Drei Männer müssen sich ab nächster Woche wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten
Zwei Kilo Crystal an verdeckten Zoll-Ermittler verkauft

Die Originalware, übergeben im Juni und Juli 2015 in einer Weidener Gaststätte. Ab nächster Woche müssen sich drei Männer, zuletzt wohnhaft in Tschechien, dafür vor Gericht verantworten. Bild: Zollfahndungsamt

Ein ungewöhnlicher Prozess steht dem Landgericht ins Haus. Vor Gericht stehen drei Männer zwischen 46 und 55 Jahren, die kiloweise Crystal ins Land gebracht haben sollen. Als Übergabeort nutzten sie ausgerechnet eine Gaststätte in der Nähe der Inspektion. Auch den Käufer hätten sie sich besser genauer angesehen: Es handelte sich um einen verdeckten Ermittler des Zolls.

Dieser "noeB" (nicht offen ermittelnder Beamter) macht den Prozess zusätzlich spannend: Der Mann möchte bei seiner Aussage vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Weiden nicht zu erkennen sein. Er will zudem weder Dienststelle noch Personalien nennen.

16 Inkognito-Zeugen


Letzteres gilt auch für weitere 15 Zeugen, die inkognito bleiben möchten. Es handelt sich um Beamte des Observationsteams sowie sogenannte V-Personen (Vertrauenspersonen) aus der Szene, von denen fraglich ist, ob sie überhaupt als Zeugen auftreten müssen. An der Observation war neben dem Zoll auch die Landespolizei beteiligt.

Konkret hat sich laut Anklage von Staatsanwalt Christian Härtl im Sommer 2015 folgendes zugetragen: Die Männer - ein Serbe (49), ein Tscheche (46), ein Slowake (55) und ein vierter Unbekannter - begannen spätestens im Mai 2015, in Tschechien Crystal herzustellen. Die Ware sollen sie anschließend zum Verkauf über den Grenzübergang Waidhaus-Autobahn in die Bundesrepublik gebracht haben.

Deckname "Klaus"


Das Zollfahndungsamt München, dem eine Spezial-Soko "Crystal" mit Dienstsitz in Weiden angehört, brachte einen "noeB" ins Spiel. Deckname "Klaus". Die Angeklagten vereinbarten mit ihm künftige Deals im Kilobereich (Preis pro Kilo 20 000 Euro). Der Zoll-Mann traf sich zwei Mal mit den Männern um die Mittagszeit in der Weidener Gaststätte, die auch bei Polizisten sehr beliebt ist.

Beim ersten Date im Juni soll es zur Übergabe eines Kilogramms Metamphetamin gekommen sein. Beim zweiten Treffen sollen die Angeklagten unaufgefordert ein weiteres Kilo auf Kommission überreicht haben. Beim dritten Mal im Juli nahm der Zoll den Serben und Tschechen bei der Geldübergabe auf einem Baumarkt-Parkplatz in der Regensburger Straße fest. Für diesen Tag hatten die Angeklagten weitere drei bis vier Kilogramm angekündigt, die sie aber nicht dabei hatten.

Heikles Verfahren


Der Dritte im Bund, der 55-jährige Slowake, wurde in Tschechien festgenommen und im Dezember ausgeliefert. Damit können diese Drei miteinander vor Gericht gestellt werden. Der vierte Tatverdächtige ist unbekannt. Staatsanwalt Härtl beschuldigt die Männer des unerlaubten bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Der Strafrahmen liegt bei einer Verurteilung bei 5 bis 15 Jahren.

Verteidiger sind Rouven Colbatz, Tobias Konze und Franz Schlama. Colbatz benennt die Problematik: den Kauf durch einen Beamten. Zentrale Frage wird sein: Handelte es sich um eine Tatprovokation, und wenn, war diese rechtsstaatswidrig? Die Rechtssprechung macht hierzu feine Unterschiede, aus 2015 und 2016 gibt es drei verschiedene Urteile aus den Strafsenaten des BGH.

Angesetzt sind vier Verhandlungstage ab Donnerstag, 17. März. Vorsitzender Richter ist Markus Fillinger, Landgerichtspräsident Walter Leupold weilt im Geburtstagsurlaub.
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