DNA-Gutachten beweist "nur" Berührung, daher Bewährungsstrafe im Missbrauchsprozess
Amerikaner ein freier Mann

Symbolbild: dpa

Der wegen Missbrauchs seiner 24-jährigen Tochter angeklagte Amerikaner hat das Gericht als freier Mann verlassen. Der 45-Jährige musste am Mittwochmittag nur noch seinen Koffer aus der JVA holen. Ein Gutachter des Landeskriminalamts konnte zwar seine Samenflüssigkeit in ihrem und ihre Vaginalzellen in seinem Intimbereich nachweisen. Aber dies beweise nicht den angeklagten Geschlechtsverkehr, sondern "nur" sexuelle Berührung.

Damit bleibt es beim "einfachen" Missbrauch, nicht wie angeklagt beim schweren Missbrauch. Die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Markus Fillinger fällte mit zwei Jahren Haft ein salomonisches Urteil. Damit ist gerade noch Bewährung möglich. Zur Tat im März war der Angeklagte zu Besuch bei seiner ältesten Tochter und deren Mann, Soldat in Grafenwöhr. Seither saß er in U-Haft. Der Mann kann jetzt nach Hause nach Michigan fliegen.

Auch wenn es dieses Zuhause nicht mehr gibt. "Ich habe keine Frau mehr, keine Kinder, kein Heim, kein Auto, keine Arbeit. Ich habe nur noch mich", weinte der 45-Jährige vor Gericht. Die Scheidung ist fast durch. Eine Klage auf Unterhalt liegt schon vor. Noch in der U-Haft überschrieb der dreifache Vater unter notarieller Aufsicht das fast abbezahlte Haus in Michigan seiner Frau. "Für einen Dollar." Die künftige Ex habe Druck gemacht: Die zwei weiteren Kinder - Sohn (18) und Tochter (16), beide noch auf der Highschool - verlören sonst ihr Dach über dem Kopf.

Besuch in Oberpfalz


Die größte Tochter, das Opfer der Missbrauchshandlung, lebt mit ihrem Mann in einer US-Wohnsiedlung im westlichen Landkreis. Dort trug sich jene Nacht mit fatalen Folgen zu. So weit unstrittig: Tochter und Vater becherten auf dem Sofa Wein bzw. Bier. Der Schwiegersohn hatte sich ins Bett verabschiedet. Das wenige Monate zuvor geborene Baby schlief im Kinderzimmer - überwacht per Monitor im Wohnzimmer. Beide erzählen übereinstimmend, dass man sich ausgesprochen habe. Die Tochter berichtete dem Vater erstmals von ihren Suizidversuchen, man habe geweint, sich umarmt.

Dann unterscheiden sich die Berichte: Er sagt, die Tochter hätte sich ihm enthemmt angenähert und man hätte sich beiderseits in die Shorts gegriffen. Sie sagt, sie sei eingeschlafen (hochgerechnet zwischen 2,1 und 2,9 Promille) und aufgeschreckt, als er ihr gerade die Hose wieder hochzog. Dazwischen: "Blackout."

Staatsanwältin Carina Spörl nahm dem Angeklagten die Einvernehmlichkeit nicht ab. Die Tochter habe schockiert auf diese Behauptung reagiert. "Ein solches Verhalten entspreche überhaupt nicht ihrem Wesen." Die Staatsanwältin ging davon aus, dass der Angeklagte die Situation der volltrunken schlafenden Tochter ausnutzte. Und sie war sich auch sicher, dass es sich nicht um den ersten Übergriff handelte. Schon zwei Mal standen Vorwürfe der Töchter im Raum, der Vater habe sie unangemessen berührt. Staatsanwältin Carina Spörl forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Für Verteidigerin Jutta Carrington war das Gutachten kein Beweis. Der LKA-Experte hatte mehrfach bestätigt, dass eine Übertragung der Zellen per Hand möglich sei. Ihr Mandant habe den Fehler gemacht, sich selbst in diese schwer erklärbare Lage zu bringen: "Ich habe ihn auch gefragt: Warum zur Hölle sind Sie nicht aufgestanden und rausgegangen?" Ein Fehler, den er büßen müsse. "Er hat nichts mehr. Null." Sie wies auf den schwierigen, dennoch unbescholtenen Lebenslauf des Mannes hin. Den eigenen Vater kenne er nicht, berichtete der Angeklagte. Vom Stiefvater habe er Prügel bezogen. Mit 16 Jahren zog er mit Einverständnis des Gerichts daheim aus. "Von da an war ich mein eigener Herr."

Er heiratete sein Jugendliebe, die künftige Ex-Frau. Man bekam drei Kinder und baute sich bescheidenen Wohlstand auf. Zuletzt hatte es der 45-Jährige zu einem Abteilungsleiter bei einem Autozulieferer gebracht. Sein letztes Wort: "I want to go home." Am Mittwoch stellte sich die Frage, wer das Flugticket zahlt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.