weiteres Jahr - mit der Folge, dass er mit 48 Jahren die Rente erreicht. Und dann gehe es darum, sich sinnvoll karitativ zu engagieren - sei es bei der Feuerwehr oder im Krieger- und Veteranenverein Hengersberg ("Das ist so etwas wie anderswo die Rotarier"). Geprobt habe er dort schon einmal mit der Bürgerwehr - mit einer gigantischen Pfeffermühle als Waffe und unterstützt von Nachbars Katze. Aber nachts eine Bürgerwehr, in einem Ort, "in dem selbst die Peripherie zentral ist"? Ein heilloses Unterfangen. Auch Angebote von Frauen, als Bodyguard tätig zu sein, habe er abgelehnt - deren Körper hätten eh meist über einen "ästhetischen Schutzmechanismus" verfügt.

Man kann Asül nicht vorwerfen, dass er sich keine Gedanken macht. Und dass es ohne Kalauer heutzutage kaum noch geht - geschenkt. Dass aber die schon reichlich Patina angesetzte Beckenbauer/DFB/WM-Episode immer im Programm ist, verwundert. Auch der thematisierte, mittlerweile ein Jahr alte Abschuss eines russischen Bombers durch türkische Streitkräfte will nicht so recht ins Bild passen, wenn der Putsch in der Türkei, die mittlerweile dicke Freundschaft Putin-Erdogan oder der Name Donald Trump nicht einmal erwähnt werden. Für Asül, dessen große Stärke auch im spontanen Dialog mit dem Publikum liegt, sollte dies kein Problem sein.

Nichte als Nachfolgerin


Es sind die Sekunden vor dem zweiten Teil, die sinnbildlich für den Abend sind. Der Kabarettist geht in Richtung Bühne, vorbei an Plakaten von Bruno Jonas und Günter Grünwald: Der eine Kabarettist mit feinsinnigem und hintergründigem Humor, der andere ein Comedian, mitunter derb und ein Meister der Schenkelklopfer. Man würde gerne wissen, wo sich Asül zwischen diesen beiden Extremen verortet. Richtig klar wird dies bei seinem Auftritt nicht. Eines wird aber deutlich: Legitime Nachfolgerin Asüls wird seine sechsjährige Nichte. Mit ihr führt er lebensphilosophische Diskussionen, und gelernt habe sie auch schon viel, wie Asül stolz berichtet. Sie redet nur noch, wenn sie dafür bezahlt wird.
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