Dolmetscher der Kulturen
Zusammen gegen Terror und Gewalt

Sobhi Mahmoud. Bild: Götz
  Die Gewalttaten der vergangenen Wochen in München, Ansbach, Würzburg sind weiterhin Gesprächsthema. Auch die Flüchtlinge, die in der Europa-Berufsschule die Dolmetscher-Klasse besuchen, befassen sich damit. Der aus Syrien stammende Englischlehrer Sobhi Mahmoud hat seine Gedanken für die NT-Kolumne "Dolmetscher der Kulturen" niedergeschrieben:

Niemand kann verleugnen, dass die Ereignisse in Deutschland uns sehr weh getan und die Herzen gebrochen haben. Die Leute, die diese Taten verübten, kennen weder Menschlichkeit noch Mitleid. Dabei ist es egal, ob kriminelle, physiologische oder terroristische Gründe sie zu den Taten trieben.

Deutschland war und ist immer noch eines der wenigen Länder, das Flüchtlingen und allen anderen Leuten, die unter Aggression und Unterdrückung in der Heimat leiden, geholfen hat und das seine Türen weit geöffnet hat, um sie willkommen zu heißen.

Ich habe mich gefragt, warum ausgerechnet Deutschland Ziel der Gewalttaten wurde? Im Prinzip erntet man das, was man sät. Deutschland hat die Samen des Guten weltweit gesät und ein Beispiel des Mitgefühls mit armen Ländern in Afrika und Asien gegeben. Das steht im Gegensatz zu vielen entwickelten, aber gierigen Ländern.

Ehrlich gesagt ist Deutschland aktuell der Schutzschild für unterdrückte Menschen. Es ist die Friedenstaube unserer Zeit.

Deshalb soll man sich revanchieren und das Gute zurückgeben. Ja so ist es. Deutschland wurde unser zweites Heimatland und die Deutschen sind zweifellos unsere neuen Familien. Deutschland verdient und erwartet alles Gute von uns.

Ich rufe alle Bewohner in diesem Land auf, zusammenzuarbeiten. Sicherheit und Frieden sind große Segnungen des Lebens. Deshalb ist der Schutz Deutschlands gegen die aktuellen Angriffe nicht nur die Aufgabe der Deutschen selbst, sondern auch die Pflicht jeder Person, die in diesem Land lebt.

Radikalismus und Gewalt haben fast jede Ecke unseres Lebens erfüllt. Daher müssen alle gemeinsam gegen diese unheiligen Krankheiten arbeiten. Radikalismus sowie die Träger dieser rückständigen Denkweise kennen keine Unterschiede, keine Religionen und keine Hautfarben. Sie unterscheiden nicht zwischen Kindern, Frauen oder altersschwache Menschen. Sie kennen nur Zerstörung, Mord und Tod. Sie sprechen nur die Sprache des Blutes.

Auf der anderen Seite gibt es auch manche Deutsche, die im trüben Wasser fischen. Nie wird diese Kategorie von Menschen zögern, die Situation schnell und schlecht gegen Flüchtlinge auszunutzen. Diese Leute haben die Ereignisse immer wieder ohne Beweise und bevor sie geprüft wurden, mit den Flüchtlingen, teilweise mit den Muslimen verbunden, ungeachtet der Staatsangehörigkeit, der religiösen Zugehörigkeiten oder der Triebkräfte der Täter. Im Großen und Ganzen verurteilen sie aus rassistischen Motiven. Sie haben bereits vorgefasste feindselige Meinungen gegen Flüchtlinge.

Die Täter und die Radikalen sind sehr weit weg vom Islam und seiner tolerierten Lehre. Der Islam verbietet zu töten, egal aus welchem Grund es geschieht. Das steht deutlich im heiligen Koran, in dem Allah sagt: "Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten."

Zusätzlich hat der Prophet Mohammed das gute Verhalten des echten Muslims erklärt. Er hat immer wieder empfohlen, keinen Baum zu fällen, den Altersschwachen zu helfen und sie zu respektieren sowie Frauen zu achten.

Unglücklicherweise hat diese kleine gewalttätige Gruppe das gute und reine Bild des Islam verdreht. Sie haben ihre eigene fanatische und extreme Denkweise. Sie nutzen Leute, die unter psychischen Problemen leiden, brutal aus, um ihre niedrigen Ziele zu erreichen.

Fanatismus und die fanatischen Leute sind der schlechteste Feind der Muslime. Das zeigt sich so klar in einigen arabischen Ländern wie etwa Syrien, Irak, Jemen, Libyen und Saudi-Arabien, die von zahlreichen terroristischen Anschlägen betroffen sind. Zivile Gebiete und die Seelen der unschuldigen Opfer sind Ziele dieser Anschläge. Das bedeutet, dass Terrorismus weder eine feste Zeit, noch Platz oder Ziel hat. Er schlägt in der ganzen Welt zu, um die Menschheit umzubringen.

Terrorismus und Rassismus sind gleich, weil sie die beiden Seiten der gleiche Münze sind. Ich wünsche Deutschland eine dauerhafte Entwicklung und Verbesserung. Ich wünsche allen Leuten in Deutschland, egal ob Ausländer oder Inländer, ein sicheres und friedliches Leben.

Ich mahne mich selbst und Euch, dass Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung nicht nur Aufgabe der Sicherheitsbehörde, sondern auch unsere ist. Teilen Sie bitte alle verdächtige Personen, die die Sicherheit und den Frieden auf diesem Boden gefährden können, den Sicherheitsbehörden mit.

___

Der neue Tag gibt Flüchtlingen, die die Dolmetscher-Klasse der Europa-Berufsschule besuchen, Stimme, Gesicht und ein Forum. In einer Serie beschreiben einige von ihnen, wie sie unsere Welt sehen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.