"Dornrose" berät Lehrer und Erzieher bei der Erstellung eines Konzepts
Zum Schutz vor Missbrauch

"Wir vermitteln gerne die Basics für ein Schutzkonzept", sagt Sozialpädagogin Karin Schmidt. Zielgruppe von "Dornrose" sind Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Vereine und Schulen. Bild: Götz

Jeder kennt diese Schlagzeilen: Missbrauchsskandal in der Odenwaldschule. Fußballtrainer gesteht sexuellen Missbrauch. Erzieher wegen sexueller Übergriffe verurteilt. Mitarbeiterinnen des Vereins "Dornrose" wollen hier im Vorfeld gegensteuern. Mit einem Schutzkonzept.

Zielgruppe sind Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Schulen, Sportvereine oder auch Einrichtungen für behinderte Menschen. "Wir bieten unsere Beratung gerne an", erklärt Sozialpädagogin Karin Schmidt vom Verein "Dornrose", der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt. Jede Einrichtung müsse dieses Konzept dann allerdings an ihre Gegebenheiten anpassen. "Denn die sind sehr unterschiedlich."

Wichtig: Risikoanalyse


Dennoch gibt es einige Grundregeln, die laut Karin Schmidt auch vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung empfohlen werden. Johannes-Wilhelm Röhrig hat übrigens am Dienstag ein bundesweites Projekt vorgestellt, mit dem das Ausmaß sexueller Gewalt an Schulen eingedämmt werden soll (wir berichteten).

"Wichtig ist die Risikoanalyse. Jede Einrichtung sollte untersuchen, welche Risikosituationen im Arbeitsalltag auftreten können", so Karin Schmidt. "Wie geht man mit Nähe und Distanz um? Wie mit körperlicher Berührung? Das ist in einem Kinderheim anders als in einem Sportverein." Dass ein Trainer bei einer Übung Hilfestellung geben muss, ist klar. "Ungewöhnlich häufiges Erscheinen in Duschraum oder Umkleide könnte allerdings zu einer Situation führen, die ausgenutzt wird, von Menschen, die übergriffig werden." Die Sozialpädagogin fügt aber gleich hinzu: "Natürlich ist nicht jeder verdächtig, der mal in den Duschraum geht, zum Beispiel um noch etwas Wichtiges mitzuteilen."

Außerdem betrifft das Schutzkonzept keinesfalls nur mögliche Übergriffe von Mitarbeitern. "Die Täter können Außenstehende, Familienangehörige oder andere Jugendliche sein." Für Erzieher, Pädagogen oder Pflegepersonal sei es deshalb wichtig, unterschiedliche Täterstrategien zu kennen und zu wissen: Was deutet auf einen Fall von sexuellen Missbrauch hin? Wie gehe ich in einem Verdachtsfall vor? Wer bietet Beratung? Karin Schmidt: "Das gibt den Mitarbeitern mehr Sicherheit."

Täter üben Druck aus


Denn eines sei klar: "Man sieht einem möglichen Täter nicht an, dass er gefährlich ist." Eine häufige Vorgehensweise ist, laut Schmidt: "Täter merken mit der Zeit, welches Kind besonders bedürftig ist. Sie schleichen sich ins Vertrauen, machen Geschenke, verbringen viel Zeit mit ihm. Schließlich testen sie, ob das Kind körperliche Berührung zulässt, setzen es dann unter Druck, machen ihm Angst. Deshalb teilen sich Kinder in solchen Fällen auch nicht so leicht mit."

Zwei wichtige Aspekte in diesem Zusammenhang seien das Alter der Kinder und inwieweit sie aufgeklärt sind, so dass sie den Vorfall entsprechend schildern können. "Es kam auch schon mal zu einem falschen Verdacht, weil das Kind nicht aufgeklärt war und sich nicht richtig ausdrücken konnte", weiß Karin Schmidt aus der Praxis.

Bisher wurde die Fachstelle "Dornrose" - zuständig für den Raum Weiden, Neustadt, Tirschenreuth - in der Regel erst zu Rate gezogen, wenn es bereits zu einem Verdachtsfall gekommen war. Der sich nicht immer bestätigt hat, betont die Sozialpädagogin. "Unser Ziel ist es aber, dass sich Einrichtungen, Schulen und Vereine schon im Vorfeld mit einem Schutzkonzept befassen. Wir sind gerne bereit, die Basics zu vermitteln." Jeder müsse das Konzept nach den eigenen Gegebenheiten weiterentwickeln und möglichst die Mitarbeiter fortlaufend schulen. "Auf Anfrage haben wir didaktisch ausgearbeitete Konzepte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen." Ein Schwerpunkt von Elisabeth Scherb. Die Sozialpädagogin ist seit Mai bei "Dornrose" tätig.

"Jede Einrichtung sollte ein Schutzkonzept fest in ihr Programm aufnehmen. Das gehört meiner Ansicht nach zu den Qualitätsmerkmalen", sagt Schmidt. "Dazu muss überhaupt nichts vorgefallen sein. Im Gegenteil: Wir möchten durch unsere Beratung ja Vorfälle verhindern."

Schulen, Vereine, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die Interesse an der Entwicklung eines Schutzkonzeptes haben, können sich an "Dornrose" wenden, Telefon 0961/33 099.
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